Fünf Bürger für vorbildliches Verhalten ausgezeichnet – Hessen mit Zivilcourage

(me/ppwh)In einer kleinen Feierstunde hat am heutigen Nachmittag Polizeipräsident Peter Frerichs 5 Bürger für ihr engagiertes und vorbildliches Handeln im Namen der Gesellschaft Bürger und Polizei e.V. ausgezeichnet. Die Bürger haben durch ihr keineswegs selbstverständliches Handeln zur Abwehr einer Gefahr für Leib oder Leben eines Menschen, als auch zur Verfolgung und Aufklärung von Straftaten mit erheblicher Bedeutung beigetragen.

Gruppenbild
v.l.n.r.: Walter Becht, Polizeipräsident Peter Frerichs, Patrick Schulz und Patrick Rossack. Es fehlen auf dem Bild: Matthias Zeidler und Andreas Nargang.

Sehr beeindruckend ist die Geschichte von den 2 Helfern Matthias Zeidler und Andreas Nargang. Als sie am 11. September 2006 auf der B417, Höhe Platte als erste zu einem schweren Frontalcrash, zwischen einem PKW und einem LKW, kommen überlegen sie nicht lange: Sie halten sofort an und machen sich einen Überblick über die Lage. Während der eine sich um die beiden schwer eingeklemmten Fahrer kümmert entdeckt der andere einen 6-jährigen Jungen auf der Rückbank des zerstörten Golfs. Sofort holt er den Jungen in seinem Kindersitz aus dem Auto, in dem noch seine Oma eingeklemmt ist. Wie aus dem Lehrbuch handelt er: Zuerst räumt er das Erbrochene aus dem Mund des schwer verletzten Jungen und bringt ihn dann in eine stabile Seitenlage (Kopf überstrecken etc.). Laut dem Notarzt hat genau diese vorbildliche Handlung dem kleinen das Leben gerettet. Der andere Helfer bemerkt jetzt erst, dass der eingeklemmte LKW-Fahrer sein Arbeitskollege ist. Doch auch er überlegt nicht, sondern versucht sein bestmögliches um den instabilen Verletzten wach zu halten. „Diese paar Minuten, bis der Notarzt da war waren die längsten meines Lebens. Ich war noch nie so froh ein Martinshorn gehört zu haben“. So beschreiben die beiden Retter ihr Erlebnis. Doch selbst nach Ankunft des Notarztes befreien sie sich nicht von ihrer Pflicht. Neben der Einweisung der Rettungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst unterstützen sie sogar den Notarzt beim Legen eines Zugangs und unterstützen so professionell die Rettung. Erst als der Rettungshubschrauber mit dem schwer verletzten Jungen abhebt können sie sich entspannen. Erst in diesem Moment, so die beiden, wurde ihnen klar, was sie da gerade durchlebt hatten. Der Notarzt, der sich in einem Brief an die beiden wendet, lobt die Ruhe und Professionalität mit der die beiden hier Menschenleben gerettet haben. Vor kurzen trafen die beiden Retter sich auf einem Weihnachtsmarkt mit dem Jungen und seiner Familie. Hier wurde ihnen wieder bewusst welch „Heldentat“ sie an diesem 11. September vollbracht hatten.

Doch auch die beiden anderen Fälle, so zeigte Peter Frerichs an diesem Nachmittag, demonstrierten, wie man der Polizei und seinen Mitmenschen durch umsichtiges Handeln und Aufmerksamkeit helfen kann:

Am 17. September befuhren die beiden Freunde Patrick Rossack und Patrick Schulz die Schiersteiner Straße. Als sie an der Kreuzung zur Erich-Ollenhauer-Straße anhalten müssen, hörten sie eine Frau um Hilfe schreien. Unmittelbar danach sahen die Beiden einen Mann mit einer Damenhandtasche davon laufen. Patrick Schulz stieg sofort aus dem Fahrzeug aus und lief dem Mann hinterher. Nachdem Patrick Rossack den PKW abgestellt hatte, folgte er seinem Freund und kam ihm zur Hilfe, als der Handtaschendieb auf diesen einprügelte. Durch ihr sofortiges und umsichtiges Verhalten haben die Beiden es ermöglicht den Täter fest zu nehmen und die Handtasche ihrer Besitzerin zurück zu geben.

Am 28. Oktober ging Walter Becht mit seinem Hund in Wiesbaden-Breckenheim am Friedhof in Richtung Wallau spazieren. An der Baustelle des neuen REWE-Marktes beobachtete er, wie dort das Gerüst an dem halb fertigen Geschäft abgebaut wurde. Da ihm die Art des Abbaus und das Verhalten der Personen merkwürdig vorkamen, merkte er sich kurzerhand das Kennzeichen des von ihnen benutzten Fahrzeuges. Als der aufmerksame Breckenheimer einige Tage später erneut an der Baustelle vorbeikommt kommt er mit dem Gerüstinhaber ins Gespräch, der ihm erzählte, dass unbekannte Täter das Gerüst entwendet hätten. Becht erzählte ihm von seinen Beobachtungen und nannte das Kennzeichen, das er sich gemerkt hatte. Aufgrund der Umsichtigkeit von Walter Becht konnten die Täter ermittelt und die entwendeten Gerüstbauteile wiederbeschafft werden.

Diese Sachverhalte zeigen, dass eine Gefahrenabwehr und eine erfolgreiche Straftatenbekämpfung nur im Zusammenwirken von Bürgern und der Polizei möglich sind. Um diese zu unterstützen existiert die Gesellschaft Bürger und Polizei e.V. Mehr Infos dazu HIER

Alle 5 erhielten ein kleines Geschenk und ein Danksagungsschreiben. Auch wenn die Zivilcourage, die von diesen Bürgern gezeigt wurde, unbezahlbar ist, ist es doch sinnvoll zu zeigen, wie man helfen kann. Ob nur durch das Absetzen eines Notrufes oder das Eingreifen und aktive Handeln.


Redaktion: Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 21. Dezember 2006 - 21:38 Uhr
Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2006 - 21:38 Uhr
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