„Der einzelne Mitarbeiter muss gefordert und gefördert werden“ – Der neue Personalrat der Berufsfeuerwehr Wiesbaden im Interview

Seit Mai 2011 gibt es in Deutschland eine eigene Gewerkschaft für Feuerwehrleute – die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DfeuG). Bei der letzten Personalratswahl in Wiesbaden fand die neue Gewerkschaft großen Zuspruch. Mit 82 % der Stimmen hat die DfeuG nun sieben der neun Stimmen im Perosnalrat besetzt.

Wir haben den neuen Vorstandvorsitz zum Interview geladen und veröffentlichen das Interview im Wortlaut:

Stellen Sie sich als neuer Vorstand kurz vor.

Der neue Vorsitz des Personalrates der Berufsfeuerwehr Wiesbaden setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden und gleichzeitig freigestelltem Swen Kalowsky und seinem Stellvertreter Dirk Ruzicka. Beide gehören der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft an und haben dort ebenfalls Positionen im Vorstand inne.
Beide waren bisher als Oberbrandmeister im Einsatzdienst der Berufsfeuerwehr Wiesbaden aufder Feuerwache 3 eingesetzt.

Die DFeuG hat die Wahl zum Personalrat 2012 gewonnen, nachdem sie mit dem Slogan „Das Licht am Ende des Tunnels“ geworben hat. Was bedeutet das? Warum war es Dunkel und wo ist das Ende?

Das Licht am Ende des Tunnels war unser Wahlslogan, weil sich in den vergangenen Jahren eine große Unzufriedenheit unter den Feuerwehrbeamten breitgemacht hatte, die sich in Klageverfahren niederschlug, die bis Heute andauern. Das Ende kann aus unserer Sicht nur der Abschluss der Gerichtsverfahren und die damit gewonnenen Rechtsicherheiten sein, auch gilt es in vielen Bereichen nachzusteuern. Wie genau das Aussehen wird, werden Mitarbeiterbefragungen in den kommenden Monaten zeigen, aufgrund deren Ergebnissen wir unsere ..Marschrichtung“ festlegen werden. Wichtig hierbei sind der Zusammenhalt der Mitarbeiter und keine falsche Scheu Probleme anzusprechen.

Die DFeuG ist erst 2011 gegründet worden und hat nun mit 82% der Stimmen in Wiesbaden gewonnen. Was bedeutet das für den Vorstand und die DFeuG?

Der Erfolg der DFEUG liegt zum einen in der Basisnähe und der Tatsache, dass man hier eine Gewerkschaft geschaffen hat ,,von Feuerwehrleuten für Feuerwehrleute“. Diese Basisnähe ermöglicht es zielgerichtet zu arbeiten und nicht als ,,Anhängsel“ an großen Gewerkschaften an die dortigen Strukturen gebunden zu sein. Zumal sich viele Kollegen von den beiden großen Gewerkschaften Verdi und Komba nur sehr unzureichend vertreten sehen. Wie sinnvoll kleine fachspezifische Gewerkschaften sind zeigen ja eindeutig die Beispiele der GDL, der Gewerkschaft der Lokführer, oder des Marburger Bundes, oder der GDP um nur einige zu nennen. Der großartige Wahlerfolg mit 82 % der Stimmen bei den Beamten zeigt daher klar und deutlich, dass in Wiesbaden Veränderungen her mussten, die nun auf den Weg gebracht werden. Sicherlich werden einige Dinge einige Zeit brauchen, aber wir sind guter Dinge gemeinsam mit der Amtsleitung und der Politik Wege zu finden, die den Beamten der BF Wiesbaden zugute kommen werden.

Worin sehen Sie die Bedürfnisse des Personals der Berufsfeuerwehr?

Die Bedürfnisse des Personals der BF Wiesbaden sehen wir darin, im Rahmen der Dienstvereinbarungen einen Dienst zu leisten, der es ermöglicht bis zum Erreichen der Pensionsgrenze im Dienstverhältnis zu verbleiben. Der einzelne Mitarbeiter muss gefordert und gefördert werden, es müssen Aufstiegschancen für jeden Mitarbeiter bestehen und das Ganze muss mit den dienstlichen Erfordernissen und Belangen harmonieren.

Was wollen Sie konkret ändern? Und – viel wichtiger – wie wollen Sie das?

Wir wollen die Information des Mitarbeiters durch Aushänge auf den Wachen und durch persönliche Besuche auf den Wachen verbessern. Der Mitarbeiter soll über ,,Kummerkästen“ die Möglichkeit bekommen sich aktiv in die Arbeit des Personalrates einzubringen. Wir wollen das ,,Wir-Gefühl“ wieder steigern und den Arbeitsplatz BF Wiesbaden wieder attraktiver und zufriedenstellender machen. In Verbindung mit der Amtsleitung und dem Feuerwehrdezernenten wollen wir die Arbeitszeit und deren Gestaltung verbessern und die Chancen auf eine Weiterbeschäftigung im AMT 37 für feuerwehruntaugliche Mitarbeiter verbessern um nur zwei der wichtigsten Punkte zu nennen.

Personalräten wird oft vorgeworfen mit viel heißer Luft zu arbeiten. Wie wollen Sie zeigen, dass Sie Veränderung bringen können?

Wir wollen uns an unserer Leistung messen lassen. Man möge uns zu Anfang eine gewisse Zeit einräumen. Selbstverständlich werden wir eine sinnvolle und zielorientierte PR Arbeit bieten, dies wird uns ermöglicht über unsere Vernetzungen innerhalb der DFEUG, durch unsere Partner, die uns beraten und die Tatsache, dass wir einen eisernen Willen besitzen. Wir werden Einiges verbessern können.

Was wünschen Sie sich – von Politik, Amtsleitung und den Beschäftigten für die Zukunft?

Wir wünschen uns von der Politik, dass sie die Feuerwehr Wiesbaden mit all ihren Abteilungen mit einem vernünftigen Finanzrahmen ausstattet um das Niveau der Feuerwehr Wiesbaden, was bauliche Anlagen, Fahrzeuge und die personelle Ausstattung betrifft halten zu können, trotz der schwierigen finanziellen Lage. Natürlich würden wir uns freuen, wenn man unsere Arbeit und die der Kollegen, gleich in welchem Bereich der Feuerwehr Wiesbaden, würdigt und anerkennt.
Von der Amtsleitung wünschen wir uns eine vertrauensvolle, zielorientierte und von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit.
Von den Beschäftigten wünschen wir uns, dass man uns eine gewisse Zeit einräumt und in manchen Dingen ,,etwas geduldig“ ist, denn nicht alles werden wir sofort Hier und Jetzt ändern können. Wir werden aber ,,dranbleiben“ egal um was es geht. Desweiteren würden wir uns freuen, wenn die Mitarbeiter den Weg ins Personalratsbüro finden und sei es nur auf eine Tasse Kaffee und einen kurzen Smalltalk.

Das Interview führte Michael Ehresmann (Wiesbaden112) mit Swen Kalowsky und Dirk Ruzicka (beide DFeuG)

Dirk Ruzicka (l.) und Swen Kalowsky (r.)




Redaktion: Michael Ehresmann
Fotos: Michael Ehresmann
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Veröffentlichung: 19. Juni 2012 - 11:11 Uhr
Letzte Aktualisierung: 19. Juni 2012 - 11:11 Uhr
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