Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit in der Brandschutzerziehung

Deutsch-Amerikanische BrandschutzerziehungDass die Brandschutzerziehung im deutschen Feuerwehrwesen eine der wichtigsten Aufgaben im präventiven Engagement ist, stellt schon lange niemand mehr in Frage. Kinder müssen früh lernen, wie sie sich bei einem Brand zu verhalten haben und wie sie im Notfall schnell Hilfe holen. Die amerikanischen Schulen im Stadtgebiet von Wiesbaden kommen – noch – kaum in den Genuss dieser wichtigen und spannenden Maßnahme.

Eine Ausnahme macht die Grundschule Aukamm Elementary School, bei der sich die Feuerwehr Wiesbaden bereits seit 2004 an Erlebnistagen und Projektwochen beteiligt. Initiiert wurde die Partnerschaft durch den Berufsfeuerwehrmann Sven Janneck, der u.a. mit einer US-Amerikanerin liiert war und den amerikanischen Freunden als Fußballtrainer zur Seite stand.

So ist es möglich, dass sich die Feuerwehr Wiesbaden beim jährlichen Erlebnistag, dem „Field Day“ der Schule präsentiert und „Feuerwehr zum Anfassen“ bietet. Neben Ausstellungen werden auch immer wieder Vorführungen zusammen mit dem Rettungsdienst oder der Höhenrettungsgruppe geboten.

Deutsch-Amerikanische BrandschutzerziehungDies ist keine Selbstverständlichkeit, da dieses Engagement in der Freizeit der Feuerwehrleute geplant und durchgeführt wird. Doch für Sven Janneck und seine Kollegen ist es Ehrensache, auch hier Brücken zwischen den zwei Nationen zu schlagen, die in einer Stadt leben.

Ein ganz besonderes Erlebnis – für Schüler wie Feuerwehrleute – ist jedoch die Projektwoche der Schule, in der alle Schulklassen im Brandschutz unterrichtet werden. Nachdem die Lehrerin oder der Lehrer komplett in die deutsche Feuerwehr-Einsatzkleidung gepackt ist, bekommen die Schülerinnen und Schüler gezeigt, wie sie mit einer Fluchthaube aus einem verqualmten Haus gerettet werden würden und sehen am Rauchhaus, wie sich Rauch im Gebäude ausbreitet.

Meist hält Sven Janneck selbst den Unterricht, denn der findet ausschließlich auf Englisch statt. „Das trauen sich viele Kollegen noch nicht zu, weil ihnen hier die Routine mit der Sprache fehlt“, erklärt er. Auch die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Rettungswesen müssen bekannt sein.

Die andere Bauweise der Häuser, die Verfügbarkeit des Notarztes oder auch die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist ist vielen Kindern natürlich nicht bewusst. Am schwierigsten wird es beim Notruf: Auf dem amerikanischen Gebiet wird die 117 als Notrufnummer für Feuerwehr und Rettungsdienst veröffentlicht. Dies funktioniert jedoch nur, wenn es sich um eine militärische Telefonleitung (eine sogenannte DSN Line) handelt. In Deutschland ist für sämtliche Mobiltelefone die zivile amerikanische Notrufnummer 911 so geschaltet, dass sie automatisch auf die europaweite Notrufnummer 112 umgeleitet wird.

Deutsch-Amerikanische BrandschutzerziehungNatürlich übt Janneck den Notruf auch mit den Kindern, wo jedoch schon das nächste Problem auftritt: Auf dem amerikanischen Gebiet haben die Gebäude zusätzlich zur üblichen Wohnadresse auch fünfstellige Nummern, die intern verwendet werden, für deutsche Einsatzkräfte jedoch kaum auffindbar sind.

Um den Kindern bei einem Notfall eine schnelle Hilfestellung zu geben, werden durch einen privaten Hausmeisterservice Notrufkarten gesponsert. Auf diesen Karten können die Kinder die Notrufnummern ablesen sowie weitere wichtige Informationen notieren und sie griffbereit am Kühlschrank, der Pinnwand der Amerikaner, anbringen.

Alles in allem macht die Brandschutzerziehung für Amerikaner in Sven Jannecks Augen – abgesehen von der anderen Sprache – keinen großen Unterschied zu seiner Arbeit mit deutschen Vorschul- und Grundschulkindern: „Die Fragen der Kinder sind eigentlich die gleichen“. Was er jedoch immer wieder feststellt und auch genießen darf, ist der Heldenstatus der Feuerwehrleute in Amerika. Während deutsche Rettungskräfte bundesweit eine zunehmende Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft an Einsatzstellen beklagen, spüren Janneck und seine Kollegen fast schon Ehrfurcht von Kindern wie Erwachsenen: „Man ist dort ein richtiger Held und wird jedes Jahr von fast allen sofort wieder erkannt, das macht die Sache noch schöner.“

Die Arbeit wollen alle Beteiligten weiter machen. Die Amtsleitung der Berufsfeuerwehr unterstützt die jährliche Anfrage der Grundschule mit großer Freude und die Kontakte wachsen. Dennoch wünscht sich Sven Janneck, dass diese Kooperation auch auf andere amerikanische Schulen in Wiesbaden ausgebreitet wird – schließlich ist auch die bilaterale Brandschutzerziehung eine Art der Integration.

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Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Sven Janneck/Berufsfeuerwehr Wiesbaden
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Veröffentlichung: 22. August 2013 - 17:10 Uhr
Letzte Aktualisierung: 22. August 2013 - 17:10 Uhr
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