Zwei Jugendliche sterben bei Verpuffung in Wohnhaus – Giebelwand stürzt ein

Hausexplosion Kastel 02.02.14Ein lauter Knall schreckte in der Nacht zum Montag die Bewohner in Kastel auf. Nach einer vermeintlichen Explosion stand ein Einfamilienhaus völlig in Flammen – die Giebelwand auf der Gebäuderückseite stürzte komplett ein. Die Feuerwehr war bis in die Morgenstunden mit den umfangreichen Löscharbeiten beschäftigt. Zwei Tote fanden die Rettungskräfte bei den Bergungsarbeiten in den Trümmern – zwei 15- und 18-jährige Jugendliche aus der Nachbarschaft.

Die Feuerwehr Wiesbaden wurde in der Sonntagnacht um 23:53 Uhr über mehrere Notrufe alarmiert, dass in Kastel nach einer Explosion ein Wohnhaus brennen würde. Bei Eintreffen der Feuerwehr stand ein Einfamilienhaus in der Flensburger Straße bereits voll in Flammen. Hausexplosion Kastel 02.02.14Die komplette rückseitige Giebelseite des Hauses war durch den Brand eingestürzt – die Trümmerteile lagen im Garten. Daraufhin wurden weitere Feuerwehrkräfte nachalarmiert.

In einem umfassenden Löschangriff wurde das Feuer mit zwei B-Rohren, vier C-Rohren und einem Wenderohr über die Drehleiter bekämpft. Zunächst war noch unklar, ob sich die Bewohnerin noch in ihrem Haus befand – jedoch konnte das Gebäude durch die Einsatzkräfte nicht betreten werden. Nach intensiven Ermittlungen der Polizei konnte die Bewohnerin aber wohlauf bei Verwandten in Erbenheim aufgefunden werden.

Hausexplosion Kastel 02.02.14Nach knapp einer Stunde war das Feuer gelöscht. Durch das schnelle Eingreifen ist das Haus weder einsturzgefährdet, noch wurden Nachbargebäude in Mitleidenschaft gezogen. Die umfangreichen Nachlöscharbeiten zogen sich noch über eine weitere Stunde hin. Warum die Giebelseite einstürzte, ist nach dem jetzigen Stand unklar. Von der Kriminalpolizei werden die Ursache und der Hergang des Brandes ermittelt.

Die Rettungshundestaffel der Feuerwehr Wiesbaden durchsuchte den Bereich des Hauses nach weiteren Personen ab, konnte aber in der Nacht niemanden orten. Wegen weiter austretender Brandgase und immer wieder auflodernder Brandnester war ein Durchsuchen des gesamten Hauses mit den Rettungshunden nicht möglich. Eine weitere Durchsuchung nach Erkalten der Einsatzstelle des Hauses mit Hunden wurde auf den Montagvormittag gelegt.

Hausexplosion Kastel 02.02.14Im Einsatz waren 65 Kräfte aller drei Berufsfeuerwehrwachen und die Freiwilligen Feuerwehren aus Kastel und Kostheim. Die Feuerwachen 1 und 2 wurden durch die Freiwilligen Feuerwehren aus Erbenheim und Naurod besetzt. Der Rettungsdienst war mit zwei Rettungswagen und einem Notarzt vor Ort in Bereitschaft. Weiterhin kam die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte mit dem Abrollbehälter Sozial zur Versorgung der Einsatzkräfte zum Einsatz.

Nachdem das Feuer gelöscht war, übernahm die Freiwillige Feuerwehr Kastel eine Brandwache bis in die Morgenstunden. Oberbürgermeister Sven Gerich verschaffte sich in der Nacht persönlich ein Bild von der Einsatzstelle. Der Sachschaden wird von der Feuerwehr auf 250.000 Euro geschätzt.

Rettungskräfte finden zwei Tote in den Trümmern

[Update 3. Februar 2014 – 13:00 Uhr] Bergungsarbeiten nach Hausexplosion Kastel 03.02.14Bei einer geplanten Nachsuche durch die Rettungshundestaffel der Wiesbadener Feuerwehr wurde am Montagmorgen in den Trümmern vor dem Haus eine getötete männliche Person aufgefunden. Für den Mann kam jede Hilfe zu spät. Bei den Bergungsarbeiten konnte dann gegen 12:20 Uhr eine weitere männliche getötete Person unter den Trümmern gefunden und geborgen werden. Die Identität der beiden Opfer ist nach Angaben der Polizei noch nicht geklärt. Der Erkennungsdienst der Wiesbadener Kriminalpolizei hat Maßnahmen zur Identifizierung der Person eingeleitet. Die Ermittlungen zur Brandursache und zum Ablauf des Geschehens dauern an.

Identität der Opfer geklärt: Zwei Jugendliche aus der Nachbarschaft

[Update 3. Februar 2014 – 15:15 Uhr] Die Bergungsarbeiten im Garten des betroffenen Wohnhauses sind mittlerweile abgeschlossen. Dabei wurden keine weiteren Opfer der Verpuffung aufgefunden. Bergungsarbeiten nach Hausexplosion Kastel 03.02.14Die Feuerwehr Wiesbaden arbeitet derzeit an der Abstützung der Außenseite des Gebäudes. Anschließend wird das Objekt bewacht, um es gegen unbefugten Zugang zu sichern. Nach einer Begutachtung soll das Objekt noch im Verlauf dieser Woche abgerissen werden.

Die Identität der beiden aufgefundenen männlichen Opfer gilt zum jetzigen Zeitpunkt als geklärt, teilt die Polizei mit. Es handelt sich um zwei junge Männer im Alter von 15 und 18 Jahren aus der näheren Umgebung des Unglücksortes. Die beiden Opfer wurden bei den Bergungsarbeiten außerhalb des Objektes unter den Trümmern aufgefunden und geborgen. Für die Ermittler kann anhand der vorgefundenen Spuren und des Schadenbildes nicht ausgeschlossen werden, dass die Verpuffung durch einen unvorsichtigen Umgang mit einer brennbaren Flüssigkeit in Zusammenhang steht.

Tatortarbeit abgeschlossen – An mehreren Stellen Brandbeschleuniger gefunden

[Update 7. Februar 2014 – 15:00 Uhr] Brandursachenermittler des Polizeipräsidiums Westhessen und Behördengutachter des Hessischen Landeskriminalamtes haben am Donnerstag weitere Ermittlungen in dem betroffenen Wohnhaus in der Flensburger Straße vorgenommen. Dazu musste lose Teile im Dachstuhl entfernt werden, um den Ermittlern einen gefahrlosen Zugang zu dem abbruchreifen Haus zu ermöglichen.

Die Unglücksstelle wurde von Beamten gutachterlich untersucht, wobei an mehreren Stellen im Haus Reste von Brandbeschleuniger festgestellt wurden. Bei der ausgeschütteten Flüssigkeit handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Benzin. Aufgrund der Gesamtbeurteilung der vorgefundenen Spuren und der Auffindesituation der beiden getöteten Personen gehen die Spezialisten davon aus, dass sich der 15- und der 18-Jährige zum Zeitpunkt der Zündung der
Verpuffung außerhalb des Hauses befunden haben. Dort wurden sie von herabstürzenden Teilen der Giebelwand getötet. Weiterhin liegen derzeit keine konkreten Anhaltspunkte auf eine Beteiligung anderer Personen vor. Jedoch müssen in der Angelegenheit noch weitere Anhörungen von Zeugen durch das Fachkommissariat K11 erfolgen. Die Tatortarbeit an dem Haus ist mit der gestrigen Untersuchung abgeschlossen. Im Verlauf der nächsten Tage soll nun entschieden werden, wie der weitere Abbruch des Hauses erfolgen soll.

[flickrset id=“72157640435793956″ thumbnail=“square“ photos=““ overlay=“true“ size=“large“]




Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel / Michael Ehresmann
  Videos: Sebastian Stenzel
Video:

Veröffentlichung: 03. Februar 2014 - 06:06 Uhr
Letzte Aktualisierung: 27. Februar 2014 - 10:22 Uhr
Tags: , , ,