Feuerwehr baut umstrittene Erdogan-Statue unter Polizeischutz ab

Rund um die umstrittene Erdogan-Statue in Wiesbaden war es zu Auseinandersetzungen gekommen. Am späten Dienstagabend musste die Biennale-Kunstinstallation schließlich abgebaut werden. Ein Großaufgebot der Polizei war im Einsatz, um die Lage zu entschärfen und schließlich den Platz zu räumen, damit die Statue von der Feuerwehr umgelegt und abtransportiert werden konnte.

Erdogan-Statue Wiesbaden 28.08.18

Seit Montagabend sorgte eine Kunstinstallation im Rahmen der „Wiesbaden Biennale“ auf dem Platz der deutschen Einheit für Irritationen. Zu sehen war eine Statue des türkischen Präsidenten Erdogan. Nachdem der Magistrat noch am Dienstagmorgen entschieden hatte, dass die Statue stehen bleiben soll, sofern die Gefahrenabwehrbehörden keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung feststellen, musste die Statue am späten Dienstagsabend abgebaut werden. Die Freiheit der Kunst, auch die Freiheit zu provozieren, waren dabei für den Magistrat zunächst handlungsleitend, solange keine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit von der Kunstinstallation der Biennale ausging.

Erdogan-Statue Wiesbaden 28.08.18

Im Laufe des Dienstagnachmittags kam es an der Statue zu hitzigen Diskussionen und Rangeleien, so dass die anwesende Polizei mehrfach einschreiten musste. Die Lage beruhigte sich zwar wieder, aber sei vor allem auf die massive Präsenz der Landespolizei auf dem Platz zurückzuführen, die mit fast 100 Kräften vor Ort war. Nach Einschätzung der Ordnungskräfte wäre eine ruhige und friedliche Atmosphäre nur durch einen dauerhaften Einsatz starker Polizeikräfte zu erreichen gewesen.

Erdogan-Statue Wiesbaden 28.08.18

„An einer goldenen Statue von Recep Tayyip Erdogan haben am Dienstag sehr viele Menschen miteinander diskutiert und geredet. Deutsche, Türken, Kurden, alte und junge Menschen, Verehrer des türkischen Staatschefs sowie Kritiker und vehemente Gegner. In der Türkei ist das zurzeit nicht möglich, da Kritiker von Erdogan mit Gefängnis bedroht werden, und eine freie Presse und Kunstausübung in der Türkei derzeit kaum mehr möglich sind. In Deutschland ist das möglich und nötig“, so Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Nachdem zudem bekannt wurde, dass in Kreisen der kurdischen Gemeinde auch überregional zu Protestaktionen nach Wiesbaden aufgefordert wurde sowie im Hinblick auf einen dauerhaften massiven Polizeieinsatz, haben Oberbürgermeister Sven Gerich und Ordnungsdezernent Dr. Franz schließlich entschieden, die Statue abzubauen.

Erdogan-Statue Wiesbaden 28.08.18

Um den Abbau der Statue durch die Berufsfeuerwehr Wiesbaden zu ermöglichen, wurde der Platz durch Kräfte des Polizeipräsidiums Westhessen, des Polizeipräsidiums Frankfurt und der Hessischen Bereitschaftspolizei im Rahmen der Vollzugshilfe geräumt. Die rund 100 Personen vor Ort kamen der Aufforderung, den Platz zu verlassen, ohne Weiteres nach.

Die Feuerwehr, die mit dem Einsatzleitdienst, einem Löschfahrzeug sowie zwei Wechselladerfahrzeugen (WLF) mit dem Abrollbehälter Technische Unfallhilfe und einer Leermulde anrückten, legten die Statue mit Hilfe eines Mehrzweckzuges, einer Maschinellen Zugeinrichtung und einem WLF-Kran um. Mit Hilfe eines Autokrans wurde die Statue schließlich auf die Leermulde gehoben und abtransportiert.

Erdogan-Statue Wiesbaden 28.08.18

Eine Person wurde von der Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen. Der Mann hatte,nachdem der Platz schon geräumt worden war, grundlos andere Anwesende provoziert und für Unruhe gesorgt. Einem Platzverweis durch die Einsatzkräfte kam er nicht nach. Die Maßnahmen von Feuerwehr und Polizei waren gegen 00:50 Uhr beendet.

Oberbürgermeister Gerich und Ordnungsdezernent Dr. Franz betonen, dass für sie wie für den gesamten Magistrat die Kunstfreiheit ein hohes und schützenswertes Gut ist. Eine Kunstinstallation allerdings Tag und Nacht mit einem massiven Polizeiaufgebot schützen zu müssen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten, war für Oberbürgermeister und Bürgermeister nicht verhältnismäßig.

Erdogan-Statue Wiesbaden 28.08.18

„Zweifellos respektieren wir die Kompetenz und Einschätzung der staatlichen und städtischen Ordnungskräfte in Bezug auf die öffentliche Sicherheit. Die Aneignung des öffentlichen Raumes durch politische Kunst und ihr Schutz ist jedoch ein ebenso hohes Gut. Die Landeshauptstadt führt die hohen Kosten für die dauerhaft notwendige Anwesenheit der Polizei an. Gleichwohl möchten wir hier in aller Entschiedenheit die Frage nach dem Preis und der Freiheit der Kunst stellen. Und danach, was sind wir bereit sind auszugeben für Veranstaltungen und Anlässe wie etwa den geplanten Staatsbesuch des türkischen Präsidenten, der mit militärischen Ehren empfangen werden wird, oder auch jedes erdenkliche Fußballspiel am Samstagnachmittag?“, teilen die Kuratoren der Wiesbaden Biennale, Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer, mit.

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel
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Veröffentlichung: 29. August 2018 - 9:59 Uhr
Letzte Aktualisierung: 31. August 2018 - 10:00 Uhr
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