Gert-Uwe Mende, SPD

Gert-Uwe Mende, SPD / Beamter / 1962

1. Wie nehmen Sie die Feuerwehr Wiesbaden wahr? Was läuft gut, was läuft schlecht?

Hochprofessionell, motiviert und engagiert – das ist mein Eindruck von der Feuerwehr Wiesbaden. Und das gilt gleichermaßen für die Berufsfeuerwehr wie die Freiwilligen Feuerwehren, die zusammen verlässlich für Sicherheit sorgen. Die Feuerwehren beweisen sich tagtäglich als kompetente und motivierte Helfer, die rund um die Uhr für die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener da sind und nicht nur wenn es – im Wortsinn – brennt, sondern auch wenn es um Unfälle, Hochwasser, Straßenräumung und alle Arten von Unterstützung für unser Gemeinwesen geht. Auch die aktive Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehren möchte ich ausdrücklich erwähnen. Für meine Begriffe läuft deswegen zunächst einmal alles gut. Nach einigen Gesprächen und Ortsterminen sehe ich allerdings schon Bedarf bei der personellen Ausstattung der Berufsfeuerwehr und bei der Instandhaltung von Feuerwehrgerätehäusern, um zunächst zwei Punkte zu benennen.

2. Was ist die erste Maßnahme, die Sie bei der Feuerwehr durchführen wollen?

Allen Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr in den drei Wachen einen Besuch abstatten, mit Amtsleitung und Personalrat sprechen und fragen, was gut läuft und welcher Bedarf besteht. Dazu gehören natürlich auch Gespräche mit den Vertreterinnen und Vertretern der Freiwilligen Feuerwehren.

3. Sven Gerich hat das Amt 37 (Feuerwehr) wieder ins Dezernat I geholt und damit zur Chefsache gemacht. Soll es dabei bleiben?

Ja. Seit vielen Jahren bin ich mit Feuerwehrthemen beruflich befasst, vor allem während der acht Jahre im hessischen Innenministerium. Die Arbeit der Feuerwehren ist mir wichtig und ich will die Zuständigkeit gern im Dezernat des Oberbürgermeisters behalten.

4. Der Haushaltsansatz im Amt 37 hat sich in den letzten fünf Jahren um 5 Mio. € erhöht. Können Sie diese Linie fortsetzen oder muss sich auch die Feuerwehr auf Sparmaßnahmen einstellen? Wenn ja: wo sehen Sie Einsparpotential?

Die Wiesbadener Berufsfeuerwehr ist sehr gut aufgestellt. Aber motivierte Leute brauchen auch gute Rahmenbedingungen. Deswegen waren die Investitionen in das Material aber auch die Stellenausweitungen dringend nötig und deshalb freue ich mich auch über die von Sven Gerich maßgeblich vorangetriebene neue Feuerwache 3 in Igstadt, deren Spatenstich vor kurzem anstand. Ich werde mich in jedem Fall dafür einsetzen, dass das Budget der Feuerwehr weiterhin erhöht wird. Das schulden wir nicht nur den Menschen, die Tag für Tag in brenzligen Situationen den Kopf für uns hinhalten, das ist allein schon nötig, um ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Dennoch sind die Budgets der Ämter auch von der Finanzstärke der Stadt abhängig.

5. Beim Thema Geld: Zahlreiche Einsatzfahrzeuge sind bereits länger im Dienst, als geplant. Ebenso entsprechen einige Gerätehäuser nicht mehr aktuellen Vorschriften oder sind teils marode. Auch die Feuerwache 1 hat die besten Jahre lang hinter sich. Wie soll hier der Investitionsrückstand weiter aufgeholt werden?

Ich werde mich dafür einsetzen, dass nach der Feuerwache 3 als nächstes die Feuerwache 1 neu gebaut wird. Erste Überlegungen gibt es da ja schon. Das ist das nächste Großprojekt, das wir angehen müssen, um die Feuerwehr einsatzbereit und auf dem neuesten Stand zu halten. Ebenso gibt es bei den Feuerwehrgerätehäusern einigen Bedarf. Auch wenn es gelingt, die Mittel dafür zu erhöhen, was ich gern erreichen möchte, muss dann in enger Abstimmung mit den Beteiligten eine Prioritätenliste erstellt und abgearbeitet werden.

6. Die Freiwilligen Feuerwehren klagen – besonders tagsüber – über immer weniger Einsatzkräfte. Ein oft genannter Ansatz ist die Zusammenlegung von Feuerwehren – auch aus finanziellen Gründen. Wollen Sie an den 20 Freiwilligen Feuerwehren in Wiesbaden festhalten? Und wie wollen Sie diese stärken?

Bei einer Zusammenlegung von Freiwilligen Feuerwehren geht – das ist meine Einschätzung – mehr verloren, als durch Synergieeffekte gewonnen werden könnte. Deshalb würde ich die Finger davon lassen, solange nicht Wehren von sich aus fusionieren wollen. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn mir Feuerwehrkameraden und –kameradinnen immer wieder schildern, dass Arbeitgeber ihr Engagement abblocken und Freistellungen für Einsätze oder Schulungen ablehnen. Diese Arbeitgeber schneiden sich doch ins eigene Fleisch. Die sollten froh sein über so einsatzfreudige Mitarbeiter. Und auch mal einen Gedanken daran verschwenden, wer sie bei einem Unfall aus dem Auto herausschneidet oder im Falle eines Falles das Dach über dem Kopf löscht. Deshalb werde ich mich auch gegenüber Arbeitgebern und Unternehmen sehr im Sinne der Feuerwehren einsetzen.

7. Apropos Personal: Auch die Berufsfeuerwehr kämpft mit einer dünnen Personaldecke inklusive rund 10.000 Überstunden im mittleren Dienst. Zeitweise haben bereits Freiwillige Feuerwehrleute die Personalstärke gesichert um 20.000 Überstunden abzubauen. Wie wollen Sie hier Entlastung schaffen?

Die langjährige Debatte über die Bezahlung von Überstunden habe ich noch sehr gut vor Augen und ich bin froh, dass Sven Gerich eine Lösung dafür herbeigeführt hat, die von anderen politischen Kräften lange verhindert wurde. Aus meiner Sicht muss die Personalstärke der Berufsfeuerwehr erhöht werden. Das will ich in den Haushaltsberatungen erreichen und ich hoffe, dass auch die Stadtverordnetenversammlung sich dem anschließt, denn an der Feuerwehr sparen heißt, an der Sicherheit sparen – und das geht gar nicht.

8. Auch viele Rettungsdienste klagen über Fachkräftemangel – können teilweise nicht mehr alle Rettungswagen adäquat besetzen. Wie soll die Stadt Wiesbaden bzw. das Amt 37 als Träger des Rettungsdienstes hier gegensteuern?

Nach meinem Eindruck braut sich da eine schwierige Lage zusammen. Dass es einen Fachkräftemangel oder –engpass gibt, ist nicht zu leugnen. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich mir erst alle Strukturen anschauen und mit den Betroffenen sprechen will, bevor ich mir ein fundiertes Urteil erlaube. Der erste Schritt wäre für mich also, die Fachleute aus Feuerwehr, Fachamt und Hilfsorganisationen an einen Tisch zu bringen.

9. Wie wollen Sie die Feuerwehr Wiesbaden zukunftssicher aufstellen?

Personalstärke sichern und ausbauen, die Feuerwehr als Arbeitgeber noch attraktiver machen, Stellen besetzen, wo diese nicht besetzt sind, Ausbildung verstärken, Wertschätzung zum Ausdruck bringen, die Feuerwache 1 im Innenstadtbereich neu bauen. Vielleicht sogar ein Ausbildungszentrum ansiedeln.

10. Was ist Ihre Nachricht an die Einsatzkräfte in Wiesbaden?

Ein großes Dankeschön für Ihren Einsatz Tag und Nacht. Wenn ich Oberbürgermeister werde, können Sie auf mich zählen.