Kommentar: Ein N24-Reporter, die freiwillige Feuerwehr und die Profis

In einer Live-Schalte von N24 zum dramatischen Busunglück auf der A9 zeigt sich der Reporter schlecht informiert und unterscheidet sinngemäß zwischen “Freiwilliger Feuerwehr” und “Profis”. Schwer daneben, wie N24 und er sich eingestehen müssen. Das Netz tobt, die Kritik artet in wüsten Beleidigungen und absurden Ansagen aus. Ursache und Wirkung geraten vollkommen in den Hintergrund.

Was war passiert? Am 3. Juli kommt es auf der A9 bei Bayreuth zu einem schweren Unfall. Ein Bus brennt aus, 18 Menschen sterben. Diverse Medien entsenden Reporter zur Unfallstelle um Eindrücke zu recherchieren und Stimmen einzufangen. Der N24-Reporter Christoph Wanner bringt in einem Live-Interview die Feuerwehren ins Spiel und zeigt sich dabei wenig informiert.

„Waren es zu Beginn freiwillige Feuerwehrleute oder Profis?“, fragt er eine Polizeisprecherin. Im Rahmen der Moderation erklärt er weiter, dass “man sich immer wieder daran erinnern muss, dass die Feuerwehrleute, die […] in der Früh dazugekommen sind und angefangen haben mit den Rettungsarbeiten und auch versucht haben die Personen aus dem brennenden Bus noch herauszuholen, das waren freiwillige Feuerwehrleute. Das sind natürlich auch Profis, aber es ist eben doch nicht die professionelle Feuerwehr.”.

Diese Aussagen sind ohne Frage ein Schlag ins Gesicht für jede ehrenamtliche Einsatzkraft, nicht nur von Feuerwehren. Dementsprechend schnell geraten N24 und Wanner ins Schussfeld. Der Bayerische Feuerwehrverband rügt die Aussagen und diverse Feuerwehrleute und Feuerwehren sowie Verbände teilen Videos von den Aussagen des Reporters. Auch ich war enttäuscht über diese Aussagen. Ja, sogar etwas wütend.

Christoph Wanner bemerkt so wohl schneller als ihm lieb sein kann, was er damit ausgelöst hat. Einen Tag später entschuldigt er sich in einer weiteren Live-Schalte von N24 ganz deutlich für seine Aussage. Er stellt klar, dass er mit “professioneller” Feuerwehr, eine hauptamtliche bzw. Berufsfeuerwehr gemeint hatte und gesteht ein, dass ihm nicht bewusst war, dass die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehren den der Berufsfeuerwehren entspricht. Das war beeindruckend. Zumindest das, was von ihm kam.

Was zeigt uns der Fall? Er zeigt uns, dass die Bevölkerung immer noch viel zu wenig über das Feuerwehrwesen, insbesondere im Ehrenamt, weiß. Er zeigt uns außerdem, dass Journalisten wenig Fachwissen vom Feuerwehrwesen haben und ohne entsprechende Informationen schnell fachlich falsch berichten. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit scheint in der Breite unzureichend. Er zeigt uns aber auch, dass viele Feuerwehrleute sehr dünnhäutig sind, wenn es um ihr Hobby geht. Insbesondere, welche Anerkennung sie erwarten.

Dass ein Journalist keinen 4-wöchigen Feuerwehrlehrgang macht, bevor er ad-hoc zu einer Unfallstelle geschickt wird, sollte eigentlich klar sein. Die meisten Feuerwehrleute kennen nicht einmal den Unterschied zwischen Rettungsassistent, Notfallsanitäter oder Rettungssanitäter, obwohl es sogar die eigenen Kollegen sind. Aber es wird erwartet, dass ein Reporter diese Unterschiede kennt – nur weil sie einem selbst sehr klar sind.

 

Doch anstatt Energie in eine bessere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu stecken, den Anlass zu nutzen um aufzuklären, wie es beispielsweise die Feuerwehr Erbach/Ts. tut, wird drauf losgeschimpft und beleidigt was das Zeug hält. Unter jedem Posting in den (a)sozialen Medien findet man mindestens ein Kommentar, der den Reporter entweder beleidigt und bedroht oder das Feuerwehrwesen umbauen möchte, damit alle mal merken, was los ist. Spannenderweise kommen die Kommentare in einer Schreibart und Sprache daher, dass man zweifeln mag, ob diese Leute überhaupt bis Zehn zählen können. Kameraden, die zur Mäßigung aufrufen, werden gleich auch noch beleidigt oder bedroht.

Was soll das? Es gibt weit über eine Millionen Freiwillige Feuerwehrleute. Wir, ihr, alle seid Profis und opfert Eure Freizeit für eine absolut ehrenwerte Tätigkeit. Wer aber als Profi und Mensch wahrgenommen werden will, sollte sich in der Öffentlichkeit (und das ist auch Facebook) nicht wie ein asozialer Rowdy benehmen. Das erzeugt ein Bild von allen Feuerwehrleuten unter denen die absolute Mehrheit besonnen und professionell ist. Es zeugt übrigens von wahrer Größe, sich öffentlich auf gleicher Plattform zu entschuldigen. Eine Tugend, die im Gegensatz zum Reporter viele Feuerwehrleute vermissen lassen.

Wir vertreten die Meinung, dass Feuerwehren sich noch weit mehr als bisher an die Digitalisierung der Gesellschaft und der Medien anpassen müssen, auch im Hinblick auf ihre Mitglieder. Wenn ich nicht aktiv wäre, wüsste ich nicht, ob ich zu einer Gruppe gehören möchte, deren Mitglied jemanden verprügeln will. Wir wollen helfen. Nicht nur in Notlagen, auch bei Unwissenheit.

Bildet Euch weiter! Wie funktionieren Presse, soziale Medien? Führt Pressegespräche, macht zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit. Bietet Euren Mitgliedern die Möglichkeit, stolz über ihr Ehrenamt berichten zu können. Gerne helfen wir Euch dabei. Das wichtigste: Behaltet die Nerven – auch wenn es anfangs sicher immer schwer ist.

Zum Seminar: „Tue Gutes und rede darüber“ – Öffentlichkeits- und Medienarbeit bei Hilfsorganisationen


Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Facebook
Video:

Veröffentlichung: 05. Juli 2017 - 13:44 Uhr
Letzte Aktualisierung: 05. Juli 2017 - 15:40 Uhr
Tags: