Stadt und Johanniter schulen Flüchtlinge im Gesundheitswesen

Schulung Gesundheitswesen 10.11.17Wann rufe ich den ärztlichen Bereitschaftsdienst? Welche Medikamente bekomme ich ohne Rezept? Bekomme ich im Krankenhaus eine Krankschreibung? Diese und viele weitere Fragen des deutschen Gesundheitswesens stellen schon viele Deutsche vor gewaltige Herausforderungen. Damit Flüchtlinge sich in diesem komplexen Gesundheitssystem zurecht finden können, haben die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und die Stadt Wiesbaden (Amt für Grundsicherung und Migration) ein Projekt gestartet und schulen die Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte.

Auftakt der Schulungsveranstaltungen waren zwei Termine am Freitag zu denen sich 39 Flüchtlinge freiwillig gemeldet hatten. Während ein Ausbilder der JUH das Gesundheitssystem mit seinen Bestandteilen erklärt, steht immer mindestens ein Mitarbeiter des Amtes für weiterführende Fragen der Sozialsicherung zur Verfügung. Ein Dolmetscher unterstützt, sofern nötig, bei der Übersetzung.

Schulung Gesundheitswesen 10.11.17Primäres Ziel des Projekts ist es, den Geflüchteten eine Orientung im Gesundheitssystem zu ermöglichen. Damit soll auch eine Entlastung beispielsweise des Rettungsdienstes und der Kliniken ein wertvoller Effekt sein. Nicht nur durch Asylbewerber, sondern durch alle Einwohner der Städte werden Rettungsdienste und Notaufnahmen besonders Nachts und am Wochenende belastet, obwohl ein Gang zum Hausarztvertretungsdienst oder zur Apotheke bereits hätte helfen können.

Die Teilnehmer aus den Gemeinschaftsunterkünften zeigen sich interessiert und diskutierten lebhaft mit, zeigten aber auch schon ein gewisses Grundwissen, beispielsweise bei den richtigen Notrufnummer für Polizei und Rettungsdienst. Unterschiede zwischen verschreibungspflichtigen und frei erhältlichen Medikamenten sind hingegen den Wenigstens bekannt.

Im Rahmen des Projekts soll es jeden Monat mindestens einen Tag mit je zwei Schulungen geben. Dabei erhofft sich Sozialdezernent Christoph Manjura auch einen Schneeballeffekt, da die geschulten Bewohner anderen bei Fragestellungen im Gesundheitswesen weiterhelfen und damit das Wissen weitergeben können.

Schulung Gesundheitswesen 10.11.17Sozialdezernent Christoph Manjura und Ulf Weyer, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe hatten sich selbst ein Bild von der Veranstaltung gemacht. Die Idee kam auch von den Johannitern, die im Anschluss den Auftrag der Stadt aufgrund des Preises und des Konzepts erhalten haben. Teil des Konzepts ist auch, dass die Schulungen weiterentwickelt werden. Dazu gehört auch, dass auf Besonderheiten aufgrund der unterschiedlichen Herkunftsländer und des dortigen (teils gar nicht vorhandenen) Gesundheitssystems berücksichtigt werden.

Am Ende des Tages wurde klar: Zumindest die anwesenden Asylbewerber sind gewillt sich in das deutsche System zu integrieren, müssen aber auch erst das verstehen, was selbst vielen Deutschen unbekannt ist. Für alle, die sich auch für die Besonderheiten unseres Gesundheitssystems interessieren, ist ein Erste-Hilfe-Auffrischungskurs die richtige Wahl. Hier lernt man nicht nur lebensrettende Sofortmaßnahmen, sondern kann auch alle offenen Fragen an die Experten der Hilfsorganisationen stellen.

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Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 13. November 2017 - 20:46 Uhr
Letzte Aktualisierung: 13. November 2017 - 20:46 Uhr
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