Drei Tote und über 30 Verletzte bei Kohlenmonoxid-Unfall in Mehrfamilienhaus

CO-Unglück Gräselberg 24.11.11Was wie ein alltäglicher Rettungsdienst-Einsatz begann, endete am Donnerstagmorgen in einer Tragödie. Vermutlich durch eine defekte Heizung im Keller und das dadurch ausströmende Kohlenmonoxid (CO) verloren drei Menschen ihr Leben, zwei Kinder schweben in Lebensgefahr, rund 30 weitere Anwohner wurden meist leicht verletzt.

Gegen 7:30 Uhr forderte ein Rettungswagen den Notarzt zu einem medizinischen Notfall nach, wo sich ein 23-Jähriger unwohl fühlte und zwischenzeitlich bewusstlos wurde. Der Notarzt konnte noch vor Ort mit einem Messgerät, das im Rahmen der „Studie zur Bewertung einer möglichen Gefahr durch CO im Einsatz“ auf verschiedenen Einsatzfahrzeugen verladen wurde, eine CO-Vergiftung bei dem Patienten feststellen.

CO-Unglück Gräselberg 24.11.11Üblicherweise hätte dies erst in der Klinik fest gestellt werden können und die akute Gefährdung durch das farblose, geschmacklose und geruchslose Gas wäre unerkannt geblieben. So aber wurde die Berufsfeuerwehr Wiesbaden alarmiert, die sofort Messungen unter Atemschutz durchführten.

Dabei wurden so hohe CO-Werte gemessen, dass das Mehrfamilienhaus umgehend evakuiert wurde. Alle Bewohner wurden mithilfe eines weiteren Notarztes und eines Rettungswagens auf eine CO-Vergiftung untersucht. Als die Wohnung über der Wohnung des ursprünglichen Einsatzes gewaltsam geöffnet wurde, fanden die Einsatzkräfte fünf bewusstlose Personen.

Sofort wurde der 41-jährige Mann, seine 34-jährige Frau und drei Kinder mit mehreren Atemschutztrupps ins Freie gebracht und Reanimationsmaßnahmen von Rettungsdienst und Feuerwehr eingeleitet.CO-Unglück Gräselberg 24.11.11 Ergänzend dazu wurden alle weiteren Löschgruppenfahrzeuge der Berufsfeuerwehr und weitere Rettungswagen und Notärzte nachalarmiert. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits der Leitende Notarzt und Organisatorische Leiter Rettungsdienst vor Ort.

Die leicht verletzten und teils geschockten Bewohner konnten im Bus der Feuerwehr betreut und untersucht werden. Hierzu war die Schnelleinsatzgruppe Betreuung des ASB und Notfallseelsorger alarmiert worden. Mit rund einem Dutzend Atemschutztrupps wurden alle Wohnung des zusammenhängenden Wohnblocks durchsucht und evakuiert.

Zwischenzeitlich hatten die Retter den Kampf um die Leben der geretteten Eltern und des 14-jährigen Kindes verloren. Die beiden anderen Kinder im Alter von 5 und 11 Jahren konnten mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Zusätzlich wurden drei weiteren Personen mittelschwer verletzt. Eines der Kinder und die drei Personen aus der Wohnung des ursprünglichen Einsatzes wurden noch am gleichen Tag im Druckkammerzentrum Wiesbaden behandelt.

Im Bus waren 28 Personen als Leichtverletzte geführt und betreut. Für die Verletzten waren zeitweise zwölf Rettungswagen und vier Notärzte vor Ort. Auch von der Feuerwehr kamen noch der Abrollbehälter Atemschutz und die Freiwillige Feuerwehr Biebrich zur Einsatzstelle, die von der Polizei weiträumig abgesperrt wurde. Die Berufsfeuerwehrwachen wurden während dem Einsatz von den Feuerwehren Breckenheim, Kastel und Stadtmitte besetzt. Zusätzlich war die IuK-Unterstützungsgruppe alarmiert worden um die Arbeit in den Räumen der Leitstelle zu unterstützen.

CO-Unglück Gräselberg 24.11.11Nach über zwei Stunden konnte die Einsatzstelle an die Kriminalpolizei übergeben werden, während sich Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller an der Einsatzstelle ein Bild von der Lage machte. Insgesamt waren rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst mit knapp 30 Fahrzeugen vor Ort.

Als Ursache wird derzeit ein defektes Abluftrohr der Zentralheizung im Keller vermutet, die näheren Untersuchungsergebnisse stehen jedoch noch aus. Die Hausbewohner aller drei geräumten Wohnhäuser konnten am Donnerstag nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Heizungsanlage konnte noch nicht wieder in Betrieb genommen werden, da noch weitere Überprüfungen notwendig sind.

Wie dieses Unglück ohne die von der Studie initiierten Sensibilisierung mit einer Vortragsreihe, die Ausstattung mit zusätzlichen Mess- und Warngeräten und dem „Alarmplan-CO“ geendet hätte, ist unklar. Sicher ist jedoch, dass nur so schnell und gezielt gehandelt und damit auch Menschenleben gerettet werden konnten.

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Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 24. November 2011 - 11:11 Uhr
Letzte Aktualisierung: 12. November 2014 - 09:21 Uhr
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