Ablauf und Durchführung der Gefahrenerhebung


Gefährdung durch Kohlenmonoxid im Einsatz


Eigenschaften und Vorkommen von Kohlenmonoxid


Handlungsempfehlungen für Haushalte


Empfehlungen zur Ausstattung und Einsatztaktik


Aufgrund eines häuslichen Unfalls eines Mitarbeiters der Berufsfeuerwehr Wiesbaden kam es zu folgender Fragestellung:

„Wie stark sind Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie des Rettungsdienstes bei alltäglichen oder auch bei besonderen Einsätzen durch das Atemgift Kohlenstoffmonoxid (im Folgenden CO genannt) gefährdet?“

Im Rahmen einer ersten Analyse der hier genannten Fragestellung und Befragung von Medi- zinern zu der Gefahr durch Kohlenmonoxid und dem Besuch eines Seminars „CO-Vergiftung“ der Berufsfeuerwehr Wien sowie deren Abteilung „Inspektionsrauchfangkehrer“ wurde eine erhebliche Gefährdung für die Einsatzkräfte im Einsatz immer deutlicher.

Das Zusammenführen aller Informationen führte schnell zu der Erkenntnis, sich mit diesem Thema näher zu befassen und eine Studie sowie eine daraus resultierende Gefährdungsanalyse zu erstellen. Diese Studie sollte Erkenntnisse über die Art der Ausrüstung (Warngeräte) und die Einsatztaktik zum Schutz des Personals im Brandschutz und im Rettungsdienst ergeben.

Zeitlicher Ablauf und Durchführung der Gefahrenerhebung

Zeitlicher Ablauf der Erhebung

Anfang Mai 2011 wurde durch die Feuerwehr Wiesbaden ein schlüssiges Konzept zur Erhe-bung der notwendigen Daten für eine Gefährdungsanalyse im Rahmen einer Studie fertiggestellt. Bereits Ende Mai konnte mit einem führenden Gerätehersteller ein kompetenter Part- ner aus der Industrie gefunden werden, der die allgemeinen, speziellen, studien- als auch einsatzangepassten Vorgaben an die notwendigen Eingasatmosphärenwarn- und -messgeräte konfigurierte und diese kostenlos zur Verfügung stellte.

Da es aus Sicht der Feuerwehr zwingend notwendig war, auch den Rettungsdienst der Landeshauptstadt Wiesbaden in die Studie mit einzubeziehen, konnte auch dies nach einigen Hürden ab April 2012 realisiert und durchgeführt werden.

Um die notwendigen Gerätschaften (Messgeräte, Atemschutz, Lüfter etc.) bei einem Kohlenstoffmonoxideinsatz unverzüglich vor Ort zu haben, wurde speziell für CO-Einsätze eine neue Alarm- und Ausrückordnung erstellt. Diese wird im weiteren Verlauf näher erläutert.

Vor Indienststellung der Messgeräte (CO-Warner) zur Warnung des Einsatzpersonals in Be- reichen mit einem gefährlichen Kohlenstoffmonoxidgehalt sollten ursprünglich alle teilnehmenden Personen vor Beginn der Studie eine Information und Einweisung auf die Messgeräte und den Verlauf der Studie erhalten. Dies war anfänglich nur bei der Feuerwehr Wiesbaden und erst nach einigen spektakulären CO-Einsätzen auch zum Ende des Jahres 2011 beim Rettungsdienst in Wiesbaden möglich. Weiterhin organisierte die Feuerwehr Wiesbaden eine Informationsveranstaltung. Diese wurde von einem Kollegen der Berufsfeuerwehr Wien aus der Abteilung der „Inspektionsrauchfangkehrer“ unterstützt. Das Ziel der Studie lag in der Erhebung einsatzrelevanter Daten im laufenden Einsatzgeschehen während eines achtmonatigen Zeitraumes zur Schaffung einer Beurteilungsgrundlage für die Notwendigkeit, ergänzende Ausstattung mit Atmosphärenwarngeräten (CO-Warnern) für Einsatzkräfte im Brandschutz und Rettungsdienst zu beschaffen.

Um eine möglichst gute stochastische Verteilung und Kontrolle bei Einsätzen zu erzielen, wurden durch die Feuerwehr Wiesbaden auf den primären Einsatzfahrzeugen, das heißt zwei Einsatzleitwagen, vier Löschgruppenfahrzeugen, einem Kleinalarmfahrzeug und einem Gerätewagen Messtechnik der drei Wachen, diese CO-Warner verladen. Zusätzliche wurden CO Warner auf vier Rettungswachen, zehn Rettungswagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeugen verteilt.

Verteilung der Warngeräte

Um eine detaillierte Auswertung der Einsäte zu erhalten, stehen im Rahmen der Studie

  • speziell angepasste Einsatzzusatzprotokolle zur Aufarbeitung des Einsatzes,
  • spezielle Hard- und Software zum Auslesen des Warngerätes,
  • Prüf- und Kalibriereinrichtungen zur Prüfung der CO-Warngeräte

zur Verfügung!

Die spezielle Hard- und Software als auch die Prüf- und Kalibriereinrichtung ist auf dem Gerätewagen Messtechnik (GW-Mess) verladen, um die Geräte schon während des Einsatzes auslesen, protokollieren, dokumentieren und überprüfen zu können. Aus diesem Grund wird der GW-Mess bei jedem CO-Einsatz gemäß neuer Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) mit alarmiert.

Im definierten Zeitraum der Studie wurden folgende Einsatzzahlen ermittelt:

Grafische Darstellung Einsatzzahlen

Definition Einsatzzahlen

„…aus RD-Stichworten“ = Bei diesen Einsatzzahlen handelt es sich um Einsätze, welche originär aus Einsatzstichworten mit medizinischer Indikation entstanden sind; Kreislaufkollaps, bewusstlose Person, o. ä. Dabei wurden von der Leitstelle zunächst nur Einsatzkräfte des Rettungsdienstes zur Einsatzstelle entsandt. Bei diesen Einsätzen haben die mitgeführten CO-Warngeräte vor einer gefährlichen mit CO angereicherten Atmosphäre gewarnt.

„…aus FW-Stichworten“ = Bei diesen Einsatzzahlen handelt es sich um Einsätze, welche originär aus Einsatzstichworten des Brandschutzes entstanden sind und dementsprechend durch die Leitstelle alarmiert wurde; Türöffnung, Geruchsbelästigung, o. ä. – Keine direkten Brand- einsätze! Dabei wurden primär Einsatzkräfte der Feuerwehr Wiesbaden zur Einsatzstelle entsandt. Bei diesen Einsätzen haben die mitgeführten CO-Warngeräte vor einer gefährli- chen mit CO angereicherten Atmosphäre gewarnt.

„…in einsatzunkritischen Situationen“ = Bei diesen Einsatzzahlen handelt es sich um keine direkten Einsätze, sondern um Alarme des mitgeführten CO-Warngerätes in einsatzunkritischen Situationen gemäß den Ausschlusskriterien „Handlungsweise Einsatzgeschehen – Ent- scheidungshilfe Alarm durch CO-Messung“;

  • Querempfindlichkeit,
  • Abgase in freier Atmosphäre,
  • Rauchgase o. ä.

Bei diesen Einsätzen wurden keine zusätzlichen Einsatzkräfte zur Einsatzstelle entsandt, da hierbei keine Gefährdung für Personen bzw. für die Umgebung ausging.

Erfahrungen aus der Erhebung/den Einsätzen

Aufgrund der unerwarteten großen Anzahl von 34 primären Einsätzen, der hohen Zahl von drei Toten und etwas mehr als 50 intoxikierten Personen ist deutlich zu erkennen, dass ein Schutz der Einsatzkräfte zwingend notwendig ist. Nur mit Hilfe von CO-Warnern ist es mög- lich das nicht wahrnehmbare CO festzustellen und die Einsatzkräfte zu warnen und damit zu schützen. Nach der anfänglichen Skepsis seitens der Einsatzkräfte und den Erfahrungen während der Einsätze wurden die Geräte schon aus Interesse des Eigenschutzes selbstständig durch jene angelegt und bei jedem Einsatz getragen. Der Träger des Rettungsdienstes hat aufgrund der Einsatzerfahrungen bei den Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätzen bereits vor Ende der Erhebung alle Rettungsmittel mit einem CO-Warngerät ausstatten lassen. Im Bereich der Feuerwehr Wiesbaden wurde von Beginn an die Notwendigkeit dieser Geräte erkannt. Deshalb wurde bereits während der laufenden Studie die Ausstattung der gesamten Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr in Wiesbaden mit CO-Warngeräten veranlasst.

Schlusswort

Zu Beginn der durchgeführten Studie war von keinem der Verantwortlichen abzusehen, wel- che Auswirkungen diese auf die zukünftige Einsatztaktik, die persönliche Ausrüstung und den Arbeitsschutz im Brandschutz und Rettungsdienst haben könnte. Man ging davon aus, dass es vielleicht den ein oder anderen auswertbaren Einsatz geben könnte. Die Realität holte die Einsatzkräfte schnell ein. Schon nach den ersten festgestellten CO Belastungen durch den Rettungsdienst wurde deutlich, dass es wohl schon in der Vergangenheit eine Vielzahl von Symptomen von Betroffenen gab, die auf eine CO Belastung zurückzuführen gewesen wäre, jedoch vom Rettungsdienst sowie von den behandelten Ärzten zum damaligen Kenntnisstand nicht als solche diagnostiziert werden konnten. Ein besonderer Einsatz während der Studie in Wiesbaden, bei dem durch einen technischen Defekt an einer Zentralheizungsanlage über einen längeren Zeitraum CO in mehrere Wohnungen gelangen konnte und es zum Tod von drei Bewohnern kam, führte zu einer extremen Betroffenheit bei allen Beteiligten.

Trotz des Umstandes, dass man den drei zu Tode gekommenen Personen nicht mehr helfen konnte, wurde schnell klar, dass durch die Ausstattung mit CO-Warnern den restlichen Bewohnern des Gebäudes mit Sicherheit das Leben gerettet wurde. Durch weitere jedoch un- spektakuläre Einsätze bestätigte sich immer mehr, dass durch diese Art des Personenschut- zes mit CO-Warnern zum einen den Betroffenen, aber im besonderen Maße auch den Ein- satzkräften ein hohes Maß Sicherheit zu Teil wurde. Die zur Studie notwendigen Aus- und Fortbildungen haben bei fast allen geschulten Einsatzkräften mehrfach neue Erkenntnisse gebracht. Es wurde allen Beteiligten bewusst, dass die Gefahr durch CO in vielen alltäglichen Situationen schon immer vorhanden war, jedoch nicht festgestellt werden konnte.

Die physikalischen Eigenschaften von CO führen dazu, dass mit den natürlichen menschlichen Sinnesorganen das CO nicht zu erkennen ist.

Erweitert wurden die Erkenntnisse über die Gefahren mit CO durch im Internet verbreitete „Anleitungen zu Suiziden mittels Grillfeuer in abgedichteten Räumen“. Aufgrund der durch- geführten Studie gibt es kaum noch Verantwortliche im Bereich Feuerwehr- oder Rettungs- dienst, welche die Gefahr durch CO als gering einstufen würden. Im Verlauf der Studie konn- te man feststellen, wie ein Ruck bei dem Thema Gefahren durch CO durch ganz Deutschland ging. Hierbei kann mit Stolz hervorgehoben werden, dass die Erkenntnisse und das mögliche Einsatzspektrum über die Gefahren durch CO erst durch diese MMH-Studie in Wiesbaden bekannt wurden. Erwähnenswert ist, dass im Verlauf und der Öffentlichkeitsarbeit der Studie auch andere Feuerwehren in Deutschland sich ebenfalls mit der CO-Problematik auseinandergesetzt haben und hier von den Erkenntnissen und Schulungen profitiert haben. Positiv ist festzuhalten, dass aufgrund der Studie und den daraus erkannten Fällen von CO Vergiftungen es dazu führte, dass eine bis dahin nur tagsüber betriebene Überdruckkammer eine „Rund um die Uhr-Bereitschaft“ hat und durch die Krankenkassen finanziert wird.

Aus Sicht der Feuerwehr Wiesbaden ist abschließend und eindeutig festzustellen, dass das Tragen von CO-Warnern aus Fürsorge- sowie arbeitschutzrechtlichen Gründen für Einsatz- kräfte zukünftig zwingend erforderlich ist. Es ist nach diesen Erkenntnissen nicht mehr ver- antwortbar, auf diese Geräte zu verzichten. Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter muss an erster Stelle stehen.

Abschließend gilt besonderer Dank unserem Mitarbeiter HBM Marco Pfeuffer, der durch seine Eigeninitiative diese Studie angestoßen hat. Er begleitete die Studie mit sehr großem persönlichen Einsatz und Engagement während der gesamten Dauer unter Zurückstellung persönlicher Bedürfnisse. Durch seinen unermüdlichen Einsatz, Vorträge über diese Studie vor diversen Feuerwehren und Gremien zu halten, konnte schon während der laufenden Studie eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden. Ein weiterer Dank gilt der Berufsfeuerwehr Wien, insbesondere Herrn Richard Pyrek für seine stetige Unterstützung und fachlichen Beratung. Weiterer Dank gilt der Firma MSA Auer für die Bereitstellung der Gerätetechnik und der fundierten, fachlichen Begleitung.

Quelle: MMH-Studie „Gefährdung durch Kohlenstoff-
monoxid an der Einsatzstelle“
, Berufsfeuerwehr Wiesbaden

 


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