Realisierungswettbewerb abgeschlossen: So soll die neue Feuer- und Rettungswache in Igstadt aussehen

Vorstellung Entwürfe neue Feuerwache 3 03.06.16Die Feuerwache 3 in Bierstadt ist nicht mehr zeitgemäß und zu klein. Der Rettungsdienst in Igstadt haust seit Jahren in Containern. Wiesbaden wächst im Osten am stärksten und die gestzliche Hilfsfrist kann in den Randgebieten nicht mehr eingehalten werden. Daher steht bereits seit Längerem fest: Nur ein Neubau in Igstadt kann die Probleme lösen.

Das Gründstück am Ortsausgang Richtung Nordenstadt ist schon sicher. Doch wie kann man Lärmschutz und das dörfliche Ortsbild mit einer modernen Feuer- und Rettungswache in Einklang bringen? Hierfür hat die Stadt Wiesbaden einen Realisierungswettbewerb ausgelobt. 25 von über 50 Bewerber durften ihre Entwürfe gemäß der Vorgaben einreichen.

Vorstellung Entwürfe neue Feuerwache 3 03.06.16Die Architekten mussten dabei eine komplexe Aufgabe lösen: Ein großes Gebäude bauen, das sich nicht zu sehr von der kleinen Bebauung des Vororts abhebt. Die Bewohner bestmöglich vor dem Lärm des Alltagsgeschäfts auf der Wache schützen. Den funktionalen Zusammenhang der Berufsfeuerwehr, Freiwilligen Feuerwehr und des Rettungsdienstes herstellen ohne den einzelnen Einheiten dabei ihre eigenen Bereiche zu nehmen. Und nicht zuletzt beste Arbeitsbedingungen sowie kurze, sichere Wege im Alarmfall schaffen.

22 Entwürfe erreichten Wiesbaden. Ein Preisgericht aus elf Mitgliedern besprach einen ganzen Tag lang die Entwürfe und sortierte diese Stück für Stück aus. Auch der Oberbürgermeister und Feuerwehrdezernent Sven Gericht nahm sich den kompletten Tag Zeit um den besten Entwurf für “seine Feuerwehr” mit auszuwählen.

Vorstellung Entwürfe neue Feuerwache 3 03.06.16Die sieben besten Entwürfe können vom 6. Juni bis 1. Juli im Hochbauamt, Gustav-Stresemann-Ring 15, betrachtet werden. Das Preisgericht wählte die besten vier Entwürfe einstimmig. So auch den Gewinnerentwurf der Architekten Bayer & Strobel aus Kaiserslautern. Dieser Entwurf war der Einzige, der eine Notausfahrt vorsieht, dafür jedoch weniger Grünflächen für die noch Alternativen gesucht werden. Dotiert ist der 1. Preis mit 20.000 Euro.

Der Entwurf sieht vor, dass der Rettungsdienst als Mieter einen eigenen Bereich erhält, der an den Hauptbau angeschlossen ist, sodass beispielsweise aus die Sporthalle genutzt weden kann. Die Ausfahrt für den Rettungsdienst mit den weitaus höheren Einsatzzahlen liegt direkt zur Straße ohne die Wege der Feuerwehr zu kreuzen.

Auch die Freiwillige Feuerwehr Igstadt kann aus ihrem beengten Bau in den modernen Komplex ziehen. Mit zwei modernen Fahrzeugboxen mit einer Umkleideschleuse sowie Aufenthalts- und Schulungsräumen.

Vorstellung Entwürfe neue Feuerwache 3 03.06.16Für die Berufsfeuerwehr sind neben Werkstätten und Funktionsoxen insgesamt acht Fahrzeugboxen vorgesehen. Aktuell ist angedacht ein Großtanklöschfahrzeug für die Autobahnabschnitte zusätzlich dort zu stationieren. Eventuell könnte auch noch ein Wechselladerfahrzeug folgen, das von der GTLF-Besatzung besetzt werden könnte. All das bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Situation bis zur Eröffnung der Wache entwickelt. Zumindest ist die Wache für die zukünftige Entwicklung der östlichen Vororte vorbereitet

Ob und wie der Entwurf genau umgesetzt wird, hängt unter Anderem noch von einem Magistratsbeschluss ab, für den sich der Oberbürgermeister stark machen will. Auch weil die Architekten nah am angestrebten Budget von 8,5 Mio. Euro geblieben sind während manch anderer Entwurf bis zu 14 Mio. Euro veranschlagt hatte. Auch die Betriebskosten sind aufgrund hoher Energieeffizienz und langlebiger Materialien ein überzeugendes Argument für den Entwurf.

Vorstellung Entwürfe neue Feuerwache 3 03.06.16“Wir würden am Liebsten sofort einziehen”, sagt der Leiter der Berufsfeuerwehr, Harald Müller auf die Frage, wann denn mit der Eröffnung zu rechenn ist. Wenn alles glatt läuft wird dies jedoch nicht vor dem Jahr 2019 geschehen. Bis dahin stehen auch noch Haushaltsbeschlüsse sowie Abstimmungen mit dem Ortsbeirat aus. Dieser zeigte sich erfreut, dass alle Versprechen zu Gunsten der Bewohner eingehalten wurden.

Auch wenn die Igstadter mit der neuen Feuerwache mit mehr Sondersignalfahrten im Ort rechnen, gibt es keinen geeigneteren Standort um auf den utobahnen und in den Vororten die Hilfsfrist einzuhalten. Nicht zuletzt ist die Hilfe nun auch für die Igstadter Bewohner viel schneller da und die Einsatzkräfte müssen nicht mehr, wie aktuell, Igstadt komplett durchfahren um nach Nordenstadt, Erbenheim oder auf die A66 zu kommen.

Die Empfehlung des Preisgerichts zum Gewinnerentwurf im Wortlaut:

Das Projekt zeichnet sich durch eine einerseits prägnante wie auch zurückhaltende städtebauliche Geste innerhalb einer kleinteiligen Dorfstruktur am Ortseingang aus.

Den Verfassern gelingt eine differenzierte Adressbildung, die über eine feinkörnige Raumsequenz in der Folge eines Durchgangs in einen gemeinsamen Innenhof mündet und zu den Eingängen der einzelnen Nutzungen leitet.

Dieses räumlich funktionale Motiv stellt mit Blick auf die weitläufige kontextuelle Situation eine ganz besondere Qualität dar. Die Idee, getrennte Nutzungen über ein gemeinsames, räumliches Scharnier zu verweben, fördert das Potential von Zusammengehörigkeit.

Die Städtebauliche Disposition der Parkierungsflächen / Parkplätzen der Einsatzkräfte zur Norderstadter Straße und nach Osten entwickelt sich sehr überzeugend.

Die Einhaltung der Forderung nach einer Notumfahrung des Zentrums führt zu einer deutlichen Reduktion des Grünanteils, was auch für den unbegrünten Parkplatzbereich zutrifft, der vom Preisgericht kritisch beurteilt wird.

In dem Projekt gelingt eine feingliedrige und räumlich variantenreiche Gliederung der einzelnen Funktionsbereiche, die trotz der Trennungsanforderung als Gesamtorganismus Wirkung entfaltet.

Die über dem Patio formulierte Mitte wird durch ein gut proportioniertes Foyer mit den großzügigen Lehrsaal gekoppelt und öffnet sich für verschiedene Nutzungsszenarien und somit Zentrumsintern als auch publikumswirksam.

Die Übungsflächen im Hof überlagern sich nicht mit den Fahrwegen und können somit parallel bespielt wie auch mit Übungsgeräten bestückt bleiben. Für den Aufenthalt in Pause- und Ruheräumen stehen großzügige, überdachte Außenloggien zur Verfügung, die eine witterungsunabhängige Nutzung im Jahresverlauf gewährleisten. Die Position der Rettungswache dicht zur Nordenstadter Straße stellt eine optimale Lösung dar.

Der Entwurf erfüllt für alle Bereiche die Anforderungen an die Funktionalität und Arbeitsabläufe sowohl im Tagdienst als auch im Alarmierungsfall.

Die Schallschutzanforderungen müssen in der südöstlichen und südwestlichen Grundstücksgrenze überprüft werden.

Die gestalterische Komposition orientiert sich sehr sensibel an den Rahmenbedingungen der benachbarten, dörflichen Struktur. Die gewählte Volumetrie wird über eine einfache Plastizität wie geschickte Höhenkonturierung entwickelt. Die Reduktion der gestalterischen Mittel in den Fassaden durch die Loggieneinschnitte und klaren Fensterbändern, formen eine starke, sowie angemessene Bauplastik. Der Maßstab und die geometrische Form des Gebäudeelements der Freiwilligen Feuerwehr mit kleinem Hochpunkt vermittelt auf sehr gelungene Weise zum Landschaftsraum.

Der Entwurfsbeitrag zeichnet sich durch eine eigenständige hohe städtebauliche Setzung und baukünstlerisch gestalterische Qualitäten aus, die eine gute Nachbarschaft erwarten lassen.

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Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Bayer&Strobel Architekten BDA, Kaiserslautern (1) - Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 03. Juni 2016 - 23:44 Uhr
Letzte Aktualisierung: 03. Juni 2016 - 23:44 Uhr
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