Kurzschluss in Umspannwerk sorgt für großflächigen Stromausfall

Feuer Umspannwerk Glarusstr. 16.11.17Am Donnerstagvormittag forderte ein großflächiger Stromausfall die Einsatzkräfte der Feuerwehr Wiesbaden. Zu dem Stromausfall in Wiesbaden und Umgebung kam es bei Wartungsarbeiten in einem Umspannwerk in der Glarusstraße in Wiesbaden-Biebrich. Der Stromausfall führte zu zahlreichen steckengebliebenen Aufzügen und ausgelösten Brandmeldeanlagen.

Nachdem das 110-kV-Stromnetz im Großraum Wiesbaden-Mainz um 07:21 Uhr ausgefallen war, liefen die Telefone in der zentralen Leitstelle der Feuerwehr Wiesbaden heiß. Zahlreiche Anrufer meldeten stehengebliebene Aufzüge mit eingeschlossenen Personen und andere Probleme.

Leider wurde die Leitstelle auch von vielen Bürgern kontaktiert, die sich nach der Ursache und Dauer des Stromausfalls erkundigen wollten. Dies führte zu einer teilweisen Überlastung der Notrufleitungen. An dieser Stelle weißt die Feuerwehr nochmal darauf hin, den Notruf nur zu wählen, wenn auch ein Notfall vorliegt.

Feuer Umspannwerk Glarusstr. 16.11.17Auslöser war nach bisherigen Erkenntnissen eine Störung im Vorfeld geplanter Wartungsarbeiten in einem Umspannwerk in der Glarusstraße. Um die Wartungsarbeiten durchführen zu können, wurde nach zuvor per Fernschaltung ein so genannter Sammelschienenwechsel im Umspannwerk durchgeführt. Nach derzeitigem Kenntnisstand des Betreibers Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) verlief diese Schaltung per Fernschaltung und vom Ablauf her korrekt. Aus bisher ungeklärter Ursache kam es aber zu einer Störung und zur Rauchentwicklung in der Anlage.

Ein Mitarbeiter sollte im Umspannwerk nach der Fernschaltung die Wartungsarbeiten an der Anlage durchführen. Möglicherweise hat der Mann in Folge der Störung geringe Mengen Rauch und ausgetretenes Isoliergas eingeatmet – daher wurde er vorsorglich zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Er konnte das Krankenhaus um die Mittagszeit wieder verlassen.

Feuer Umspannwerk Glarusstr. 16.11.17Unter Atemschutz erkundeten die Einsatzkräfte der Feuerwehr die Lage und belüfteten die Halle. Nach der Entrauchung des Umspannwerks durch die Feuerwehr konnte die Störungsanalyse vor Ort durchgeführt werden. Im Zuge dieser Störung im Umspannwerk kam es zur Abschaltung mehrerer Leitungen im 110-kV-Netz sowie zum Ausfall des Kraftwerks 3 der KMW sowie des Müllheizkraftwerks auf der Ingelheimer Aue. Von einem Versorgungsausfall betroffen waren nach bisherigem Erkenntnisstand alle Umspannwerke der sw Netz im Bereich Wiesbaden. Im Bereich der Mainzer Netze waren mehrere Umspannwerke ebenfalls betroffen, dies führte unter anderem zu einer Stromunterbrechung in Mombach, der Mainzer Neustadt, Budenheim und Ingelheim für rund 20 Minuten.

Die zentrale Leitstelle der Feuerwehr Wiesbaden musste aufgrund der zahlreichen Hilfeersuchen personell verstärkt werden. Außerdem wurden zusätzliche Einsatzbeamte aus der Freizeit sowie die Freiwilligen Feuerwehren aus Biebrich, Dotzheim, Kastel, Kostheim, Medenbach, Rambach, Schierstein, Sonnenberg und Stadtmitte alarmiert.

Von der Feuerwehr Wiesbaden wurden zwischen 07:21 und 10:00 Uhr folgende Einsätze abgearbeitet:

  • 07.35 Uhr, Person in Aufzug, Walter-Hallstein-Straße
    Eingeschlossene Personen wurden aus einem Aufzug befreit.
  • 07.38 Uhr, Heimrauchmelder, Geisenheimer Straße
  • 07.43 Uhr, Überprüfung, Abraham-Lincoln-Straße
    Eine Rauchentwicklung wurde gemeldet, vor Ort konnte keine Feststellung gemacht werden.
  • 07.45 Uhr, Person in Aufzug, Hans-Böckler-Straße
    Eingeschlossene Personen wurden aus einem Aufzug befreit.
  • 07.51 Uhr, Unterstützung Werkfeuerwehr InfraServ
    Kräfte der Feuerwehr Wiesbaden und der Freiwilligen Feuerwehr Flörsheim unterstützten die Werkfeuerwehr InfraServ, da das Werksgelände ebenfalls vom Stromausfall betroffen war.
  • 07.52 Uhr, Person eingeklemmt/Arbeitsunfall, Abraham-Lincoln-Straße
    Unabhängig vom Stromausfall musste eine bei Bauarbeiten im fünften Obergeschoss eines Rohbaus abgestürzte Person von Kräften des Rettungsdienstes und der Feuerwehr gerettet werden. Die Person konnte nach Erstversorgung durch einen Notarzt mit einem auf der Baustelle befindlichen Kran unter Begleitung eines Höhenretters der Feuerwehr zu Boden gebracht werden. Der Betroffene wurde in ein Wiesbadener Krankenhaus eingeliefert.
  • 07.57 Uhr, Person in Aufzug, Hans-Böckler-Straße
    Eingeschlossene Personen wurden aus einem Aufzug befreit.
  • 08.04 Uhr, Person in Aufzug, Klopstockstraße
    Da die Stromversorgung wieder hergestellt war, konnten sich die Eingeschlossenen selbst befreien.
  • 08.06 Uhr, Kleineinsatz, An der Eich
  • 08.31 Uhr, Brandmeldung, Albert-Schweitzer-Allee
    Vor Ort konnte kein Brand festgestellt werden, es handelte sich um Abgase eines Notstromaggregates.
  • 08.35 Uhr, Brandmeldeanlage, Friedrich-Bergius-Straße
    Fehlauslösung einer Brandmeldeanlage durch technische Störung.
  • 08.36 Uhr, Person in Aufzug, Karl-Marx-Straße
    Da die Stromversorgung wieder hergestellt war, konnten sich die Eingeschlossenen selbst befreien.
  • 09.10 Uhr, Ölspur, Dostojewskistraße
  • 09.32 Uhr, Brandmeldeanlage, Friedrich-Bergius-Straße
    Fehlauslösung einer Brandmeldeanlage durch technische Störung.
  • 09.37 Uhr, Brandmeldeanlage, Theodor-Heuss-Straße
    Fehlauslösung einer Brandmeldeanlage.

Feuer Umspannwerk Glarusstr. 16.11.17Auch in Mainz sorgte der Stromausfall für zahlreiche Einsätze von Polizei und Feuerwehr – insbesondere ein ausgelöster Amokalarm an der Hochschule Mainz. Gegen 07:45 Uhr waren nach Angaben der ESWE Versorgung bis auf einen Stadtteil alle Bereiche Wiesbadens, um 08:31 Uhr mit Biebrich auch der letzte Stadtteil wieder mit Strom versorgt. Dies erfolgte durch andere Umspannwerke im Stadtgebiet. Die Einsatzmaßnahmen der Feuerwehr konnten daraufhin sukzessive zurückgefahren werden.

Einzig der Industriepark InfraServ konnte aufgrund der großen benötigten Strommengen nicht über eine Noteinspeisung beliefert werden. Um 11:01 Uhr gelang es ESWE-Mitarbeitern, das Umspannwerk in der Glarusstraße wieder ans Netz zu nehmen. Hier sind nun drei der vier Transformatoren in Betrieb. Seit 11:14 Uhr fließt der Strom daher auch bei InfraServ wieder. Der Bereich im Untergeschoss des Umspannwerkes ist mittlerweile begehbar. Die ESWE-Experten untersuchen nun den Schaltanlagenbereich, in dem es zum Kurzschluss gekommen war.

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Amokalarm an Hochschule Mainz durch Stromausfall

Symbolfoto

Der Stromausfall in Wiesbaden und Umgebung hat am Donnerstagmorgen auch die Mainzer Polizei beschäftigt. Ab 07:07 Uhr kam es zu Ausfällen verschiedener Ampelanlagen im Stadtgebiet. Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits der Berufsverkehr eingesetzt hatte, waren Behinderungen und Verzögerungen aus Sicht der Polizei – über die täglichen Einschränkungen im Berufsverkehr hinaus – kaum feststellbar. „Die Verkehrsteilnehmer sind in weiten Teilen der Stadt besonnen und rücksichtsvoll damit umgegangen und haben dazu beigetragen, dass es in dieser Phase zu keinen Verkehrsunfällen kam“, so die Pressestelle des Polizeipräsidiums Mainz.

Gleichzeitig war die Polizei Mainz damit beschäftigt verschiedene Gebäudealarme zu überprüfen. Ein besonderer Alarm wurde gegen 07:20 Uhr an der Hochschule Mainz ausgelöst. Die Alarmanlage reagierte wie in einem Amokfall und verriegelte alle Türen. (weiterlesen…)

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel
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Veröffentlichung: 16. November 2017 - 12:00 Uhr
Letzte Aktualisierung: 16. November 2017 - 18:03 Uhr
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