Stressresilienz in besonderen Einsatzlagen – Studienmodul Einsatzmedizin 18F

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Wie es ist in einem Kriegsgebiet Notfallmedizin zu leisten, ist für uns zum Glück kaum vorstellbar. Einen Eindruck davon vermittelt jeodch der Lehrgang “Einsatzmedizin 18F der Carl Remigius Medical School an der Hochschule Fresenius in Idstein. Eine bunt gemischte Gruppe aus Rettungs- und Notfallsanitätern, medizinischen Fachangestellten, Feuerwehrleuten, Bundeswehr- und Polizeikräften stellte sich im Oktober der Simulation eines hochgradig anspruchsvollen Szenarios.

2020-10-24 Lehrgang 18F HS Fresenius

Ein Beispiel: Sie müssen knapp in Zugstärke in ein Kampfgebiet in dem überall verteilt teils massiv verletzte oder eingeklemmte Personen sind. Plötzlich fallen Schüsse, Explosionen. Die bewaffneten Kräfte versuchen bestmöglichen Schutz zu bieten. Unter Beschuss werden die rudimentär Erstversorgten in einem Bus evakuiert. Im der provisorischen, selbst betriebenen, Notaufaufnahme müssen von den gleichen Kräften über 30 größtenteils schwer Verletzte behandelt werden.

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Damit das überhaupt möglich ist benötigen alle Teilnehmer/-innen nicht nur das Fachwissen, sondern eine besondere Stressresilienz und eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Wie sich diese außergewöhnlichen Stresssituationen auf die Einsatzkräfte auswirken, wurde in diesem Jahr aufwändig untersucht. Mit Dauer-EKG, Blutentnahmen und Befragungen. Die Ergebnisse sollen auch wertvolle Erkenntnisse für den alltäglichen Einsatz bieten. Wir dürfen hier einen Einblick in die Ziele und Prozesse der Studienleitung bieten:

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Stressresilienz in Besonderen Einsatzlagen – Studienmodul Einsatzmedizin 18F

Master Studierende des berufsbegleitenden Studiums im Wintersemester 2020/21 Krisen & Notfallmanagement durchlaufen erstmalig erfolgreich das Studienmodul Einsatzmedizin 18F. Des Weiteren waren Teilnehmer aus den Berufsgruppen des Gesundheitswehsens, der Hilfsorganisationen, spezialisierten Einsatzkräfte der Polizei, der Bundeswehr sowie Mission und Einsatzhelfer vertreten.
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Die Fortbildung sowie das Studienmodul: „Einsatzmedizin – Überleben – Taktik – 18F“ richtet sich an Personen mit medizinischem Vorwissen als Ersthelfer bis hin zum Notarzt zur Vorbereitung auf Einsätze in möglichen potenziellen Gefährdungslagen. Innerhalb des kompakten 3,5-tägigen Lehrgang / Studienmodul an der Hochschule Fresenius Idstein werden die Teilnehmer und Studenten durch Schulungen und interdisziplinäre Lehrgespräche vorbereitet, um Einsatzlagen unter Einhaltung der taktischen und medizinischen Grundsätze während des Lehrgangs wie auch im Beruf abarbeiten zu können.

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In 3,5 Tagen wird auf die Stressresilienz in Bezug auf den Lehrgang / Studienmodul in besonderen Einsatzlagen stätig geforscht sowie in der Lehre spezifisch darauf eingegangen. Der Begriff der Resilienz wird aus dem lateinischen „resilire“ als zurückspringen oder abprallen beschrieben. Dies beschreibt die Widerstandsfähigkeit in seinen Dimensionen: physische Willensstärke, vitale Konstitution, Anpassungsfähigkeit und Selbsterhaltung. Die genannten Dimensionen sind im Körper des Menschen hormonell ausgewogen und situativ angepasst geregelt (Selye, H. 1950).  Diese Beobachtung geschieht mittels Fragebogen an Untersuchungsteilnehmer. Die Erfassung von Vitalparameter erfolgt über eine 72h Live Herzfrequenz Messung sowie der venösen Blutgasanalyse. Die Belastungsparameter: Cortisol, a-Amylase sowie das Testosteron werden aus Speichelproben von den Untersuchungsteilnehmern gewonnen (Merkt Ph., 2019).
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Diese werden im Labor mittels Apparativer Diagnostik aufbereitet und mittels ELISA gemessen (Enzyme-linked Immunosorbent Assay). Die Anpassungsreaktionen werden in sieben Kategorien unterteilt (Stadelman J., 1998). Dabei werden diese Kategorien instrumentell durch Kognition in komplexen Lagen, das Entscheiden sowie Handeln unter Stress maßgeblich bestimmt. Im Lehrgang 18F werden diese Erkundungsfelder interdisziplinär an den einzelnen Personen beobachtet sowie im Intergruppenvergleich erfasst und ausgewertet.

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Die Gruppenintegration in Besonderen Einsatzlagen – am Forschungsbeispiel des Studienmodul Einsatzmedizin 18F, darunter fallen narrative Zusammenarbeit, Kameradschaft, Loyalität und Stolz. Auch die Identifikation des Berufsbildes sowie das Ansehen innerhalb des Berufsfeldes, respektive der Spezialisierung (Gesundheit: Fach- & Krankenpfleger / Fach- & Arzt, Rettungsdienst: Notfallsanitäter, Rettungssanitäter, Feuerwehr: Maschinist, Waffenträger: Polizei, Personenschutz Bundeswehr, etc.), gehört zu diesen Punkten:

  1. Physische Fitness, Personen, welche körperlich fit sind, auf ausgewogene Ernährung und Schlaf achten, werden mit prolongierender Belastung besser fertig. Ebenso spielen das Alter sowie das Geschlecht eine Rolle. Im Forschungsvorhaben der Fachgruppe für Notfallmedizin wird dies zu Beginn des Lehrganges mit einer Eingangsmessung (1), der Rudere- Ergometrie (2) sowie im Verlauf Szenario (3) basierend gemessen.
  2. Aus- und Fortbildung, überlegenes Können sowie absolut sichere Beherrschung der Waffen, Rettungsgeräte und Handlungsverfahren. Lehrinhalte der 3,5 Tage über Führungsprozess, Stabsarbeit, Retten und Befreien unter Feindfeuer (CUF), erweiterte Versorgung von Patienten mit Spreng-, Brand- & Schussverletzungen sowie dem Umgang mit knappen Ressourcen erhöhen den operativen Erfolg in Besonderen Lagen.
  3. Hoffnung und Glaube, Überzeugung (Patriotismus, Religion, Gebet) sowie die Identität mit der „Berufung“ stellen einen zentralen Mittelpunkt dar. Von Bedeutung sind auch der Zeit und Ortsfaktor, welche innerhalb des Einsatzes / Auftrages absehbar sein sollten. Simulationsbedingt sind die Untersuchungsteilnehmer einer fiktiven Einsatzlage in Kirgisistan ausgesetzt. Diese fiktive Einsatz- Simulation wird fortwährend von Rollenspielern untermauert. Zudem werden über die 72h Lehrinhalte der psychosozialen Belastungen eines Einzelnen sowie der Gruppe vermittelt.
  4. Eigene Persönlichkeit, Selbstwertgefühl, Zuversicht, Humor, Selbständigkeit, Loyalität, Durchhaltewille und Robustheit im direkten Bezug zur Resilienz, sowie Mut. Werden mittels Fragebögen aus einer Eingangsmessung (1), der Rudere- Ergometrie (2) sowie im Verlauf Szenario (3) basierend abgefragt.
  5. Führung / Personen in Führungsverantwortung, die meisten Lehrgangsteilnehmer haben ein Bedürfnis nach Führung. Gute Vorgesetzte in Führungsverantwortung kümmern sich um die Gruppen- / Abteilungsinteressen, sind aber auch fähig ihren Willen nötigenfalls mit Zwang oder ähnlichen Maßnahmen durchzusetzen. Über Stressgesteuerte Misskommunikation und Sachhafte Informationslücken über Funk wurden die Führungsprozesse gesteuert. Diese wurden zum einen aufgenommen sowie endsprechend ihrem Emotionalem Charakter transkribiert.
  6. Vertrauen, wird als übergeordnete Größe dargestellt. Je positiver die Einzelwertungen in den ersten sechs Kategorien ausfallen, desto wahrscheinlicher ist davon auszugehen, dass diese übergeordnete Größe im Allgemeinen „subjektiven Gefühl“ wächst.

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Fazit
Die Kommunikation in der prähospitalen Patientenversorgung nimmt bislang einen untergeordneten Stellenwert in der Ausbildung des ärztlichen und nicht-ärztlichen Personals ein. Dabei hat sie einen wesentlichen Einfluss auf die Abläufe der Patientenversorgung und die Patientensicherheit. Zwischenfälle, die aufgrund der Misskommunikation entstanden sind, wären bei effektiven Gegenmaßnahmen in fast 30% der Fälle vermeidbar (Wilk-Vollmann S, Siegl L, Siegl K, Hohenstein C., 2018). Insbesondere die Interaktion zwischen dem ärztlichen und nich-tärztlichen Personal weist Defizite auf. Vor allem unübersichtliche und belastende Arbeitsabläufe mit einem Risiko für die eigene Sicherheit, wie sie im Lehrgang Einsatzmedizin – Überleben – Taktik (Merkt Ph., Wolz C., Gasmück J. (2018) dargestellt wurden, bergen ein Risiko für Zwischenfälle.
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Anhand einheitlicher Ausbildungskonzepte und etablierter Versorgungsschemata lassen sich die Patientensicherheit erhöhen und Zwischenfälle minimieren. Dazu zählt im Hinblick auf die aktuelle Bedrohungslage auch die Ausbildung ziviler Rettungsdienstteilnehmer in Grundzügen der taktischen Medizin. Bereits in der Ausbildungsphase sollten Team- und Kommunikationstrainings implementiert sein und die Kenntnisse regelmäßig in praktischer Anwendung aufgefrischt werden. Debriefings sollten zum Arbeitsalltag gehören und nicht nur in besonderen Fällen zur Anwendung kommen. Die Routine, die sich mit dieser Verfahrensweise entwickelt, hilft, bei schwerwiegenden Zwischenfällen oder Unstimmigkeiten im Team kritische Situationen zu thematisieren und Lösungen zu finden, aber auch, die Resilienz im Team zu stärken.

2020-10-24 Lehrgang 18F HS Fresenius
Autoren:

Dr. Philipp Merkt M.Sc.,

Hochschullehrer, Leiter der Fachgruppe für Notfallmedizin,  Programmverantworlicher des Studiengangs Krisen- und Notfallmanagement an der Carl Remigius Medical School

Hochschule Fresenius Limburger Str. 2, 65510 Idstein, notfallmedizin@ carl-remigius.de

 

OStArzt Dr. Sophia Wilk-Vollmann,

Bundeswehrkrankenhaus Berlin – Klinik X, Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin, Scharnhorststraße 13, 10115 Berlin , sophiawilk@bundeswehr.de

 

Quellen:

Jürg S. (1998). Ausgewählte Aspekte der Militär Psychologie: Führen unter Belastung, Stuttgart, Wien Huber Verlag, 1998 (S.55-66)

Hellwell S, Cernak I (2018) Measuring Resilience to Operational Stress in Canadian Armed Forces Personnel. Journal of Traumatic Stress DOI 10.1002/jts. Journal of Traumatic Stress February 2018, 31, 89-10.

Rall M, Gaba DM (2009) Human performance and patient safety. In: Miller RD (Hrsg.) Miller’s Anesthesia. Elsevier Churchhill Livingstone, Philadelphia, S 93–150

Selye H (1950) Stress and the General Adaptation Syndrome. British Medical Journal 1: 1383-1392. https://doi.org/10.1136/bmj.1.4667.1383.

Merkt P., Wolz Ch., Gasmück J (2018) Evaluation des Lehrgangs „Einsatzmedizin 18F“ der Carl Remigius Medical School: Eine prospektive Studie zur Untersuchung von Lernkurven in der taktischen Notfallmedizin. Idstein.

Merkt Ph., Savelsbergh A. (2020) Resilienzforschung: Eine prospektive Studie zur Untersuchung der Stressresilienz in besonderen Einsatzlagen am Lehrgang Einsatzmedizin 18F mithilfe ELISA-gestützter Cortisol- und α-Amylase-Messung. Unveröffentlichte Promotionsarbeit. Universität Witten- Herdecke, 2020.

Wilk-Vollmann S, Siegl L., Siegl K., Hohenstein C. (2018) Misskommunikation als Risikoschwerpunkt in der Patientensicherheit. Der Anaesthesist 67 (4): 255-263. doi:10.1007/s00101-018-0413-x.

Merkt Ph., Hofmann S, Weitemeyer D., (2018) Lehrgangsbeschreibung für den Lehrgang 18F Einsatzmedizin – Überleben – Taktik. Hochschule Fresenius Idstein 2018

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