Jahr für Jahr besser vorbereitet: Wiesbadener Rettungskräfte üben Massenanfall von Verletzten „MANV“

MANV-Übung "Wellness" Wiesbaden 25.10.2014Der Massenanfall von Verletzten („MANV“) ist für Rettungskräfte eine besondere und nicht alltägliche Herausforderung. Wenn im alltäglichen Einsatz in aller Regel ein Verletzter/Erkrankter von einem Rettungsteam versorgt wird, so stehen die Helfer im MANV-Fall einer Vielzahl Verletzter gegenüber. Es gelten dann andere Versorgungsstrukturen als im Alltagseinsatz um die besonderen Herausforderungen bewältigen zu können. Hier nutzt es nichts, wenn sich der erste Rettungswagen um einen Patienten kümmert während 30 andere an der Einsatzstelle noch nicht mal angeschaut wurden.

Daher gibt es Einsatzkonzepte für diese Fälle, die zum Glück nur selten zur Anwendung kommen müssen und in Wiesbaden seit Jahren weiterentwickelt werden. Die geänderten Strukturen bei einem MANV werden zudem regelmäßig durch die frühzeitige Alarmierung der Einsatzleitung Rettungsdienst (LNA und OLRD) im Tagesgeschäft gelebt.

MANV-Übung "Wellness" Wiesbaden 25.10.2014In diesem Jahr wurde das Gesundheitsamt kurzerhand zum Wellnesshotel und damit zum Darstellungsort einer Großübung. Das angenommene Szenario: Feuerwehr und ein Rettungswagen fahren zu einem unklaren Geruch im Hotel. Vor Ort ist es zu einer massiven Chlorgasfreisetzung und Panikreaktion gekommen, etwa 30 Personen sind betroffen und größtenteils verletzt.

Die Grundtätigkeiten der erst eintreffenden Rettungsdienstkräfte sind in diesem Fall bereits perfekt trainiert. Während der Beifahrer des ersten Rettungswagens die Anfahrt für die vielen nachrückenden Fahrzeuge organisiert, unterstützt der Fahrer den ersten Notarzt dabei, alle Verletzten zu sichten und zu entscheiden wer am schwersten verletzt ist und zuerst behandelt/transportiert werden muss.
Der Fahrer des ersten Notarzteinsatzfahrzeuges übernimmt die Aufgabe des Organisatorischen Leiter Rettungsdienstes (OLRD) bis zu dessen Eintreffen und koordiniert den Rettungseinsatz. Wo werden die Verletztensammelstellen eingerichtet? Wie fahren die Rettungskräfte an und ab? Reichen die alarmierten Kräfte aus? Und so weiter.

MANV-Übung "Wellness" Wiesbaden 25.10.2014Die mehrköpfige Übungsleitung beobachtet nach festgelegten Checklisten die einzelnen Funktionen im Einsatzgeschehen. So wird man in der Auswertung darüber reden, ob die Rettungswagen nicht näher an die Verletztensammelstelle der Schwerverletzten hätten halten können oder ob eine Einbahnstraßenregelung für die bessere An- und Abfahrt möglich gewesen wäre.

Auch die Zusammenarbeit in der Technischen Einsatzleitung (Feuerwehr und Rettungsdienst) wird immer weiter optimiert. Bereits heute arbeitet der Leitungsassistent des Rettungsdienstes im Einsatzleitwagen der Feuerwehr.

Als positive Entwicklungen sind z. B. zu bemerken: Bei der letzten MANV-Übung gab es große Probleme die Patienten aus dem Schadensgebiet zur Verletztensammelstelle zu bringen und die Schwerstverletzten zügig (innerhalb einer Stunde) abzutransportieren. 2014 klappt das besser: Bereits 37 Minuten nach der Alarmmeldung ist der erste Schwerverletzte auf dem Weg in die Klinik, nach 59 Minuten alle schwerstverletzten. Ein hervorragender Wert.

Eine große Hilfe zur Erreichung dieses Ziels ist eine Anpassung des MANV-Konzepts: Die Freiwilligen Feuerwehren wurden in das MANV-Konzept integriert und geschult. Bei derartigen Großeinsätzen werden sie mitalarmiert und können neben Erste-Hilfe- und Betreuungsmaßnahmen auch logistische Aufgaben wie Tragehilfen – z. B. zu den Verletztensammelstellen – übernehmen.MANV-Übung "Wellness" Wiesbaden 25.10.2014 „Wir haben in Wiesbaden ein Potential von rund 600 Einsatzkräften, die innerhalb kürzester Zeit verfügbar sind –dies gilt es zukünftig effizient einzusetzen“, erklärt Norbert Hagner, Koordinator Rettungsdienst der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Auch die 15 leitenden Notärzte/Notärztinnen, die aus ganz Hessen kamen um die Übung im Rahmen ihrer Fortbildung zu beobachten und zu bewerten, zeigen sich überzeugt. Sie bewerteten die Übung mit der Schulnote 1,7.

Als ein großes Problem stellte sich im Übungsverlauf die Kommunikation im Digitalfunk dar. Im DMO-Modus verloren die Kräfte regelmäßig den Kontakt untereinander was zu Verzögerungen und Missverständnissen führte. Ob dies mit Analogfunk besser geklappt hätte, ist jedoch nicht zu beurteilen. Ebenso kam es durch Bedienungsdefizite zu Problemen. Die noch fehlende Routine bei der Benutzung der modernen Digitalfunkgeräte führte zu Hürden bei der Umstellung auf andere Gruppen/Kanäle sowie der allgemeinen Bedienung.

MANV-Übung "Wellness" Wiesbaden 25.10.2014Für die Übungsleitung bleibt als Fazit, dass das Wiesbadener MANV-Konzept geeignet ist auch größere Schadenslagen zu bewältigen – es jedoch ständig weiter beübt und entwickelt werden muss. Sowohl die Funktionswahrnehmung der ersten Kräfte, als auch das Einfügen der nachrückenden Kräfte in das MANV-Konzept mit seinen Besonderheiten soll zukünftig noch routinierter ablaufen.

Die kritische Auswertung der Übung zeugen von dem hohen Anspruch, den das Wiesbadener Rettungswesen an sich stellt und damit die Sicherheit und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger in den Vordergrund rückt.


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Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Alexander Wörl/Michael Ehresmann
Video: Sebastian Stenzel

Veröffentlichung: 19. Dezember 2014 - 16:26 Uhr
Letzte Aktualisierung: 19. Dezember 2014 - 19:12 Uhr
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