Lexikon der Unwörter
Nicht immer ist eine allgemein gebräuliche Formulierung auch eine gute Formulierung, wie hier anhand der häufigsten "Sünden" aufgezeigt wird, die gerade in der Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr immer wieder vorkommen. Die Liste ließe sich beliebig erweitern.
50jähriges Jubiläum
würde doch bedeuten, dass der Verein, die Organisation oder die Feuerwehr 50 Jahre feiern würde. Dabei spielt es keine Rolle, ob die 50 als Zahl ausgeschrieben ist oder nicht. Jede x-beliebige Zahl ließe sich hier einfügen. 75jähriges, 125jähriges, ... Richtig wäre hingegen das 50jährige Bestehen des Vereines XY.
durchführen
Es wird keine Übung durchgeführt, sondern veranstaltet. Ein Fest wird gefeiert und nicht etwa durchgeführt. Ehrungen werden ausgesprochen oder überreicht, nicht aber durchgeführt!
diesjährige Hauptversammlung
Wer im laufenden Jahr eine Hauptversammlung abhält, zieht dabei Bilanz für das Vorjahr. Dass in diesem Jahr nicht die letzjährige Versammlung stattfindet, leuchtet jedem ein. Es genügt zu schreiben: Die Feuerwehr XY trifft sich am Freitag, 12. Mai, um 20 Uhr im Florianheim zu ihrer Hauptversammlung.
Aküfi = Abkürzfimmel
Es mag gut gemeint sein, wenn der Autor eines Beitrags über seine Organisation Abkürzungen verwendet. Der Normalsterbliche, der mit der Materie nicht vertraut ist, versteht dann nur Bahnhof.
Fahrzeugübergabe
Wenn eine Feuerwehr ein neues Gebäude einweiht oder ein neues Löschfahrzeug in ihren Besitz nimmt, dann kann unmöglich von einer Übergabe gesprochen oder geredet werden. Haben die Dabeigewesenen bei solchen Anlässen schon mal Honoratioren gesehen, die sich einen Bruch gelupft haben, als die das Fahrzeug übergaben?
Begrüßung...
...zu Anfang einer Veranstaltung mag richtig sein. Aber man muss darüber nicht schreiben oder mitteilen: Max Müller begrüßte die Anwesenden. Wen denn sonst?
Herr oder Frau Müller
Wenn schon jeder einen schönen Vornamen hat, sollte der auch Erwähnung finden! Doktortitel sind Namensbestandteil, müssen aber nicht permanent wiederholt werden.
Frau Ministerin
Wer
Minister ist und einen Vor- und Zunamen hat, sollte wie folgt benannt werden: Minister Susanne Ofenrohr. Gleiches gilt für die Bundesministerin Ulla Schmidt. Hier ist es durchaus Streitfall, ob es nicht auch heißen kann: Bundesminister Ulla Schmidt.
Feuerwehrmann (SB)
Schöner Feuerwehrangehörige oder Feuerwehrleute
Adelstitel
obwohl seit 1918 die Adelsrechte und damit die -titel abgeschafft wurden, begegnen sie einem heute noch durchaus. In Beiträgen über Ereignisse oder Veranstaltungen muss nicht von Seiner Königlichen Hoheit oder von Seiner Durchlaucht die Rede sein. Sehr wohl kann in einem Artikel stehen: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis oder Kaiserenkel Ferdinand von und auf und davon usw.
die richtige Amtsbezeichnung
Minunter kommt es vor, dass zu einer Person die falschen Amtsbezeichnung gestellt wird. Bei Feuerwehrrepräsentanten soll in der Regel der jeweils höchste Rang genannt werden: beispielsweise Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, auch wenn er zugleich Vorsitzender eines Landesfeuerwehrverbandes sein sollte. Die Doppelrolle kommt dort zum Tragen, wo sowohl nationale wie Länderfunktionen ausgeübt werden.
Verbandsbezeichnung
Sind wenigstens einmal auszuschreiben und dann in Klammer die gängige Abkürzung. Sie kann im weiteren Verlauf eines Artikels dann durchaus noch des öfteren wiederholt werden. Damit ist die Anmerkung über den Aküfi jedoch nicht hinfällig!
Klaus-Dieter Kirschner, Fachberater Öffentlichkeitsarbeit
Freiwillige Feuerwehr Steinheim