Kommentar: Feuerwehr Wiesbaden – 1 Team?

Kommentar von Sebastian Stenzel,
freiwilliger Feuerwehrmann in Wiesbaden und Mitglied der Wiesbaden112-Chefredaktion.

Die Studierenden im vierten Semester des Studiengangs „Media: Conception & Production“ der Hochschule RheinMain präsentierten am 12. Februar in der Rotunde des Kurhauses ihre Semesterarbeiten, die in Kooperation mit der Wiesbadener Berufsfeuerwehr entstanden sind. Die 17 Werbe- und Recruitmentvideos sowie das neue Corporate Design können sich wirklich sehen lassen! Mit Wiesbaden112 liegt uns seit Beginn an die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Hilfsorganisationen am Herzen. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Bemühungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind und die Berufsfeuerwehr Wiesbaden die Notwenigkeit erkannt hat, mit Imagevideos und Social Media-Auftritten eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Vorstellung Kooperation Hochschule/Berufsfeuerwehr Wiesbaden 12.02.16

Doch ein fahler Beigeschmack bleibt… Ich war bei der Vorstellung im Kurhaus dabei und musste mich gleich fragen, ob die gezeigten Videos und Designs wirklich die gesamte „Feuerwehr Wiesbaden“ repräsentieren. Das Imagevideo wartet mit dem Slogan „1 Team“ auf. Doch warum braucht es dann zwei verschiedene Logovarianten („Berufsfeuerwehr Wiesbaden“ und „Feuerwehr Wiesbaden“). Auch in den präsentierten Videos ist anschließend nur die Rede von der Berufsfeuerwehr Wiesbaden. Das ehrenamtliche Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr fällt – außer in dem Video zur IuK-Gruppe –  gefühlt hinten runter.

Bei einem Video zur Gewinnung von Berufsfeuerwehrfrauen und -männern oder der Vorstellung der Ausbildung der Berufsfeuerwehrfrauen und Männer und der Wasser- und Höhenrettungsgruppen, die nur die Berufsfeuerwehr vorhält, kann ich die Fixierung auf die Berufsfeuerwehr verstehen. Alle anderen angesprochenen Themen betreffen Freiwillige wie Berufsfeuerwehr gleichermaßen. Warum werden die Videos dann nicht mit dem Logo „Feuerwehr Wiesbaden“ gezeigt? Die Freiwilligen Feuerwehren brauchen – bei deutschlandweitem Mitgliederschwund und zunehmend mangelnder Akzeptanz der Arbeitgeber – mindestens genauso dringend neue Mitglieder. Nicht ohne Grund werden zahlreiche Freiwillige Feuerwehren in Wiesbaden mittlerweile stets gemeinsam alarmiert, um eine ausreichende Mannschaftsstärke sicherstellen zu können.

Harald Müller, Leiter der Feuerwehr Wiesbaden, erklärt auf unsere Anfrage: „Das Logo „Feuerwehr Wiesbaden“ soll auch für die Feuerwehr Wiesbaden allgemein (FF und BF) nutzbar sein. Die Videos konzentrieren aus rein pragmatischen Gründen auf die Berufsfeuerwehr, weil das Projekt mit der Hochschule RheinMain relativ schnell erledigt sein musste. Die Studierenden hatten nur einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung und das hätten wir organisatorisch nicht auch für die FF hinbekommen. Dies war auch so im Vorfeld mit der Stadtbrandinspektion abgestimmt. Eventuell ergibt sich in einem zweiten Schritt ein Projekt über die ehrenamtliche Seite der Feuerwehr Wiesbaden.“

Dennoch störe ich mich an der offensichtlichen Unterscheidung und Klassifizierung zwischen der „Berufsfeuerwehr Wiesbaden“ und der „Feuerwehr Wiesbaden“. Die freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männer müssen neben ihrem eigenen Beruf, in ihrer Freizeit das Gleiche leisten, wie die Kollegen der Berufsfeuerwehr. Ein Atemschutzeinsatz ist genauso anstrengend und herausfordernd – und Bedarf einer gleich guten Ausbildung. Freiwillige Feuerwehrkräfte stellen genauso den Sicherheitstrupp und müssen im Zweifel ihre Kollegen und Kameraden der Berufsfeuerwehr retten – und umgekehrt. Dass die Berufsfeuerwehr bei größeren oder parallelen Einsätzen personell an ihre Leistungsgrenze stößt und auf die Freiwilligen Feuerwehren angewiesen ist, ist kein Geheimnis sondern Fakt.

Die Zusammenarbeit zwischen Freiwilliger und Berufsfeuerwehr ist zum Großteil sehr kollegial. Hin und wieder merkt man aber die Unterscheidung zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr, die sich seit jeher in den Köpfen festsetzt und gerne mal bemerkbar macht. Die Unterscheidung in zwei unterschiedlichen Logos im neuen Corporate Design, das Tragen unterschiedlicher Rückenschilder, die sich teils stark unterscheidende Ausrüstung macht diese Unterscheidung auch nach außen hin sichtbar.

1 Team? Im Einsatz müssen wir uns aufeinander verlassen können – egal ob Freiwillige oder Berufsfeuerwehr. Im Einsatz ist kein Platz für Konkurrenzdenken. Statt darauf hin zu arbeiten, die bestehenden Barrieren in den Köpfen abzubauen, habe ich das Gefühl, dass mit der nach Außen hin deutlichen Abgrenzung zwischen der „Berufsfeuerwehr Wiesbaden“ und der „Feuerwehr Wiesbaden“ dieses Denken dahingegen weiter verstärkt wird.

So wie die Berufsfeuerwehr es vorlebt, bröckelt auch innerhalb der Freiwilligen Feuerwehren der Zusammenhalt. Lange war es bei allen Freiwilligen Feuerwehren üblich, einheitliche Rückenschilder mit dem Schriftzug „Feuerwehr Wiesbaden“ zu tragen. Zunehmend rückt das „Ich“ wieder in den Vordergrund – das „Wiesbaden“ auf dem Rücken wird vielerorts durch den eigenen Ortsteil ersetzt. Bei der Berufsfeuerwehr steht sowieso schon lange „Berufsfeuerwehr“ auf dem Rücken.

Aber sind wir nicht ein Team? Eine Feuerwehr Wiesbaden? Gemeinsam das Ziel erreichen. Für Wiesbaden.

17 Imagevideos und ein neues Corporate Design – Kooperationsprojekt zwischen Hochschule und Berufsfeuerwehr

Vorstellung Kooperation Hochschule/Berufsfeuerwehr Wiesbaden 12.02.16Der Studiengang „Media: Conception & Production“ der Hochschule RheinMain hat am Freitagabend in der Rotunde des Kurhauses Semesterarbeiten präsentiert, die in Kooperation mit der Wiesbadener Berufsfeuerwehr entstanden sind. In der „Semesterwerkstatt für TV- und Medienformate“ haben 37 Studierende des vierten Semesters 17 Werbe- und Recruitmentvideos für die Berufsfeuerwehr Wiesbaden erstellt. Außerdem haben sie ein neues Corporate Design für die Berufsfeuerwehr Wiesbaden entwickelt, beispielsweise Logo und Schriftzug.

„Wie die meisten Feuerwehren muss sich auch die Berufsfeuerwehr Wiesbaden aktiv um Personalgewinnung und Nachwuchs kümmern. Wer dabei auffallen und sich attraktiv präsentieren möchte, muss sich auch mal auf neue Wege begeben. Solch ein Weg ist die Kooperation mit der Hochschule. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, weil sie die Arbeit der Feuerwehr kurz, präzise und kreativ wiedergeben“, erklärt Oberbürgermeister Sven Gerich, der als Dezernent für die Berufsfeuerwehr zuständig ist und selbst eine Rolle in einem Clip übernommen hat. (weiterlesen…)




Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Sebastian Stenzel
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Veröffentlichung: 22. Februar 2016 - 09:09 Uhr
Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2016 - 09:09 Uhr
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