Gebäudebrand in Idstein – Menschenleben in Gefahr!

20150423_Übung F2y Idstein-da_wi112-004

Am Donnerstag probten die Idsteiner Feuerwehren den Ernstfall. Die Einheiten aus Wörsdorf, Niederauroff, Oberauroff und der Kernstadt wurden zu einer realitätsnahen Übung mit dem Stichwort “Gebäudebrand mit Menschenleben in Gefahr” alarmiert.

Mit dem schrillen Alarm der Funkmeldeempfänger und der Durchsage des Leitstellendisponenten endet am Donnerstag um genau 19:45 Uhr die zweiwöchige Vorbereitungszeit. Ein ganzes Team hatte zuvor die Übung ausgearbeitet, geplant und das ehemalige Mehrfamilienhaus der Stadt Idstein auf diesen Moment vorbereitet. Nach der Übung wird es abgerissen, doch jetzt dringt aus allen Ritzen, Türspalten und Kellerfenstern dichter Kunstrauch.

20150423_Übung F2y Idstein-dan_wi112-023Im verwinkelten Keller ist es nach Arbeiten an der Heizung zu einem Feuer gekommen. Der Rauch – aus insgesamt drei Nebelmaschinen – hat sich schnell seinen Weg durch das Treppenhaus bis unter das Dach gebahnt. Den Bewohnern aller sechs Wohnungen ist damit der Fluchtweg durchs Treppenhaus abgeschnitten. Eine Familie wollte sich dennoch vom zweiten Stockwerk durch das Treppenhaus ins Freie retten. Doch nur die Mutter hat es bis nach unten geschafft. Sie vermisst jetzt panisch Tochter und Ehemann, die sie im vollkommen verrauchten Treppenhaus verloren hat. Ihre anderen beiden Kinder stehen mit einem Freund in der obersten Wohnung am Fenster im dichten Rauch und schreien aus Leibeskräften um Hilfe. Die Türen der anderen fünf Wohnungen blieben glücklicher Weise verschlossen. Trotzdem bangen weitere elf Statisten vom Erdgeschoss bis ins oberste Stockwerk um ihre Gesundheit und schreien an den Fenstern um Hilfe.

“Zu solch einem Szenario können wir jederzeit gerufen werden”, so Stadtbrandinspektor Werner Volkmar, und gerade deshalb soll es an diesem Abend geübt werden. Vier Minuten nach der Alarmierung trifft das erste Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Idstein an der Einsatzstelle ein. Die Einsatzkräfte werden von der hysterischen Mutter gebührend empfangen. Tatsächlich könnten die Statisten ihre Rollen nicht besser spielen und so scheint es schon nach den ersten 20 Sekunden vergessen, dass es sich „nur“ um eine Übung handelt.

 Im nächsten Moment erhöht die Leitstelle das Alarmstichwort: „Achtung! Achtung! Alarmübung für die Feuerwehren Wörsdorf, Nieder- und Oberauroff! Bestätigtes Feuer in einem Mehrfamilienhaus! Mehrere Personen im Gebäude!“

20150423_Übung F2y Idstein-dan_wi112-046

Als der Rauch um die drei Eingeschlossenen im obersten Stockwerk immer dichter wird, machen die beiden Statisten ernst und setzen die 40 kg schwere Übungspuppe aufs Fensterbrett: „Ich kann ihn nicht mehr halten! Der springt gleich!“. Während der erste Atemschutztrupp sich bereits seinen Weg durch das Treppenhaus nach oben bahnt, befiehlt der Gruppenführer den Sprungretter vorzubereiten. In weniger als einer Minute ist dieser einsatzbereit und wird von zwei Einsatzkräften unter das Fenster getragen. Noch während die Drehleiter aufgestellt wird fällt die Puppe vom zweiten Stockwerk in das neon-orangene Sprungpolster.

Nach und nach treffen immer mehr Fahrzeuge und Einsatzkräfte an der Übungsstelle ein. Am Ende werden fast 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit sieben Fahrzeugen vor Ort sein. Die Statisten werden über drei Steckleitern und die Drehleiter aus den Wohnungen gerettet. Insgesamt acht Trupps unter Atemschutz werden im Treppenhaus den vermissten Vater mit Kind gefunden haben sowie den verwinkelten Keller und alle Wohnungen abgesucht haben. Die beiden vermissten Heizungsbauer werden nicht gefunden, sie waren gar nicht mehr im Keller. Auch das trifft die Realität.

Die Herausforderung im Einsatzleitwagen der Feuerwehr Idstein ist es nun einen Überblick zu bekommen: Wie viele Personen waren in dem Gebäude? Wer ist hier überhaupt gemeldet? Wer wurde schon gerettet? Wer wird noch vermisst?

20150423_Übung F2y Idstein-dan_wi112-081Nach 1 1⁄2 Stunden sind schließlich alle Fragen geklärt. Der Rauch wurde mit Lüftern aus allen Teilen des Gebäudes gedrückt und jeder Raum zum wiederholten Male abgesucht. Die Übung ist beendet. Die vier Übungsbeobachter um Stadtbrandinspektor Werner Volkmar zeigen sich zufrieden mit der Übung. “Es ist gut gelaufen – aber natürlich hat man auch erkannt an welchen Punkten man noch arbeiten kann. Dafür war die Übung schließlich da”, bilanzieren die Übungsbeobachter, darunter Kreisbrandmeister und Ausbilder des Rheingau-Taunus-Kreises.

Bevor es nach dem Aufräumen zu Wiener Würstchen in den Idsteiner Feuerwehrstützpunkt geht, bedankt sich die Übungsleitung noch bei allen Beteiligten: den zahlreichen Statisten, der Kommunalen Wohnungsbau Gesellschaft und der Bauleitung die das Übungsgebäude zur Verfügung gestellt haben. Und natürlich allen Beteiligten der Freiwilligen Feuerwehren Idstein, die, wie so oft, alles stehen und liegen gelassen hatten, um anderen zur Hilfe zu eilen. Die Einsatzkräfte sind zufrieden mit sich und der Übung – auch wenn jeder hofft, ein solches Szenario in der Realität nie erleben zu müssen.


Flickr Album Gallery Pro Powered By: Weblizar

Redaktion: DA
Fotos: Dennis Altenhofen / DA
Video: Dennis Altenhofen / DA

Veröffentlichung: 24. April 2015 - 14:36 Uhr
Letzte Aktualisierung: 24. April 2015 - 20:08 Uhr
Tags: