Das Unwetter-Spezialfahrzeug: Vom Rüstwagen zum „Gerätewagen-Unwetter“

(sst) Vier Rüstwagen (RW1), die bisher bei den Freiwilligen Feuerwehren in Wiesbaden stationiert waren, konnten von der Stadt aus dem Katastrophenschutz des Bundes übernommen werden. Für die Technische Unfallhilfe wurden diese wegen unvollständiger Beladung jedoch nur noch begrenzt genutzt. Zwei Fahrzeuge mussten auf Grund des Alterszustandes ausgesondert werden. Die beiden verbliebenen Rüstwagen konnten in Eigenregie von der Berufsfeuerwehr umgebaut werden. Mit ihrer umfangreicher Ausstattung sind sie nun „Unwetter-Spezialfahrzeuge“.

Mit umfangreichem Werkzeug und Spezialgeräten zur technischen Hilfeleistung, wie einem Schweißgerät, Hebekissen und einem hydraulischen Rettungssatz waren die zwei Rüstwagen 1 auf einem Unimog-Fahrgestell und zwei Rüstwagen 1 auf einem MAN-VW-Fahrgestell bei den Freiwilligen Feuerwehren in Bierstadt, Breckenheim, Kloppenheim und Schierstein stationiert. Doch mit den Jahren verloren sie immer mehr ihren eigentlichen Einsatzzweck. Für Verkehrsunfälle waren sie in der Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) der Feuerwehr Wiesbaden nicht vorgesehen und auch an den verladenen Gerätschaften nagte der Zahn der Zeit. Rettungsschere und -spreizer waren aufgrund der TÜV-Prüffristen bereits unvollständig und auch das Schweißgerät, die Hebekissen und zahlreiche andere Geräte konnten nicht mehr benutzt werden, da Zubehörteile nicht mehr ersetzt wurden.

Unabhängig voneinander machten sich einige der Freiwilligen Feuerwehren und die für die Geräteprüfung zuständigen Mitarbeiter der Feuerwache 3 Gedanken, wie die Rüstwagen sinnvoll eingesetzt werden könnten. Die Fahrzeuge für Einsätze auf Autobahnen oder für Ölspuren umzubauen, waren einige der Ideen. Im September 2009 wurde sich auf das Konzept, die Rüstwagen zu „Unwetterautos“ umzugestalten, geeinigt. Nach einer Prüfung der Fahrgestelle durch die KFZ-Werkstatt der Berufsfeuerwehr, mussten die beiden RW1 auf MAN-VW-Fahrgestell außer Dienst gestellt werden. Ihr Aufbau war durchgerostet. Die anderen beiden RW1 auf Unimog-Fahrgestell konnten für den Umbau freigegeben werden. Allerdings war klar, dass für die Umrüstung aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Fahrzeuge keine großen Investitionen getätigt werden.

Mit ihrem Konzept des Unwetterfahrzeugs vor Augen bauten Frank Liese und seine Kollegen der Feuerwache 3 in der freien Zeit zwischen den anstehenden Geräteprüfungen zunächst den Schiersteiner Rüstwagen um. Innerhalb einer Woche wurden die Geräteräume ausgemessen, Bleche herausgenommen, zugeschnitten und an anderer Stelle wieder eingesetzt. Gerätewagen Unwetter 2010Auch die Auszüge für die Gerätekisten wurden angepasst. Die Geräteräume wurden thematisch geordnet und Gerätekisten angeschafft, in die auch das entsprechende Zubehör passt. „Viele Details haben sich erst während dem Umbau ergeben, so haben wir einzelne Fächer nochmal getauscht oder angepasst“, berichtet Frank Liese. Einige Verbesserungstipps kamen dann noch von den freiwilligen Feuerwehren selbst.

Um den Umbau so kostengünstig wie möglich umsetzten zu können, wurden Geräte von ausrangierten Fahrzeugen übernommen. So verfügen die beiden Gerätewagen-Unwetter nun auch über vier Steckleiterteile. Von einem alten LF 16-TS wurde ein Schlauchregal umgebaut und auch die freiwilligen Feuerwehren steuerten Gerätschaften, wie beispielsweise jeweils zwei Nass- und Trockensauger, bei. Die für Unwetter wichtige Beladung, wie Motorsäge, „I-Sauger“ und Tauchpumpen sind in doppelter Ausführung verlastet. „So können Gerätschaften an einer Einsatzstelle abgegeben werden und trotzdem noch eine eigene Einsatzstelle abgearbeitet werden“, erläutert der Schiersteiner Frank Liese. Geblieben sind dem Fahrzeug die umfangreiche Werkzeugausstattung und auch die Winde, mit der beispielsweise Bäume beiseite gezogen werden können. Auch ein Leerfach zum Transport von Kleidung, Gerätschaften oder dreckigen Schläuchen wurde eingeplant.

Im Januar 2010 war der Umbau an dem 25 Jahre alten Rüstwagen abgeschlossen und der „Gerätewagen Unwetter“ (GW-U) war geboren. Während der komplette Umbau ohne zusätzliche Kosten vorgenommen werden konnte, wurden lediglich neue Gerätekisten für die verschiedenen Geräte und das jeweilige Zubehör mit geringen Mitteln beschafft.

Die Funkrufnamen „Florian Wiesbaden 24/51“ (Schierstein) und „Florian Wiesbaden 32/51“ (Breckenheim), deren Kennung für ein Rüstwagen 1 steht, blieb allerdings. Auch in der Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) werden die Fahrzeuge nicht gesondert beachtet. Im Leistellenrechner sind sie aber als Gerätewagen Unwetter mit ihrer Beladung vermerkt, sodass diese entsprechend eingesetzt werden können. Ihre ersten Einsätze durften die beiden Gerätewagen bereits kurz nach dem Umbau erleben. Beim Sturm „Xynthia“ konnten bereits einige Einsatzstellen mit den Fahrzeugen alleine abgearbeitet werden.

Flickr Album Gallery Pro Powered By: Weblizar

Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos:
Video:

Veröffentlichung: 05. Dezember 2010 - 14:56 Uhr
Letzte Aktualisierung: 20. Dezember 2015 - 14:20 Uhr
Tags: