Vierstündige Rettungsaktion in Kelkheim: Arbeiter in Baugrube verschüttet

Bauunfall Kelkheim 03.11.15Dramatische Szenen am Dienstagnachmittag auf einer Baustelle in Kelkheim: Ein Arbeiter war durch Erde verschüttet worden. Feuerwehr und THW rückten an, um den Mann zu befreien. Die aufwändige Rettung dauerte über vier Stunden – bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt.

Auf einer Baustelle von mehreren Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern in der Lorsbacher Straße geschah das Unglück. In der rund vier Meter tiefen Baugrube wurde nochmal ein rund drei Meter tiefer Schacht gegraben, um den seitlichen Hang der Baugrube abzustützen. Durch Holzbohlen und Metallstützen waren die Seiten der Baugrube abgesichert, eines dieser Schalungsbretter gab plötzlich nach und der 26-jährige Bauarbeiter wurde bis zum Brustbereich verschüttet. Sofort riefen seine Kollegen Feuerwehr und Rettungsdienst.

Bauunfall Kelkheim 03.11.15Der Hilfeleistungszug der Feuerwehr Kelkheim-Münster rückte zur Rettung an. Dem Verschütteten ging es den Umständen entsprechen gut. Er war vital und ansprechbar und konnte bei seiner Befreiung tatkräftig unterstützen. Doch die Rettung gestaltete sich schwierig. Zur Unterstützung rückte das THW Hofheim und die Berufsfeuerwehr Frankfurt mit dem Abrollbehälter Rüst an.

Um den Verschütteten zu Befreien wurde parallel zu ihm mit einem Bagger ein Schacht gegraben, um ihn dann durch horizontales Graben befreien zu können. Schwierigkeiten bereitete den Feuerwehr- und THW-Kräften, dass der Arbeiter nicht senkrecht im Erdreich stand, sondern durch den Erdrutsch seine beine abgewinkelt waren. Dadurch musste auch über und unter der Person vorsichtig gegraben werden.

Bauunfall Kelkheim 03.11.15Problematisch war außerdem, dass eine Sicherung des Hangs nicht möglich war, ohne den Verschütteten weiter zu gefährden. Die Rettungskräfte mussten daher auf eigenes Risiko in der Baugrube arbeiten. Tatsächlich kam es während den Rettungsarbeiten zu einem weiteren Hangrutsch, der glücklicherweise glimpflich ausging. Bei Temperaturen um die 5 Grad wurde der Verschüttete durch Scheinwerfer und eine Zeltheizung gewärmt.

Nach stundenlanger Zentimeterarbeit konnte der Arbeiter schließlich kurz nach 20:00 Uhr endlich befreit werden. Mit einer Schleifkorbtrage wurde er aus der Baugrube getragen und mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Er klagte über ein Liegetrauma – ansonsten ging es ihm den Umständen entsprechen gut.

Bauunfall Kelkheim 03.11.2015Die Erleichterung der über 100 Einsatzkräfte der Kelkheimer Feuerwehren Münster, Hornau, Mitte und Ruppertshain, der Berufsfeuerwehr Frankfurt, des THW Hofheims, des Rettungsdienstes und der Polizei war nach der Rettung deutlich zu spüren.

Abschließend wurde die Baugrube nach Absprache mit der Bauaufsicht und einem Statiker mit Kies verdichtet, um ein weiteres Abrutschen des Hanges zu verhindern. Nach über sechs Stunden war der Einsatz für die Rettungskräfte gegen 21:40 Uhr beendet. Das Bauaufsichtsamt und die Kriminalpolizei haben die Ermittlungen zum Unfallhergang aufgenommen.

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Max See / Sebastian Stenzel
Video: Max See / Sebastian Stenzel

Veröffentlichung: 04. November 2015 - 11:32 Uhr
Letzte Aktualisierung: 04. November 2015 - 22:52 Uhr
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