Hilfsorganisationen bereiten Unterkünfte für rund 1.000 Flüchtlinge her

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15Eine Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge musste am Sonntag kurzfristig in Wiesbaden aufgebaut werden. Rund 300 Kräfte von Hilfsorganisationen und Feuerwehren waren bis zum Abend damit beschäftigt, die Turnhallen in Breckenheim, Naurod und Nordenstadt entsprechend herzurichten. Die rund 1.000 Flüchtlinge werden ab Montagmittag erwartet.

Um 13:16 Uhr bekam Oberbürgermeister Sven Gerich den Auftrag vom Land Hessen. Unverzüglich müsse die Stadt eine Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen für rund 1.000 Flüchtlinge einrichten. Daraufhin kam der Leitstellenstab zusammen – die Hilfsorganisationen wurden in Bereitschaft versetzt. Zunächst war die Rede davon, dass die Flüchtlinge noch am Sonntag in Wiesbaden ankommen. Später verlagerte sich die Ankunft auf den Montagmittag – frühestens. Mit dem Zug sollen die bis zu 1.000 Menschen von München zunächst nach Frankfurt fahren und von dort aus nach Wiesbaden kommen. Wann wieviele Flüchtlinge ankommen, konnte am Sonntag noch niemand sagen.

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15In einer eilig einberufenen Pressekonferenz informierten am Abend Oberbürgermeister Sven Gerich, Sozialdezernent Arno Großmann und Amtsleiter der Feuerwehr Harald Müller über die Situation und die Maßnahmen. Die Vorbereitungen der Unterkünfte durch die Katastrophenschutzeinheiten aus Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis liefen da bereits auf Hochtouren.

Aufgrund der Einrichtung mit Sanitäranlagen und Heizung sowie der Witterungsbeständigkeit, entschied sich die Stadt für drei Großsporthallen. In Nordenstadt, Breckenheim und Naurod wurden deshalb Hallen mit Übernachtungsmöglichkeiten, Registrierungsstellen und Sanitätsstellen für die allgemeine medizinische Versorgung eingerichtet und die Versorgung vorbereitet. Die genannten Sporthallen sind für die Unterbringung ausgewählt worden, weil dort am wenigsten andere Angebote betroffen sind. Bei anderen Großsporthallen hätten viel mehr Schulsport- und Vereinssportstunden abgesagt werden müssen, und das sollte so gut wie möglich verhindert werden. Darüber hinaus sind in den genannten Hallen weniger Schülerinnen und Schüler von den Maßnahmen betroffen als es in anderen Hallen der Fall gewesen wäre und sie sind gut mit Bussen etc. für die Versorgungskette erreichbar.

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15Jeweils bis zu 300 Flüchtlinge sollen der Reihenfolge nach in den Turnhallen in Nordenstadt, Breckenheim und Naurod unterkommen. Die Sporthalle in Auringen ist als Reserve für bis zu 175 Menschen vorgesehen. Die Hallen sind damit für den normalen Schul- und Vereinssport nicht nutzbar. Es handelt sich bei den Flüchtlingsunterkünften um eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessens. Das heißt, die Menschen sollen nicht dauerhaft in Wiesbaden bleiben, sondern von hier aus vom Land Hessen auf weitere Kommunen und Gemeinden in Hessen verteilt werden. Das Land hat der Stadt Wiesbaden mitgeteilt, dass die Außenstelle in Wiesbaden für eine Woche  bestehen soll. Das heißt, dass die Sporthallen nach jetzigem Kenntnisstand in einer Woche wieder für den normalen Betrieb zur Verfügung stehen. „Sollten wir anderes erfahren, werden wir die Öffentlichkeit selbstverständlich informieren“, so Oberbürgermeister Sven Gerich.

Bis zum Abend wurden die Hallen hergerichtet. Danach konnten die ehrenamtlichen Helfer von Deutschem Rotem Kreuz, Johanniter, Arbeiter-Samariter-Bund und Malteser wieder einrücken. Auch die Freiwilligen Feuerwehren in Breckenheim, Naurod und Nordenstadt waren im Einsatz, um beim Aufbau zu unterstützen und ihre Feuerwehrhäuser für die Annahme von Spenden vorzubereiten.

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15Wenn am Montag die ersten Flüchtlinge in Wiesbaden ankommen, werden auch die Hilfsorganisationen wieder im Einsatz sein. Mit ESWE-Bussen sollen die Menschen zu den Unterkünften gebracht werden. Die Betreuung und Verpflegung übernehmen für ein bis zwei Wochen zunächst die vorwiegend ehrenamtlichen Kräfte der Hilfsorganisationen im Drei-Schicht-Betrieb. Über alles weitere müssen sich Stadt und Land am Montag abstimmen.

In den sozialen Netzwerken – aber auch vor Ort – sorgte die Nachricht, dass die drei Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden, schnell für reichlich Gesprächsstoff. Zahlreiche Menschen äußerten Kritik und Unverständnis. Aber auch die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist in der Bevölkerung groß. Auf Facebook bildete sich bereits die Seite „Flüchtlinge Willkommen in Nordenstadt„, auf der sich Nordenstädter Bürgerinnen und Bürger vernetzen, die Kriegsflüchtlinge in Nordenstadt Willkommen heißen wollen.

OB Gerich bittet um Zurückhaltung bei Spenden

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15Einen wichtigen Hinweis richtet Oberbürgermeister Sven Gerich an die Bürgerinnen und Bürger: „Vielen Dank für die vielen Hilfsangebote. Das einzige was wir aktuell wirklich brauchen, sind Spenden für Sprachkurse. Sollte in den nächsten Tagen weiterer Bedarf entstehen, gehen wir aktiv auf die Bevölkerung zu. Nur so ist eine effektive Steuerung möglich.“

„Wir haben schon viele Hilfsangebote vonseiten der Bürgerinnen und Bürger, worüber wir uns sehr freuen“, sagt Feuerwehrchef Harald Müller. „Zurzeit sind die Menschen, die für die Wiesbadener Außenstelle der Erstaufnahmestelle angekündigt sind, ja noch gar nicht in Wiesbaden. Wir wissen auch noch nicht, wann genau sie ankommen werden und wie viele. Wir freuen uns über alle, die helfen möchten, können dieses Thema aber erst organisiert angehen, wenn wir wissen, wann und wie viele Menschen genau kommen. Für den Moment haben wir mit den Helferinnen und Helfern vor Ort die Lage im Griff.“

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15„Die Hilfsbereitschaft, die uns vonseiten der Wiesbadenerinnen und Wiesbadener entgegengebracht wird, ist gigantisch, dafür bedanken wir uns von ganzem Herzen“, sagt Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich. „Es haben allerdings mittlerweile schon so viele Menschen Hilfsgüter in die Gerätehäuser der Vororte gebracht, dass wir gar nicht mehr wissen, wohin damit. Wir danken allen für ihre großartige Mithilfe. Da aber zurzeit noch keine Flüchtlinge für die Erstaufnahmestelle in Wiesbaden angekommen sind und da wir auch noch nicht wissen, ob und wie viele kommen, bitten wir alle hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürger, keine Sachspenden mehr an die Gerätehäuser zu bringen.“

„Wir bitten darüber hinaus ganz dringend darum, keine Lebensmittel – also Essen oder Trinken – abzugeben. Zum einen dürfen wir diese rein rechtlich gar nicht annehmen, zum anderen macht die Annahme von Lebensmitteln aber schon allein deshalb keinen Sinn, weil diese eventuell verderben, bis die Menschen hier in Wiesbaden sind“, ergänzt Feuerwehrchef Harald Müller.

Unter www.wiesbaden.de/fluechtlinge informiert die Stadt darüber hinaus über Hilfsmöglichkeiten, benötigte Spenden und Organisationen, die mit der Stadt bei der Flüchtlingshilfe zusammenarbeiten. Aufgrund der überwältigenden Anzahl von Anfragen, Spenden und Angeboten bittet das Amt für Grundsicherung und Flüchtlinge um Verständnis, dass es derzeit zu Verzögerungen in der Beantwortung von Anliegen kommen kann.

Bürgertelefon und Bürgerversammlung

Vorbereitungen Flüchtlingsunterkünfte 13.09.15Für Bürgerinnen und Bürger, die sich informieren möchten, ist seit Montagmittag ein Bürgertelefon eingerichtet. Es wird erreichbar sein unter der 0611 – 31 80 80 und soll bis auf weiteres tagsüber zwischen 10:00 und 20:00 Uhr erreichbar sein, damit sich die Menschen über die Erstaufnahmestelle in Wiesbaden informieren können. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegen die aktuellen Informationen vor und sie werden ihr Bestes geben, dem Informationsbedürfnis der Menschen nachzukommen.

Oberbürgermeister Sven Gerich lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger für den heutigen Montagabend, 14. September, 20:00 Uhr, zu einer Bürgerversammlung wegen der Erstaufnahme von Flüchtlingen in das Gemeindezentrum in Nordenstadt, Hessenring 46, ein. Gerich will die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile über die Erstaufnahme und alle bislang getroffenen Maßnahmen informieren.

Zeit gewonnen – Innenminister: Wiesbaden dient nur als Reserve

[Update 14. September 2015 – 15:30 Uhr] Das Land Hessen hat die Landeshauptstadt Wiesbaden am Montagnachmittag davon unterrichtet, dass die Stadt rechtzeitig vorher informiert wird, bevor die Menschen ankommen, die in die Außenstelle der Erstaufnahmestelle in Wiesbaden gebracht werden sollen. „Wir können nach den neuesten Informationen des Landes nun davon ausgehen, dass wir mehrere Stunden im Vorfeld Bescheid wissen werden, wann wir mit den Flüchtlingen in Wiesbaden rechnen können“, so Oberbürgermeister Sven Gerich und Harald Müller, Leiter der Berufsfeuerwehr Wiesbaden. „Das entspannt die Lage für uns enorm. Wir haben alles für die Ankunft der Menschen vorbereitet und können direkt loslegen, sobald wir wissen, wann wie viele wohin kommen. Bis dahin können wir unsere Kräfte schonen und haben eine Rufbereitschaft für alle Helferinnen und Helfer eingerichtet.“ Der Oberbürgermeister bedankt sich von Herzen bei allen ehren- und hauptamtlichen Helferinnen, Helfern sowie Bürgerinnen und Bürgern für ihre großartige Unterstützung. „Es ist einfach toll, was die Stadt Wiesbaden in so kurzer Zeit geleistet und auf die Beine gestellt hat, ich bin überwältigt von der Hilfsbereitschaft.“

„Hessen hat allein in den letzten neun Tagen knapp 7.500 Menschen aufgenommen. In der letzten Woche haben wir fünf neue Außenstellen eingerichtet, sodass die wir neben der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen mittlerweile 21 Außenstellen betreiben“, sagte der Hessische Innenminister Peter Beuth am Montag. Der Minister unterstrich, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Standorte in Wiesbaden und Hanau als Reserve dienten. Die Anzahl der nach Hessen kommenden Flüchtlinge wird einer ständigen Lagebewertung unterzogen. Jedoch hängt die tatsächliche Zahl derer, die täglich in Hessen ankommen von einer Reihe Faktoren ab, die nicht vom Land Hessen beeinflussbar sind. „Die durch die Bundesregierung beschlossenen Grenzkontrollen greifen offenbar zurzeit, sodass sich der Zustrom etwas verlangsamt hat. Wir befinden uns aber nach wie vor in einer dynamischen Situation und bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor. Für uns Hessen ist entscheidend, dass der Zustrom hierher nicht ungesteuert, sondern in enger Abstimmung mit unseren südlichen Nachbarländern und der Bundespolizei geschieht“, so der Minister.

Die Notunterkünfte in Wiesbaden und Hanau können jeweils bis zu 1.000 Personen aufnehmen – zurzeit werden sie noch nicht belegt und dienen als Reserve. In Frankfurt wurden bereits rund 600 Personen untergebracht. Der Großteil der Flüchtlinge kommt zurzeit am Frankfurter Hauptbahnhof an und wird dort zunächst erstversorgt, verpflegt und soll anschließend vornehmlich mit Bussen zu den neuen benachbarten Notunterkünften gebracht werden von wo sie zeitnah in eine Erstaufnahmeeirichtung verbracht werden. „Wir wollen unserer Verantwortung entsprechen und Menschen, die zu uns kommen, bei uns ordentlich aufnehmen. Dabei ist Hessen solidarisch mit Bayern und allen anderen Bundesländern“, machte Hessens Innenminister deutlich.

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Darius Ansari / Sebastian Stenzel
Video: Darius Ansari / Sebastian Stenzel

Veröffentlichung: 14. September 2015 - 3:04 Uhr
Letzte Aktualisierung: 14. September 2015 - 15:34 Uhr
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