Humanitäre Hilfe während militärischem Ausnahmezustand – Hilfsorganisation aus Kelsterbach hilft auf Sri Lanka

Kreisende Militärhubschrauber, bewaffnete Soldaten und Polizeikontrollen auf Colombos Straßen. Ein kleiner Einblick in die letzten Tage der Hilfsaktion der Kelsterbacher Hilfsorganisation mfs. „Drei Tage vor Beendigung unserer neuntägigen Mission auf Sri Lanka, einem Inselstaat im Indischen Ozean, wurde durch Unruhen in der Touristenstadt Kandy, der militärische Ausnahmezustand ausgerufen.“, berichtet mfs Geschäftsführer Michael Görbing. Bei Unruhen zwischen Buddhisten und Muslimen wurde vergangenen Dienstag ein Mensch getötet.

Schon seit dem Tsunami im Jahr 2004 behandelt die Kelsterbacher Hilfsorganisation die Ärmsten der Armen im kriegsvernabten Sri Lanka. Jährlich werden mehrere tausend Euro für die medizinische Versorgung zur Verfügung gestellt. Bereits vor 14 Tagen machte sich eine Medical Task Force von mfs-International gemeinsam mit der Partnerorganisation Interhelp e.V. in den Norden der Insel auf. Der Task Force Leiter Reinhold Klostermann, der Allgemeinmediziner Dr. Siegfried John, die Krankenschwester Elena Lehmann, die Medizinstudentin Stephanie Sebastiampillai (die fließend Tamilisch spricht) und dem Logistiker Sebastian Anthonypillai hatten alle Hände voll zu tun. In 14 Camps waren die Ehrenamtlichen tätig und haben mehr als 2000 Patienten versorgt. Immer wieder wurden sie dabei mit erschütterten Schicksalen konfrontiert.

Im Fischerort Mullaitivu trafen sie beispielsweisse auf ein Mädchen, das auf einem Auge erblindet ist. Eine 30 Jahre alte Mutter zweier Kinder, deren linkes Bein sechs Zentimeter kürzer und nach einer schweren Kriegsverletzung für immer entstellt ist, bat um Hilfe. Ein Mann berichtet von regelmäßig wiederkehrenden Krampfanfällen, die ihm für jeweils eine halbe Stunde das Bewusstsein rauben. Kein Wunder: Drei Metallteile stecken in seinem Gehirn. In allen Fällen waren Bombensplitter die Ursache für diese Verletzungen.

Ein Auszug aus dem Tagebuch der Medical Task Force:

„Heute waren wir in einem Dorf namens Keppepilavuin in einem kleinen Gemeindehaus tätig. Viele Patienten warteten bereits auf uns. Hier im Norden von Sri Lanka sind hauptsächlich Reisbauern und Fischer ansässig. mfs International und Interhelp sind die ersten Organisationen, die seit dem Bürgerkrieg hier medizinische Hilfe anbieten, sagte die Chefärztin des Regionalen Krankenhauses. Sie war überglücklich uns begrüßen zu können. Sie erzählte uns, dass es hier sehr viele arme Menschen gibt, die Ihren Lebensunterhalt von Fischen und Reisanbau bestreiten. Der Bürgerkrieg hinterlässt deutliche Spuren. Die Bewohner kommen nur ganz zögerlich wieder hierher zurück. Mit unseren sri-lankischen Ärzten konnten wir heute 182 Patienten versorgen. Viele Kinder hatten sehr hohes Fieber von über 40 Grad sowie einige Erwachsene auch. Auch hier im Norden von Sri Lanka ist Denguefieber sehr verbreitet. Ein 48 jähriger Mann kam zu uns mit schweren Atemproblemen. Hier konnten wir feststellen, dass er eine schwere Pleuritis (Rippenfellentzündung oder Brustfellentzündung) hatte. Einige Patienten kamen mit Kriegsverletzungen zu uns und fragten, ob wir ihnen helfen können. Diese Verletzungen waren alle schon operiert und verheilt. Ein kleines Mädchen im Alter von vier Jahren litt unter einer schweren Lungenentzündung. Die Mutter weinte, weil sie Angst um das Leben ihrer Tochter hatte. Ihr Mann ist vor einem Jahr an Denguefieber gestorben. Sie kann sich weder Medikamente noch Essen leisten.

Die Familie mit drei Kindern im alter von vier, sechs und zehn Jahren ist völlig auf andere Menschen angewiesen, die ihnen etwas Essen abgeben. Hier konnte mfs International / Interhelp dem kleinen Mädchen mit antibiotischem Saft und fiebersenkenden Mitteln mehr als helfen. Die Mutter war überglücklich, als wir ihr sagten, dass ihre Tochter überleben wird. Unsere sri-lankischen Ärzte waren sehr glücklich, dass wir hier sind, um den Ärmsten der Armen hier zu helfen.“

„Kurzfristig helfen konnten wir auch einer jungen, alleinerziehenden Frau aus der Region Ampalavanpokkanai mit ihren drei Kindern. Ihr Mann ist vor kurzem an den Folgen einer Kriegsverletzung verstorben. Durch den Verlust des Mannes ist die Frau finanziell auf sich alleine gestellt. Sie hilft einem Reisbauern bei der Ernte und verdient sich dabei ein paar Sack Reis und wenige Rupien im Monat. Ihr größter Wunsch ist es, eine eigene Ziegenzucht zu haben um Ihre kleine Familie selbständig ernähren zu können. Kurzerhand entschlossen wir uns dazu, der jungen Frau drei Ziegen zu kaufen. Überglücklich schlossen sich die 34-jährige Mutter und ihre acht, vier und drei-jährigen Kinder in die Arme.“, so Rettungsassistent und mfs-Pressesprecher Heiko Hahnenstein, der die Reise begleitete.

Für das Kelsterbacher Unternehmen besteht kein Zweifel daran, dass das Geld an dieser Stelle richtig angelegt ist. Viele weitere große und kleine Projekte sollen in den kommenden Jahren noch unterstützt. Wer die Arbeit unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf unser Spendenkonto der Volksbank Maingau eG IBAN DE79 5056 1315 0106 0014 24 oder mit 5€ per SMS mit dem Stichwort „mfs“ an die 81190 tun.

MerkenMerken


Redaktion: Lea Eicke
Fotos: Heiko Hahnenstein
Video:

Veröffentlichung: 14. März 2018 - 15:30 Uhr
Letzte Aktualisierung: 15. März 2018 - 9:42 Uhr
Tags: