Hotelschiff unter Quarantäne – 67 Passagiere an Norovirus erkrankt

Schiffs-Quarantäne Biebrich 07.12.12Ein Großeinsatz von Rettungsdienst und Feuerwehr bahnte sich in der Nacht zum Samstag am Biebricher Rheinufer an. Nachdem mehrere Passagiere eines Hotelschiffs über Übelkeit und Erbrechen klagten, wurde das Schiff unter Quarantäne gesetzt – ein Norovirus wurde vermutet. Bis zum Sonntag waren zahlreiche Einsatzkräfte im Einsatz, um die Betroffenen in Schutzanzügen auf dem Schiff zu versorgen.

Am späten Freitagabend wurde die Wiesbadener Rettungsleitstelle zum Biebricher Rheinufer alarmiert. Auf einem Hotelschiff klagten zunächst 19 Passagiere über Übelkeit und Erbrechen. Rettungsdienst und Notarzt gingen an Board der „MS Bellriva“, um den betroffenen Personen zu helfen. Da unklar war, was die Ursache der Beschwerden ist, wurde ein Großaufgebot des Rettungsdienstes alarmiert und das Schiff unter Quarantäne gesetzt.

Schiffs-Quarantäne Biebrich 07.12.12Die technische Einsatzleitung Rettungsdienst rückte zusammen mit dem Einsatzleitdienst der Berufsfeuerwehr gegen Mitternacht zu dem Hotelschiff aus. Die Symptome deuteten auf eine Lebensmittelvergiftung oder einen Norovirus hin. Daher rückten eine Schnelleinsatzgruppe Betreuung, eine Schnelleinsatzgruppe Sanitätsdienst sowie die IuK-Unterstützungsgruppe mit dem Einsatzleitwagen ELW2 aus. Auch der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes und der Direktionsdienst und der kommissarische Leiter der Berufsfeuerwehr rückten an.

Die Anzahl der von dem Virus betroffenen Fahrgäste stieg im Laufe des Samstags auf rund 70 an. Das aus Köln kommende Ausflugsschiff lag den ganzen Tag über an einem Schiffsanleger im Stadtteil Biebrich, etwas unterhalb des Biebricher Schlosses. Schiffs-Quarantäne Biebrich 07.12.12Die Rettungskräfte stellten sich auf einen langwierigen Einsatz ein, der möglicherweise bis zum Montag dauern könnte.

Am Samstagnachmittag bestätigte der Wiesbadener Gesundheitsdezernent Arno Goßmann, dass es sich bei dem Virus um das hochansteckende Norovirus handel. Dies hätten Untersuchungen den Gesundheitsamtes ergeben. Ebenso dafür sprach die in kurzer Zeit drastisch steigende Anzahl der Betroffenen auf dem Schiff. Fünf von den 67 Erkrankten wurden auf Grund des schlechten Allgemeinzustandes ins Krankenhaus eingeliefert. Notfallseelsorger betreuten zusätzlich die Fahrgäste.

Da zuerst nicht klar war, welcher Erreger den Brechdurchfall ausgelöst hatte, wurde das Schiff von den Behörden weiter unter Quarantäne gestellt. Dies bedeutete für die 146 Passagiere, die auf dem Rüdesheimer und dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt zu Besuch waren, Schiffs-Quarantäne Biebrich 07.12.12dass sie das Schiff nicht verlassen durften, ebenso wenig wie die 42 Besatzungsmitglieder. Alle reagierten ruhig und gefasst auf die Situation, so Arno Goßmann.

Am Sonntag konnten die Passagiere dann mit Bussen nach Haus gebracht werden. Auch befand sich am Montag nur noch ein Patient in der Klinik. Das Schiff kann nach einer Reinigung und Desinfektion durch eine Fachfirma, die etwa zwei bis drei Tage dauern wird, seine Heimreise nach Köln antreten.

Nach Auskunft des Leiters der Feuerwehr, Harald Müller, hatte sich das Virus auch nicht auf die Wiesbadener Bevölkerung ausgebreitet. Schiffs-Quarantäne Biebrich 07.12.12Es seien keinerlei Notrufe dieser Art in der Wiesbadener Rettungsleitstelle eingegangen. Personell waren über 50 Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Seelsorger und Gesundheitsamt in diesen Einsatz eingebunden. Verkehrsbehinderungen im Bereich der Rheingaustraße gab es keine.

Bürgermeister und Gesundheitsdezernent Arno Goßmann dankte den Einsatzkräften für das große Engagement, die fürsorgliche Betreuung der Erkrankten und Betroffenen und den reibungslosen Ablauf der koordinierten Rettungsmaßnahmen. „Hierbei hat sich erneut gezeigt, dass die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen mit den Institutionen der Stadtverwaltung Wiesbaden hervorragend funktionieren“ so Bürgermeister Arno Goßmann am Sonntag in Wiesbaden.

Info Norovirus:

Noroviren gehören zu den häufigsten Erregern für plötzlich auftretenden Brechdurchfall. Sie sind leicht übertragbar. Typische Symptome sind neben Übelkeit, Durchfällen und Erbrechen auch Bauchschmerzen und Mattigkeit. Die Erreger werden über den Stuhl oder über Erbrochenes ausgeschieden. Sie können über Schmierinfektionen direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Aber auch Speisen und Getränke – etwa verunreinigtes Wasser – sind eine mögliche Infektionsquelle.

Noroviren sind gegen Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen resistent und können länger als zwölf Tage auf verunreinigten Flächen ansteckend bleiben. Gerade auf Kreuzfahrtschiffen kommt es immer wieder zu Problemen. Ursache könnte unter anderem der enge Raum sein, auf dem die Reisenden leben.


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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel
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Veröffentlichung: 08. Dezember 2012 - 06:06 Uhr
Letzte Aktualisierung: 08. Dezember 2012 - 06:06 Uhr
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