Die Suche nach Überlebenden: Ein deutsches Such- und Rettungsteam im Einsatz in Nepal

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Mit angestrengtem Blick versucht Irakli West, etwas mit dem Fernglas aus dem kleinen ovalen Flugzeugfenster hinaus in der Dunkelheit zu erkennen. Der Airbus kreist seit einer gefühlten Ewigkeit im Luftraum über dem Flughafen Kathmandu – in der Hoffung, endlich eine Landegenehmigung zu erhalten. An Board der Air-India-Maschine sind nicht nur Nepalesen, die zurück in ihre Heimat wollen – auch drei Rettungsteams aus Deutschland und Großbritannien fliegen mit. Irakli West, 46 Jahre, ist Teamleader des sechsköpfigen Search-and-Rescue-Teams der deutschen Hilfsorganisation „@fire“, dem auch ich angehöre.

Drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben, das Ende April Nepal und Teile von China und Indien erschütterte, sind wir endlich in der Hauptstadt Kathmandu gelandet. Das Land befindet sich im Ausnahmezustand."Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015 Niemand interessiert sich ernsthaft für die Sicherheitskontrolle. Obwohl die Metalldetektoren wild piepen, können wir unbesehen den Passagierbereich verlassen. Der Eingang zur Abflughalle ist von Menschen belagert, im Ankunftsbereich warten unzählige Nepalesen auf Angehörige – zahlreiche Männer und Frauen liegen auf den Bürgersteigen eng an eng und schlafen.

Unser Camp schlagen wir schließlich am späten Abend auf einer großen Wiese auf dem Flughafengelände auf. Soldaten patrouillieren am Zaun. Lediglich drei weitere internationale Rettungsteams haben bereits vor uns ihre Zelte bezogen – zahlreiche weitere werden in den kommenden Tagen folgen. Endlich, nach der 24-stündigen kräftezehrenden Reise, liege ich auf einem Feldbett und schließe die Augen. Durch einen ohrenbetäubenden Lärm schrecke ich wieder auf – es klingt, als würde  gleich ein Flugzeug durch unser Zelt fliegen. Stattdessen landet es auf der Landebahn rund 200 Meter neben uns. In den kommenden Tage nehme ich die fünfminütlichen Starts und Landungen direkt neben unserem Basislager kaum noch wahr.

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015

Eingestürztes Hotel nicht zu erreichen

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Am darauffolgenden Tag kann unsere Arbeit endlich beginnen. Viel zu viel Zeit ist seit dem Beben bereits vergangen – die Überlebenschancen in den Trümmern schwinden mit jeder Stunde, jedem Tag. Gerade aufgrund der in Nepal vorherrschenden Ziegelbauweise gibt es in zusammengestürzten Häusern kaum Hohlräume, in denen Verschüttete länger überleben können. Mit unseren beiden Rettungshunden und technischem Ortungsgerät brechen wir am Morgen zusammen mit dem englischen Rettungsteam „S.A.R.A.I.D.“ (Search and Rescue Assistance in Disasters) in das Naturschutzgebiet Sundarijal zehn Kilometer nordöstlich von Kathmandu auf.

Nach der morgendlichen Besprechung der Teamleiter aller internationaler USAR-Teams mit den Nothilfekoordinatoren der Vereinten Nationen und dem nepalesischen Militär haben wir den Auftrag, mehrere Gebäudekomplexe, darunter ein Hotel, ein Militärstützpunkt und eine Wasseraufbereitungsanlage, zu erkunden und nach Überlebenden abzusuchen. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Unsere Gerätschaften – eine Searchcam, ein Horchgerät und Werkzeuge – verstauen wir auf dem Dach eines Sprinters, den wir vor Ort mitsamt eines Fahrers organisiert haben.

Voll beladen mit unserem Team, den beiden Hunden und unserem Dolmetscher starten wir in Richtung Sundarijal. Bei der Fahrt durch die Straßen Kathmandus fällt auf: Obwohl die meisten Häuser unversehrt sind, schlafen viele Menschen im Freien. Auf allen Wiesen sind Zelte aufgeschlagen – sogar auf dem begrünten Mittelstreifen einer vierspurigen Straße. Angespannt beobachten meine Teammitglieder und ich die asiatische Fahrweise. Hupend und im Gegenverkehr überholend schlängeln wir uns wie unzählige andere Autos, Lastwagen, Motorroller und Motorräder durch die Straßen der Stadt.

Die Situation in der Hauptstadt scheint nicht so schlimm wie angenommen. Nur vereinzelt sind Gebäude beschädigt oder eingestürzt. Die meisten kleinen Garagengeschäfte am Straßenrand haben geöffnet, auf den Straßen, die am Rande der Stadt mehr Feldwegen gleichen, herrscht reger Verkehr. Langsam verlassen wir das Getümmel, fahren vorbei an blühenden Feldern und kleinen Flüssen, vorbei an zahlreichen Zelten und Hütten, intakten Häusern und eingestürzten Gebäuden. Überall liegt Plastikmüll herum, er säumt Flussufer und Straßenränder. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015

Langsam nähern wir uns unserem Ziel, die Straße wird schmaler, die Steigung extremer. In der Ortschaft Nayapati treffen wir etliche Menschen auf einem Platz, die unter Planen Schutz vor dem Regen suchen, Kinder nutzen herumstehende Busse zum Spielen. Wir halten, damit unser Teamleader nach dem weiteren Weg schauen kann.

Sofort sind wir von einer Menschentraube umgeben, die Leute wollen wissen, wer wir sind und was wir machen.  „What’s the name of the dog“, fragt mich ein kleiner Junge. „Pollux“ antworte ich ihm. Während Irakli West versucht, auf einer nahegelegenen Militärbasis Details zu unserem Einsatzort zu erfahren, verschaffen wir uns einen Eindruck von dem kleinen Ort, in dem wir gelandet sind. Der Platz ist übersät mit Ziegeln und Holzteilen, von mehreren Häusern sind die Giebelwände eingestürzt. Ein Motorroller liegt unter dem Schutt einer Hausfront begraben. Der schmale Weg in Richtung Militärbasis, der direkt an einem steilen Abhang entlangführt, ist von zahlreichen zentimeterbreiten Rissen durchzogen. An einigen Stellen sind bereits Teile abgesackt. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015

Dann bitten uns auch schon Bewohner um Hilfe: In einem der Häuser könnten noch Verschüttete sein. In gebrochenem Englisch sagt einer: „Das war ein Hotel, zwei Personen kamen noch rechtzeitig heraus, zwei andere könnten noch drin sein.“ Als unser Teamleader zurück ist, nehmen wir uns der Sache an. Lars Prößler schickt seinen Rettungshund Pollux in das Gebäude. Mehrmals klettert der über die Trümmer der eingebrochenen Decke, doch er findet niemanden. Mit der Searchcam – einer Teleskopkamera – schaue ich noch durch ein Fenster in das zweite Obergeschoss. Auch hier ist nichts zu erkennen, das auf Überlebende hinweist. Interessiert beobachten die Menschen um uns herum unsere Arbeit. Als wir ihnen mitteilen, dass niemand mehr in den Gebäuden ist, sind sie dankbar für die Gewissheit.

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Mittlerweile ist Nachmittag. Der Gebäudekomplex in Sundarijal, den wir eigentlich absuchen sollen,  ist wegen der zerstörten Straßen nicht mehr mit dem Auto zu erreichen. Lediglich ein vierstündiger Fußmarsch führt noch in das Gebiet – ohne Helikopter macht das für ein Rettungsteam keinen Sinn. Wir packen unsere Searchcam wieder auf das Dach unseres Transporters und machen uns über die holprigen Straßen auf den Weg zurück ins Basislager. Nach Tüten-Fertiggerichten als Abendessen fallen wir müde und kaputt auf unsere Feldbetten.

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Lange Stunden auf holprigen Straßen

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Früh morgens geht es wieder weiter. Diesmal wird unser Team geteilt und vermischt sich mit unserer Partnerorganisation „S.A.R.A.I.D.“. Das erste Team bricht mit den beiden Rettungshunden und dem Sprinter in Richtung Chandragiri rund zehn Kilometer westlich von Kathmandu auf. Dort soll gemeinsam mit dem türkischen Team „AKUT“ nach Überlebenden gesucht werden. Das zweite Team wartet im Camp auf einen weiteren Minibus und einen Lastwagen, den wir am Vortag gemietet haben. Es soll einen zugewiesenen Sektor zusammen mit dem englischen Rettungsteam „UK ISAR“ erkunden.

Mit dem ersten Team fahre auch ich durch Kathmandu. Die Straßen sind voll – zahlreiche Autos, Minibusse und Motorroller drängen sich durch die überfüllten Straßen. Auf manchen Kreuzungen versuchen Polizisten mit Trillerpfeifen, den Verkehr zu regeln. Plötzlich nehmen wir eine Lautsprecherdurchsage wahr. Unser Dolmetscher erklärt uns:  „Das ist ein Sprecher, der von der Regierung bezahlt wird. Er sagt, dass alles sicher sei, sich niemand Sorgen machen müsse und das normale Leben weitergehe.“

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Als wir nach einiger Fahrtzeit das Stadtzentrum verlassen, treffen wir auf unzählige der typischen, bunt bemalten nepalesisch-indischen Lastwagen. Wir halten am Straßenrand. Zwei Kameraden von SARAID machen sich auf die Suche nach unserer Einsatzstelle – einer eingestürzten Schule. Mit einem Rettungshund und weiteren Kameraden kommen wir kurz darauf nach. Nach einem Stück entlang der stark befahrenen Straße biegen wir links in eine Hofeinfahrt. Eingestürzt ist die Schule jedoch nicht, das Gebäude lediglich nach rechts weggeknickt und nun lehnt es an einem Nachbarhaus. Wenn zum Zeitpunkt des Bebens Menschen im Schulgebäude waren, werden sie sich längst selbst gerettet haben – auch die Anwohner vermissen niemanden. Um sicher zu gehen, schickt Denny Stübling seinen Rettungshund Loki zum Gebäude, um ein zertrümmertes Erdgeschoss abzusuchen. Wie vermutet, findet der Hund auch hier niemanden mehr.

Weil uns Bewohner aber auf ein Nachbardorf mit zahlreichen eingestürzten Häusern aufmerksam machen, machen wir uns auf den Weg dorthin.  Auf einem engen und steilen Weg navigiert uns der Fahrer sicher zwischen Häusern und anderen Fahrzeugen entlang die Straße hinauf. Vorbei an beschädigten und teilweise eingestürzten Gebäuden erreichen wir schließlich einen großen Platz in der Dorfmitte, auf dem sich der Großteil der Bewohner versammelt hat.

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"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Nachdem wir die Lage erkundet haben, setzt Rettungshundeführer Lars Prößler bei einem Haus, das äußerlich fast noch intakt ist – lediglich eine Giebelwand ist eingestürzt – seinen belgischen Schäferhund Pollux an. Zusammen mit seinem Trümmersuchhund klettert er auf den Berg aus Ziegeln und Steinbrocken, der sich zwischen zwei Wohnhäusern aufgetürmt hat, und schickt Pollux schließlich ins Gebäude. Doch auch hier ist kein Überlebender mehr verschüttet. Durch die Menschentraube, die sich um uns gebildet hat, hindurch laufen wir wieder zurück zu unserem Sprinter und brechen auf. Ziel ist Thankot, wo sich bereits das türkische Team „AKUT“ aufhält.

Der Weg führt uns außerhalb der Hauptstadt durch Dörfer; weite Getreidefelder und Wiesen bestimmen das Landschaftsbild. Über staubige Straßen erreichen wir schließlich Thankot. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Militärlaster an Militärlaster reihen sich am Straßenrand in der Ortsmitte, als wir plötzlich auf das AKUT-Team treffen. Nach einer kurzen Besprechung der Teamleiter ist klar:  „Hier gibt es nichts mehr zu tun.“

Zurück im Camp stoßen wir auf unser zweites Team. „Wir warten immer noch auf unseren Lastwagen und UK ISAR“, berichtet Teammitglied Alexander Meier. Dann brechen die Kameraden schließlich alleine auf, um mit der Erkundung des zugewiesenen Sektors zu beginnen. Wir dagegen haben endlich ein wenig Zeit, um ein paar Bilder an unseren Heimatstab zu übertragen. Derweil wird vom englischen Team das Abendessen vorbereitet. Heute gibt es Nudeln.

Erkundung im „Sektor J“

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Gemeinsam setzen wir am folgenden Tag die Erkundung unseres Sektors, der im Nordosten Kathmandus liegt, fort. Mit unserem Sprinter und einem Minibus fahren wir die Straßen ab, vorbei an kleinen Garagengeschäften gelangen wir zu einem vollständig eingestürzten Gebäude. Menschenmassen stehen um die Trümmer herum, mit bloßen Händen graben Anwohner und Soldaten  im Schutt. Auch vier Mitglieder des chinesischen Such-und Rettungsteams „Blue Sky Rescue“ sind vor Ort. Im Gespräch mit den Anwohnern versuchen wir mehr herauszufinden. „Das war ein fünfstöckiges Haus“, erzählen uns zwei Männer. „Und hier war mal ein Spielplatz.“ Sie deuten auf den Trümmerhaufen vor ihnen. Vermisst wird aber niemand mehr.

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Um sicherzugehen, dass sich tatsächlich niemand mehr unter dem Schuttberg befindet, kommen erneut unsere beiden Rettungshunde zum Einsatz. Denny Stübling und Loki beginnen. Der Hund läuft über die Haufen aus Ziegelsteinen, springt auf die Deckenplatten, die wie ein Sandwich aufeinander liegen, schnuppert in Löcher und Zwischenräume. In einem Randbereich der Trümmer hält Loki inne. Die Erkundung durch den Hundeführer gibt allerdings schnell Entwarnung: Unter den Trümmern liegen Schweineköpfe und – füße aus einer Metzgerei im Nachbargebäude, die die Aufmerksamkeit des Hundes erlangt haben.

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Unter den neugierigen Blicken der Anwohner, die sich um den Trümmerkegel versammelt haben und auch von den Dächern und Balkonen der Nachbarhäuser aus unsere Arbeit verfolgen, schauen wir in jeden Zwischenraum und jedes Loch. Die Hunde sind bereits zurück in den Fahrzeugen, da trifft das englische Team „UK ISAR“ ein. Nach einer gemeinsamen Besprechung wird entschieden, sie nochmals suchen zu lassen. Außerdem schaut der technische Orter Alexander Meier zusammen mit dem britischen Kameraden Tack Baldwin mit der Searchcam in einen Hohlraum unter einer Bodenplatte. Cat Spear  und Tack Baldwin von SARAID wollen dort ein Klopfen gehört haben. Das kann allerdings auch von den vielen Menschen auf und neben den Trümmern ausgegangen sein. Mit lauten Pfiffen aus der Trillerpfeife werden sie von der „Armed Police Force“ weggeschickt.

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Weder die beiden Suchhunde noch die Searchcam bringen ein Ergebnis. Und auch ein erneutes Klopfen ist nicht mehr zu hören. So brechen wir die Suche schließlich ab. In unseren beiden Bussen fahren wir die Straßen in unserem Sektor weiter ab, immer auf der Suche nach eingestürzten Gebäuden. Koordinaten und Wegpunkte werden notiert – und am Abend in einem Erkundungsbericht an die UN weitergeleitet. Der Weg führt uns auch auf einen Berg hinauf bis vor die Tore eines buddhistischen Klosters.

Hier ist es wie in einer anderen Welt. Kein Müll an den Straßen, prunkvolle Gebäude stehen auf dem Gelände, die Wohnhäuser haben fast „deutsches Niveau“. Trotzdem sind auch hier Zelte in den Gärten zwischen Gebetsstätten und Denkmälern aufgeschlagen. Ein Mönch führt uns herum. „Einige Gebäude sind beschädigt, aber nicht eingestürzt“, berichtet er in seinem roten Ordensgewand. Er zeigt uns Wohnhäuser, die von Rissen durchzogen sind. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Auch ein großer Gebetsraum ist stark beschädigt. „Wer haben die Gebäude geräumt, sie werden neu gebaut.“ Von hier oben gibt es außerdem einen herrlichen Ausblick über die gesamte Stadt. Zerstörte Gebäude sind kaum zu sehen. „Schlimm sieht es vor allem in den entlegenen Ortschaften aus – dort sind ganze Dörfer eingestürzt“, sagt er in gutem Englisch.

Nach unserer Klosterführung und einem Erinnerungsfoto mit den Mönchen brechen wir wieder auf. Durch unseren Sektor machen wir uns wieder auf den Rückweg zum Basislager, wo uns Teamleiter Irakli West bereits erwartet. Er war nicht zusammen mit uns im Einsatz, da eine Besprechung aller deutschen Hilfsorganisationen in der deutschen Botschaft angesetzt war. „Für uns ist der Einsatz beendet“, berichtet er. „Die Such- und Rettungsphase wurde für beendet erklärt. Jetzt geht es um die Bergung von Leichen – das ist nicht unsere Aufgabe.“ Schon am nächsten Tag soll es nach Hause gehen – so wie es aussieht, mit einer englischen Militärmaschine.

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24 Stunden am Flughafen Kathmandu

"Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Freitagmorgen. Gemeinsam mit SARAID bauen wir unser Camp ab. Feldbetten werden zusammengelegt – und an unseren nepalesischen Fahrer übergeben. Die Taschen werden gepackt und auch die Zelte abgebaut. Mit Hilfe eines Lastwagens des saudi-arabischen Teams und einem nepalesischen Militär-Laster rücken wir zum „Tribhuvan International Airport“ – dem Flughafen in Kathmandu – ab. In der Eingangshalle des internationalen Terminals deponieren wir unsere Gerätschaften und unser Gepäck. Die Maschine der Royal Air Force ist für 18 Uhr angekündigt.

Vor dem Flughafen haben zahlreiche Botschaften Ansprechpartner für ihre Landsleute postiert. Die deutsche Fahne hängt neben den Landesflaggen aus Japan, Südkorea, den Niederlanden, Schweden und Norwegen. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Ein Mitglied der „SEEWA“, der Schnellen Einsatzeinheit Wasser Ausland des Technischen Hilfswerks, unterstützt die Botschaft. In der Eingangshalle werden derweil die Karten ausgepackt, um die Wartezeit auf unseren Flug zu überbrücken. Einige Teammitglieder legen sich auch zum Schlafen auf den dreckigen Boden – und sehen danach schlimmer aus, als nach der Arbeit auf den Trümmern. Ich fasse nur das Geländer an und habe bereits schwarze Hände.

Die Ankunftszeit unserer Militärmaschine verschiebt sich immer weiter. „In vier Stunden“, sagt uns Chris Hurley, soll es losgehen. Nach 24 Stunden befinden wir uns noch immer in der Eingangshalle des Flughafens in Kathmandu. Schließlich erreicht uns die Information, dass der militärische Flug komplett gecancelt wurde. "Die Suche nach Überlebenden" Nepal April/Mai 2015Die Frustration in unserem Team erreicht ihren Höhepunkt. „Vielleicht müssen wir hier noch ein, zwei Tage auf unseren Heimflug warten“, befürchtet Teamleiter Irakli West. Dann geht plötzlich alles ganz schnell: Spontan können wir Tickets für einen Air-India-Flug nach Delhi kaufen, der nur wenige Minuten später starten soll. Schnell sind Gepäck und Ausrüstung eingecheckt. Etwas später dann sitzen wir endlich im Flugzeug. Doch noch immer sind alle angespannt – der Flug kann immer noch gestrichen werden. Die Wartezeit auf dem Rollfeld zieht sich wie Kaugummi. Schließlich bewegt sich das Flugzeug endlich in Richtung Startbahn. Der Airbus beschleunigt und hebt ab – und damit fällt auch die Anspannung von uns. Viel kann jetzt nicht mehr schiefgehen. Den Flug von Delhi nach Frankfurt hat unser Stab von Deutschland aus bereits gebucht.

@fire Internationaler Katastrophenschutz Deutschland e.V. ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die weltweit schnelle Nothilfe nach verheerenden Naturkatastrophen leistet. Die Helfer sind in der Waldbrandbekämpfung sowie dem Suchen und Retten von Verschütteten nach Erdbeben speziell ausgebildet. Alle der über 180 Mitglieder von @fire arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Sie sind vornehmlich Mitarbeiter von Berufsfeuerwehren, freiwilligen Feuerwehren und Rettungsdiensten, die sich zusätzlich ehrenamtlich in der internationalen Hilfe engagieren. Die Hilfsorganisation ist Mitglied im Weltfeuerwehrverband (CTIF) und der „International Search and Rescue Advisory Group“ der Vereinten Nationen (INSARAG) und arbeitet nach internationalen vorgegeben Standards. @fire bezieht keine öffentlichen Fördermittel, Kosten für Einsätze werden durch Spendengelder finanziert. Daher bittet @fire auch für diesen Einsatz zu spenden:

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel
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Veröffentlichung: 11. Juli 2015 - 19:44 Uhr
Letzte Aktualisierung: 11. Juli 2015 - 19:45 Uhr
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