[VIDEO] Entspannter Jahreswechsel für die Feuerwehr Wiesbaden

Silvesternacht 2009-2010(me) Der Jahreswechsel ist für Feuerwehren immer etwas Besonderes. Nie ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Einsatz so groß, wie in der Nacht zum neuen Jahr. Befürchtungen, es könne zu mehreren, größeren Bränden kommen, bestätigten sich in Wiesbaden zum Glück nicht. Im Gegenteil: Selten startete die Feuerwehr Wiesbaden so ruhig in das neue  Jahr, wie dieses Mal.

Es ist 15:30 Uhr an Silvester auf der Feuerwache 1 am Kurt-Schumacher-Ring. 25 Einsatzkräfte treten zur Fahrzeugübernahme an. Es ist die dritte Wachabteilung, die in der kommenden Nacht bereit steht, um die Sicherheit in Wiesbaden zu gewährleisten, anstatt zu feiern. Das es Einsätze geben wird, ist allen klar. Meist geht es gegen 22 Uhr los, wenn die Menschen immer ausgelassener auf die Straßen zum Feiern ziehen.

Silvesternacht 2009-2010Aber nicht nur bei der Berufsfeuerwehr laufen die Vorbereitungen. Auch im Nachbargebäude, bei der FF-Stadtmitte, wird schon gewerkelt. Der Unterrichtsraum ist geschmückt, in der Fahrzeughalle ein Beamer mit Spielekonsole aufgebaut. Zehn Einsatzkräfte haben beschlossen, nüchtern im Gerätehaus zu feiern – zum Teil mit den Frauen und Kindern.  So ist nicht nur die Einsatzbereitschaft sichergestellt, auch eine gefährliche Fahrt zum Gerätehaus bleibt allen erspart.

Um 17 Uhr der erste Alarm: Ein Anwohner hat eine Rauchentwicklung im Bereich der Kreuzkirche festgestellt. Die Mannschaft des Basis-LF überprüft die Meldung – ein Fehlalarm. Kurz vor 19 Uhr gibt es erst einmal eine Stärkung. Bei der Berufsfeuerwehr wurde schon den ganzen Nachmittag gekocht: Braten mit Soße und Knödel. Die FF-Stadtmitte hingegen lässt sich bekochen: Ein Partyservice hat ein kleines Menü geliefert.

Silvesternacht 2009-2010Der  Abend beginnt ruhig – auch in den anderen Wachbezirken. Doch wie befürchtet geht es gegen 22 Uhr los: In der Bleichstraße brennt es auf einem Balkon. Doch der Löschzug muss nicht mehr viel machen. Anwohner haben schnell reagiert und den Brand weitestgehend gelöscht. Nach kurzen Nachlöscharbeiten ist auch dieser Einsatz beendet.

Vor 24 Uhr müssen die Kräfte der Berufsfeuerwehr dann zu einem Gasgeruch am Nerotal eilen – eine eher ungewöhnliche Einsatzmeldung an Silvester. Vor Ort ist zwar ein leichter Gasgeruch aus einer Baustelle wahrzunehmen, aber keine akute Gefahr erkennbar. Die Stadtwerke übernehmen die Einsatzstelle.

Silvesternacht 2009-2010Zur Mitternacht kommt es schließlich zu einigen Bränden von Unrat oder auf Balkonen. Diese können jedoch alle von Anwohnern weitestgehend gelöscht werden. Inzwischen ist jedoch der Rettungsdienst stark beantsprucht. So muss beispielseise das Basis-LF der Feuerwache 1 als First-Responder in die Schiersteiner Straße ausrücken. Dort hat ein Mann eine Silvesterrakete ins Auge bekommen – er wird mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Während die Feuerwehren im Wachbezirk 3 weiter ruhen, muss die Wache 2 eine brennende Mülltonne in Biebrich löschen und der Löschzug der Wache 1 in die Langgasse ausrücken. Dort hatte Feuerwerk eine Scheibe im 2. Obergschoss durchschlagen und es ist unklar, ob die Wohnung dahinter nun in Gefahr ist. Mit der Drehleiter wird der Schaden von außen begutachtet und man stellt fest: Der Feuerwerkskörper hatte nur eine von zwei Scheiben durchschlagen und stellt keine Gefahr für die Wohnung dar.

Silvesternacht 2009-2010Nun, um halb 2 Uhr, sind die einzigen freiwilligen Feuerwehren in dieser Nacht unterwegs. Die FF-Dotzheim bekämpft einige Kleinbrände im Ortsgebiet und die FF-Stadtmitte löscht Unrat in der Bahnhofsstraße und leistet bei einer bewusstlosen Person Erste-Hilfe. Auch das Basis-LF der Wache 1 muss dem Rettungsdienst bei einer bewusstlosen Person voraus eilen.

Ein Mann hatte offenbar einen Krampfanfall, ist jedoch bei Bewusstsein. Während Notarzt und Rettungssanitäter mit dem renitenten Pateinten kämpfen, äußert eine Nachbarin ihre Sorgen gegenüber der Feuerwehr. In der betroffenen Wohnung ist der Strom abgeschaltet. Durchgängig brennen Kerzen, die nicht unbedingt sicher aufgestellt sind. Doch der Feuerwehr sind vorerst die Hände gebunden und rückt wieder ein.

Silvesternacht 2009-2010Zu diesem Zeitpunkt – es ist 2 Uhr – bleibt zu erwähnen, dass das meist beanspruchte Löschfahrzeug Wiesbadens  noch immer kein Feuer – nur Rauch – gesehen hat. Ein gutes Zeichen dafür, dass die Bürger aufmerksam sind und schnell handeln. Ein weiterer Grund für die wenigen Brände ist sicherlich auch das feuchte Wetter der vergangenen Tage. Auch der Umgang der Bevölkerung mit den Einsatzkräften, oft ein Problem bei vielen angetrunkenen Menschen, ist in dieser Nacht ein sehr positiver: Es wird gewunken, ein frohes neues Jahr gewünscht und sich sogar für die Einsatzbereitschaft bedankt.

Gegen 2:15 fährt das Löschgruppenfahrzeug seinen letzten Einsatz. In der Oranienstraße beginnt eine große Papiermülltonne zu brennen. Dochnoch, bevor Flammen zu sehen sind, ist die Mülltonne geflutet und eine Brandausbreitung verhindert.Silvesternacht 2009-2010 Nun, kurz vor 3 Uhr, kehrt Ruhe auf der Feuerwache 1 ein. Auch bei der FF-Stadtmitte kehrt man wieder zu den Spielen und den Energy-Drinks zurück.

Womit keiner rechnet: In diesem Moment springt ein Mann, offenbar in suizidaler Absicht, von der Theodort-Heuss-Brücke in den Rhein. Das bedeutet Großalarm für die Berufsfeuerwehren aus Mainz und Wiesbaden, sowie den DLRG-Einheiten. Von der Wache 1 rückt neben dem Gerätewagen-Wasserrettung auch das Ergänzungs-LF mit dem Rettungsboot aus.

Während einige Einheiten bereits im Rhein nach dem Mann suchen, soll das Rettungsboot im Schiersteiner Hafen zu Wasser gelassen werden. Aber: Kaum in der Dunkelheit zu erkennen, bedeckt immernoch eine Eisschicht den Hafen. Die Einsatzkräfte beschließen das Boot in Biebrich zu Wasser zu lassen. Silvesternacht 2009-2010Dort dauert der Vorgang zwar länger, ist aber in diesem Fall sicherer.

Über eineinhalb Stunden suchen rund 70 Einsatzkräfte, auch mit dem Polizeihubschrauber, nach dem Mann. Doch schließlich wird die Suche ergebnislos abgebrochen. Bei der starken Strömung und der Kälte hat ein Mensch hier wenig Chancen. Mit diesem Einsatz ist die Silvesternacht für die Feuerwehr beendet. Eine aus Sicht von Feuerwehrleuten sehr entspannte Nacht mit dennoch ungewöhnlichen Einsätzen.

An dieser Stelle möchten wir der Berufsfeuerwehr – besonders der 3. Wachabteilung der Feuerwache 1 – und der FF-Stadtmitte für die Möglichkeit, diese Nacht hautnah zu erleben und die Gastfreundschaft, ganz herzlich danken. Und natürlich wünschen wir Euch allen ein fröhliches, sicheres, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
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Redaktion: Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 01. Januar 2010 - 09:21 Uhr
Letzte Aktualisierung: 01. Januar 2010 - 09:21 Uhr
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