smarter-Forschungsprojekt: Kommunikation im Katastrophenfall – per App und ohne Netz

Pressekonferenz Forschungsprojekt "smarter" TU Darmstadt 20.10.17Ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt entwickelte eine App, mit der im Katastrophenfall auch ohne bestehendes Netz per App kommuniziert, Hilfe angefordert und Waren getauscht werden können. Ein Test im September verlief erfolgreich, die Zukunft der Technologie ist jedoch ungewiss.

Seit März 2015 forschen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die Technische Universität Darmstadt und die Universität Kassel gemeinsam in dem Projekt namens “smarter”. Das Ziel: Wenn nach einer Katastrophe die Infrastruktur ausfällt und die Bevölkerung vorübergehend auf sich gestellt ist, soll sofortige Kommunikation mittels Smartphone möglich sein.

Möglich macht das eine App, die im Fall der Fälle über die WLAN-Schnittstellen verschlüsselt unter den verschiedenen Teilnehmern in Reichweite kommuniziert und alle Daten weitergibt, sodass Informationen wie in einem endlosen Repeater immer weitergegeben werden. Damit sollen nach einem Stromausfall, Hackerangriff oder einer Naturkatastrophe auch bei Netzausfall kommuniziert werden können.

Pressekonferenz Forschungsprojekt "smarter" TU Darmstadt 20.10.17Im Rahmen des Forschungsprojekts und aus dem Alltag wissen die Behörden: Bei Großschadenslagen und Katastrophen herrscht ein extremes Informationsbedürfnis: Hilfe rufen, Kontakt zu Freunden und Familien herstellen. Diese Dinge sind für die Bevölkerung wichtig. Aber auch das Informationsdefizit ist genauso riesig wie die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe.

“Diese Verhaltensweisen finden mobil, aktuell in sozialen Medien, statt”, sagt Dr. Jutta Helmerichs vom BBK. Darauf stellt sich die App ein: Es können Lebenszeichen an Kontakte geschickt oder angefordert – sogar miteinander gechattet – werden. Alles mit einer kleinen Zeitverzögerung, aber das System funktioniert. Auch ein Hilferuf kann gesendet werden. Dieser geht priorisiert an alle Empfänger, die dann selbst zur Hilfe eilen können. Eine Anbindung an Notrufzentralen wäre denkbar, war jedoch nicht Teil des Forschungsauftrags.

Pressekonferenz Forschungsprojekt "smarter" TU Darmstadt 20.10.17Was es jedoch schon gibt: Über einen Behördenzugang können die BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) Verhaltenshinweise und Informationen herausgeben, die ohne Netz nicht aus den sozialen Medien gezogen werden könnten. Da im Verlauf einer Katastrophe auch einfache Ressourcen wie Batterien, Decken oder Nahrung seltener werden, gibt es in der App einen digitalen “Suche/Biete”-Marktplatz zum Tausch von Ressourcen.

In einer groß angelegten Simulation auf einem Truppenübungsplatz testeten knapp 125 Personen die App unter echten Bedingungen. Dabei zeigte sich nicht nur die Funktionsweise und der Nutzen der App, sondern auch, dass “analoge” Lösungen genauso genutzt werden. Der Erfolg liegt offenbar in der Mischung aus digital und analog.

Noch ist ein großes Manko der App, dass sie bei allen Funktionen und Verschlüsselung viel Akkuleistung benötigt. Die Entwickler sind aber schon weiter: Das System wäre im Funkchip implementierbar, sodass der Prozessor geschont und damit die Akkulaufzeit erheblich verlängert werden könnte.

Pressekonferenz Forschungsprojekt "smarter" TU Darmstadt 20.10.17So steht zum nahenden Ende des Forschungsprojekts ein Lösungsansatz, der sich in einem Praxistest beweisen konnte. Bis zu einer endgültigen Nutzung müssten noch einige Hürden genommen werden: Gesetzeslücken, einheitliche Standards, Anbindung an BOS, etc. Die Erkenntnisse lieferten zumindest wertvolle Erkenntnisse und die grundlegende Technik. Um es zum Leben zu bekommen, müsste nun eine Firma oder Behörde die Entwicklung weiterführen und vor allem finanzieren.

Einen langfristigeren Ansatz, in den Erkenntnisse und Technologien des smarter-Projekts einfließen können, liefert das Forschungsprojekt “NICER – Vernetzte infrastrukturlose Kooperation zur Krisenbewältigung” an der TU Darmstadt, das eine längerfristige Förderung erhalten hat.

Bis zur Fertigstellung einer solchen Technologie ist es aus Sicht der Forscher wichtig, sich bewusst zu sein, dass die Netzinfrastruktur die Achillessehne unserer Gesellschaft ist. Genauso wichtig ist es aber auch heute schon in den bestehenden (sozialen) Netzen auf ein wesentliches Bedürfnis von Betroffenen und Bevölkerung einzugehen: Schnelle, zuverlässige Informationen und Verhaltenshinweise.


Flickr Album Gallery Pro Powered By: Weblizar

Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Sebastian Stenzel
Video: Forschungsprojekt smarter

Veröffentlichung: 25. Oktober 2017 - 10:04 Uhr
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2017 - 10:04 Uhr
Tags: