[update!] Ein Toter bei Schiffsunglück auf dem Rhein bei Ginsheim – Bootbesitzer noch vermisst. Tagelanger Einsatz für Rettung- und Bergungskräfte

Schiffsunglück auf dem Rhein 07.04.07 (Tag 1)(me) Tagelang beschäftigte ein, bei Rheinkilometer 491,5 gesunkenes, Arbeitsboot Feuerwehren, Bergungskräfte, Polizei und andere Hilfsorganisationen, das am frühen Montagmorgen endlich geborgen werden konnte.

Als am Ostersamstag gegen 08:30 Uhr bei der Leitstelle Groß-Gerau der Notruf eingeht „ein Sportboot sei verunglückt“ wusste noch niemand, dass ein langwieriger Einsatz bevorsteht. Ein Passagierschiff beobachtete ein kopfüber sinkendes Boot und holte direkt nach dem Unglück einen, auf dem Wasser treibenden, Mann aus dem Wasser und brachte ihn zu den ersten Rettungskräften ans Ufer. Notarzt und Sanitäter konnten dem 76-jährigen jedoch nicht mehr helfen. Da man noch nicht wusste, wie groß das gesunkene Boot genau war und wie viele Personen sich auf diesem befanden, wurden die Freiwillige Feuerwehr Ginsheim-Gustavsburg und die DLRG Rüsselsheim alarmiert. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um etwas Größeres als ein Sportboot handeln musste und dieses nur schwer zugänglich war. Schiffsunglück auf dem Rhein 07.04.07 (Tag 1)Auch deshalb wurde Unterstützung aus Wiesbaden und Mainz gerufen. Die Berufsfeuerwehren Wiesbaden und Mainz besetzten das Feuerlöschboot und Mehrzweckboote. Die DLRGen aus Schierstein, Biebrich und Kastel rückten mit diversen Rettungsbooten in Richtung Unglücksstelle aus. Auf dem Weg nach Ginsheim wurden diverse Utensilien auf dem Rhein treibend gefunden. Während Rettungstaucher das gesunkene Boot untersuchten wurden die angeschwemmten Teile an Land von Polizei und Feuerwehr untersucht. Zuerst galt es herauszufinden wie viele Personen sich zum Unglückszeitpunkt auf dem Boot befanden. Diese Frage klärte sich, als Rettungskräfte einen schwimmenden Alukoffer entdeckten; dieser enthielt alle Papiere. So stellte sich heraus, dass sich noch eine weitere Person auf dem Boot befunden haben muss.

Schiffsunglück auf dem Rhein 07.04.07 (Tag 1)Da das gekenterte Boot in dem ca. 6 Meter tiefen Wasser kopfüber lag konnten die Taucher vorerst nur das Führerhaus nach dem Mann durchsuchen. Die schlechte Sicht und äußerst starke Strömung, die den Tauchern teilweise fast die Taucherbrillen vom kopf riss, erschwerten die Suche ungemein. Bis zum Eintreffen eines Wallufer Bergungsschiffs wurde das havarierte Boot mit Stahlseilen am Feuerlöschboot gegen weiteres Wegschwimmen gesichert. Da jeder Taucher nur maximal zehn Minuten tauchen konnte musste die Bergung gut geplant werden. Durch die komplizierte Lage kopfüber war es schwer einen guten Festpunkt für das Hebeseil zu finden. So scheiterte der erste Bergungsversuch schon nach einigen Sekunden als der Festpunkt vom Boot riss. Bis ein erneuter Festpunkt gefunden war verging eine weitere Stunde. Zwischenzeitlich tauchte jedoch das Beiboot eigenständig auf und konnte von einem kleinen Polizeischiff mit Kran, mit Hilfe der Rettungsboote, aufgenommen werden. Doch es gelang nun das Boot zu drehen und machte den Außenbereich damit für die Taucher besser zugänglich. Da es nun schon langsam dunkel wurde und man keine weitere Komplettsperrung des Rheins über Nacht riskieren wollte entschlossen sich die Führungskräfte aus Wiesbaden und Ginsheim-Gustavsburg das Boot mit dem Bergungskran an den äußersten Rand der Fahrrinne zu ziehen und planten für Sonntag einen erneuten Bergungsversuch.Schiffsunglück auf dem Rhein 07.04.07 (Tag 1) Diese Entscheidung erwies sich als richtige, da noch während dem wegziehen erneut der Festpunkt am Boot abriss und es wieder nur an den Sicherungsseilen hing. Mittlerweile hatten sich vor und hinter der Unglücksstelle ca. 30 Schiffe gestaut. Gegen 23 Uhr konnte die Schifffahrt dann wieder im abwechselnden Einbahnstraßenverkehr aufgenommen werden. Über Nacht verblieben das Feuerlöschboot mit der Mindestbesatzung von 3 Personen und das Bergungsschiff vor Ort.

Am Sonntagmittag versammelten sich gegen 11 Uhr erneut die Kräfte der FF-Ginsheim-Gustavsburg und der BF Wiesbaden an der Bootsrampe. Diesmal konnte man notwendiges Material mitbringen und sich auf einen umfangreichen Tauchereinsatz vorbereiten. Bis 14 Uhr musste noch das Eintreffen von zwei weiteren Bergungsschiffen erwartet werden. Bei strahlendem Sonnenschein bereiteten sich die beteiligten Kräfte auf den Bergungseinsatz vor.Schiffsunglück auf dem Rhein 07.04.07 (Tag 1) Die Wasserschutzpolizei, die ebenfalls mit mehreren Booten vor Ort war, sperrte ab 14 erneut die Schifffahrt auf dem Rhein für unbestimmte Zeit während eines der nunmehr 3 Bergungsschiffe eine „Wand“ zu Wasser gelassen hatte um die Strömung für die Taucher erträglicher zu machen. In mehreren Stunden Arbeitsaufwand und nach diversen Tauchern war das gesunkene Boot an zwei verschiedenen Bergungsschiffen und deren „Flaschen“ befestigt und der 3. Bergungsversuch wurde gestartet. Als bereits der Ausleger des gesunkenen Boots zu sehen war riss erneut ein Befestigungspunkt und das Boot tauchte wieder einige Dezimeter weiter runter. Die dünne Konstruktion des Boots stellte alle vor ein Problem.

Mittlerweile war aber immerhin bekannt, dass es sich um ein privates Arbeitsboot zum ziehen und schieben von Schiffen handelte. Mit ca. 15 Metern Länge und 4 Metern Breite war auch klar, dass es ein erhebliches Gewicht hatte – verstärkt durch die wassergefüllten Kammern. Neben unzähligen Schaulustigen an den Ufern war nun auch ein gesteigertes Medieninteresse zu verzeichnen. Seit Samstagabend kam die Nachricht von dem Schiffsunglück auf diversen Radio- und Fernsehsendern.Schiffsunglück auf dem Rhein 08.04.07 (Tag 2) Die Wasserschutzpolizei stellte am Sonntag extra ein Boot für Fotografen und Kameraleute zur Verfügung und hielt diese auf dem Laufenden.

Bei den freiwilligen Feuerwehrleuten, die größtenteils an beiden Tagen freiwillig und unentgeltlich die Bergung unterstützen und sicherten stellte sich zwar langsam ein wenig Frust über das verloren Osterwochenende ein, aber der Wille die Bergung noch an diesem tag erfolgreich abschließen zu können war ungebrochen. Man entschloss sich dazu einen finalen Bergungsversuch umfangreich vorzubereiten und kein Risiko einzugehen. Mit etlichen Stahlseilen und Bandschlingen konnte das Boot an den 2 Kränen fest gemacht werden. Ein weiteres Stahlseil wurde um das Boot von unten herum gezogen. Hierzu war zentimetergenaues manövrieren notwendig. Erst gegen 22 Uhr hob sich das Boot sichtlich an. Die Anspannung war jedoch weiterhin vorhanden. Um vollkommen sicher zu gehen wurden Tauchpumpen ins Boot gelassen um die Innenräume von Wasser zu befreien und damit das Gewicht zu reduzieren.Schiffsunglück auf dem Rhein 08.04.07 (Tag 2) So ging die Bergung in der Dunkelheit nur Zentimeter für Zentimeter voran. Auf dem Feuerlöschboot war mittlerweile auch das Abendessen verköstigt worden. An beiden Tagen versorgte der ASB Ortsverband Mainspitze in Zusammenarbeit mit der FF-Ginsheim-Gustavsburg die Einsatzkräfte mit warmen Essen und Getränken.

Erst gegen 02:00 am frühen Montagmorgen war das Boot vollständig aus dem Wasser gehoben und gesichert. Für alle eine riesige Erleichterung. Mit dem großen Bergungsschiff wurde das Boot nun in den Schiersteiner Hafen gebracht um dort am Montag auf dem Gelände der Schifffahrtsbehörde untersucht zu werden. Damit konnte auch die Schifffahrt auf dem Rhein endgültig wieder aufgenommen werden.

Schiffsunglück auf dem Rhein 08.04.07 (Tag 2)Bei der Untersuchung am Montagmittag durch Staatanwalt, Polizei und Feuerwehr wurden weder der vermisste Schiffkapitän noch Anhaltspunkte für die Unglücksursache gefunden. Augenzeugen berichteten von einer Explosion und aufsteigendem Rauch. Die Polizei konnte diese Aussagen bisher noch nicht bestätigen – auch von Außen waren diesbezüglich keine Anhaltspunkte zu erkennen. Sicher ist nur, dass sich das Boot erst auf den Kopf gedreht hat und dann untergegangen ist, das alles in einem sehr schnellen Zeitraum.

Im Laufe der Woche erhofft man sich, durch Hinzuziehung von Spezialisten, weitere Erkenntnisse über die Ursache. Der Schiffseigner wird weiterhin vermisst. Die Polizei vermutet, dass er innerhalb der nächsten zwei Tage entlang des Rheins aufgefunden wird – seine Frau wird von Psychologen betreut.

Bei neuen Erkenntnissen berichten wir natürlich nach.

61 Bilder von beiden Tagen sind in unserer Galerie zu finden!

[update 10.04.2007 – 20:00 Uhr]
Vor wenigen Minuten veröffentlichte die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse der Untersuchung des Gutachters. Demnach hatte das Boot schon lange vor dem Untergang einen Schaden im Frontbereich und dadurch eine leichte Schräglage. Vermutlich aufgrund von Wellen, die durch entgegenkommende Schiffe erzeugt wurden, liefen wahrscheinlich große Mengen Wasser durch Öffnungen am Deck in den Maschinenraum. In dessen Folge kam es zur Insatabilität des Boots und dann zum Sinken. Bei der Suche nach dem vermissten Schiffseigner wurde inzwischen seine Tasche bei Heidenfahrt gefunden.

[update 16.04.2007 – 16:45 Uhr]
Wie die Polizei heute mitteilte, wurde der vermsiste Mann am Sonntagabend bei Mainz-Mombach tot im Rhein aufgefunden.




Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos:
Video:

Veröffentlichung: 09. April 2007 - 11:23 Uhr
Letzte Aktualisierung: 09. April 2007 - 11:23 Uhr
Tags: