Therapiefreie Intervalle verkürzen: Kreis Groß-Gerau führt Ersthelfer-System „Mobile Retter“ ein

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Speziell geschulte Ersthelfer, die „Mobilen Retter“, die sich in unmittelbarer Nähe zum Notfall befinden, werden durch die GPS-Komponente ihrer Smartphones geortet und nach Wahl des Notrufs 112 durch die Leitstelle automatisch parallel zum Rettungsdienst durch die Mobile-Retter-App informiert. Mobile Retter können allein durch die örtliche Nähe sehr oft schneller als der Rettungsdienst am Notfallort sein und schon in der Zeit bis zu dessen Eintreffen qualifizierte lebensrettende Maßnahmen einleiten, die gerade in den ersten Minuten oft entscheidend sind. Der Kreis Groß-Gerau hat das System nun als erster Landkreis in Hessen eingeführt.

Vorstellung "Mobile Retter-App" Groß-Gerau 05.02.19

Mit der Einführung des Ersthelfersystems „Mobile Retter“ hofft der Eigenbetrieb Rettungsdienst die Zeitspanne bis zur Einleitung einer Wiederbelebung noch weiter verkürzen zu können. „Leider liegt die Rate der Laienreanimation mit 42 Prozent noch niedrig“, sagt Dr. Marco Renth, der Ärztliche Leiter Rettungsdienst. Dies sei umso trauriger, als 78 Prozent der Kreislaufstillstände im häuslichen Umfeld erfolgen – also in aller Regel bei Familienmitgliedern, Bekannten und Freunden.

Während der Disponent der Zentralen Leitstelle Groß-Gerau den Anrufer bei einem gemeldeten Herzkreislaufstillstand in Maßnahmen der Wiederbelebung anleitet, machen sich Rettungsdienst und Notarzt auf den Weg zum Einsatzort. Trotz eines überaus gut strukturierten Rettungsdienstes mit einem dichten Netz an Rettungswachen vergehen nach Eingang des Notrufes bei den Leitstellen bis zu 10 Minuten bis zum Eintreffen der ersten Rettungskräfte. Minuten, die alles entscheiden können. Gelingt dem Rettungsdienst-Team eine Herz-Kreislauf-Wiederbelebung, sind dennoch häufig schwere und irreversible Schädigungen des Gehirns durch den zu langen Sauerstoffmangel zu beklagen. Schäden, die trotz intensiver und mühsamer Rehabilitation oft nicht zu kompensieren sind.

Vorstellung "Mobile Retter-App" Groß-Gerau 05.02.19

Die Mobilen Retter werden von der Leitstelle im Notfall parallel zum Rettungsdienst per App alarmiert. Denn oft befinden sich in der Nachbarschaft zahlreiche medizinische Experten – Experten in puncto „Wiederbelebung“ und Soforthilfe. Es besteht ein engmaschiges Netz von Personen, die mit einer professionell durchgeführten Herz-Druck-Massage sofort helfen könnten und würden, wenn sie nur von dem Notfall „Leblose Person“ in ihrer direkten Nachbarschaft oder Umgebung wüssten. Mit der Einführung des Smartphone-basiertem Alarmierungssystems kann ein sich zufällig in der Nähe befindlicher „Mobiler Retter“ aufgespürt werden, der sofortige lebensrettende Ersthelfermaßnahmen einleiten kann. Durchschnittlich sind die „Mobilen Retter“ nach viereinhalb Minuten am Einsatzort.

Die „Mobilen Retter“ sind Krankenschwestern, Pfleger, Sanitäter, Rettungsassistenten, Feuerwehrkräfte, DLRG-Schwimmer oder Ärzte, die unmittelbare qualifizierte Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten – bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Diese wenigen Minuten können die entscheidenden Minuten für das Überleben des Patienten darstellen. Die „Mobilen Retter“ müssen sich zunächst registrieren und werden nach einer Einweisung bei einer Hilfsorganisation und einer Qualifizierungsüberprüfung freigeschaltet. Im Kreis Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) wurde 2013 das Mobile Retter-System bundesweit erstmalig als Pilotprojekt eingeführt. Es konnten bundesweit bereits mehr als 4.900 Einsätze erfolgreich durch Mobile Retter absolviert werden.

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel / Grafik: Mobile Retter e.V.
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Veröffentlichung: 06. Februar 2019 - 9:26 Uhr
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2019 - 12:00 Uhr
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