Präsentation des größten Löschflugzeugs der Welt in Frankfurt-Hahn

Evergreen Supertanker in Hahn 24.07.09(me) Am vergangenen Freitag wurde auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn das größte Löschflugzeug der Welt vorgestellt. Die umgebaute Boing 747 kann siebenmal soviel Wasser aufnehmen, wie herkömmliche Löschflugzeuge. Aber der Löschgigant bietet weitere Vorteile bei der Waldbrandbekämpfung.

Derzeit wüten im europäischen Mittelmeerraum wieder verheerende Waldbrände, bei denen wie so oft auch Feuerwehrleute ums Leben kamen. Allein in Australien starben in diesem Jahr bisher mehr als 170 Menschen bei Buschbränden. So wird bei Wald- und Buschbränden immer mehr auf Unterstützung aus der Luft gebaut. Doch auch der Einsatz von Löschflugzeugen ist riskant: Die Piloten müssen mehrmals knapp über das Feuer hinweg fliegen, um das Löschmittel überhaupt effektiv zum Einsatz zu bringen.

Evergreen Supertanker in Hahn 24.07.09Dem will die Fluggesellschaft Evergreen International Aviation mit dem „Evergreen Supertanker“ – dem größten Löschflugzeug der Welt – Abhilfe schaffen. In 20.000 Stunden Arbeit wurde die Boeing 747 komplett umgebaut. Am 24. Juli wurde der Löschgigant am Flughafen Frankfurt-Hahn der Fachpresse präsentiert.

Die zehn Behälter im Flugzeug fassen zusammen 77.600 Liter Wasser oder andere Löschmittel. Damit kann der Supertanker das Siebenfache eines üblichen Löschflugzeugs leisten. Die Tanks müssen jedoch nicht in einem Abwurf geleert werden, sondern können in frei wählbaren Intervallen, zum Beispiel an völlig unterschiedlichen Einsatzstellen, abgeworfen werden. Dabei ist man nicht Tageszeitgebunden. Gerade nachts, wenn die Brandbekämpfung am Einfachsten ist, kann das Löschflugzeug dank GPS und modernsten Nachtsichtgeräten seinen Löschauftrag problemlos erfüllen.

Evergreen Supertanker in Hahn 24.07.09Der wesentliche Sicherheitsvorteil besteht in der Art, wie das Löschmittel abgelassen wird. Während übliche Löschflugzeuge rein mit der Schwerkraft arbeiten und daher sehr tief über das Feuer fliegen müssen, bläst der Supertanker sein Löschmittel aus vier Düsen im Rumpf heraus. So erreicht er eine relativ sichere Abwurfhöhe von 240 Metern. Hierbei verlangsamt der Jumbo Jet seine Fluggeschwindigkeit von bis zu 900 km/h auf 260 km/h.

Ein Einsatz der Maschine sei jedoch gut überlegt. Mit rund drei Millionen Dollar Mietkosten pro Monat bei 80 bis 100 Einsatzstunden ist der Evergreen Supertanker „vielleicht nicht der günstigste, aber der wohl effektivste Weg der Brandbekämpfung“, wie Sam White, Vizepräsident von Evergreen International Aviation, bei der Pressekonferenz sein Projekt beschreibt.

Evergreen Supertanker in Hahn 24.07.09Der US-Bundesstaat Kalifornien hat dieses Geld investiert und die 747 im August gemietet. Hierzu muss nicht mehr als ein Flughafen mit einer geeigneten Landebahn und Beladevorrichtung für Jumbo Jets vorhanden sein. Nach nur 30 Minuten sind die Tanks wieder geladen und der Flieger einsatzbereit.

Mit der Demonstration in Deutschland will Evergreen International zusammen mit seinem europäischen Partner ‚Aircharter‘ für seinen Supertanker werben. Johann Georg Goldammer vom ‚Global Fire Monitoring Center‘ (GFMC)  in Freiburg sieht im Supertanker eine große Chance. Denn gerade in solchen Situationen, wie sie derzeit im Mittelmeerraum herrschen, werden alle nationalen Ressourcen im eigenen Land benötigt. Da wird interkontinentale Hilfe unverzichtbar, die beispielsweise durch den Supertanker geleistet werden könnte.

Evergreen Supertanker in Hahn 24.07.09Bill Moody, erfahrener US-Feuerwehrmann und Fachberater von Evergreen International, sieht im Supertanker ebenfalls nicht die einzig wahre Lösung. „Der Supertanker soll nichts bisheriges ersetzen, sondern die Brandbekämpfung mit seinen einmaligen Einsatzmöglichkeiten ergänzen“, macht Moody klar. Aber auch andere Einsätze, zum Beispiel großflächige Dekontaminationen, sind mit dem Supertanker machbar.

Ob das größte Löschflugzeug der Welt in Europa zum Einsatz kommen wird oder weitere Supertanker gebaut werden ist dennoch weiter unklar. Das GMFC in Freiburg konzentriert sich daher weiterhin, die internationale Zusammenarbeit bei Großbränden zu fördern und gemeinsame Konzepte zu entwickeln.


Redaktion: Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 31. Juli 2009 - 19:43 Uhr
Letzte Aktualisierung: 31. Juli 2009 - 19:43 Uhr
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