Aktion „Kopf frei“ gestartet – Laufaktion macht bundesweit auf Traumabelastungen nach Einsätzen aufmerksam

Stefan Reinartz, 22, ist selbst seit zwölf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Im Alter von elf Jahren musste die Jugendfeuerwehr, in der er damals aktiv war, eine Hubschrauberlandeabsicherung nach einem unglücklichen Fallschirmsprung im Rahmen einer WM-Party übernehmen – die Schreie des schwerverletzt am Boden gelandeten Fallschirmspringers hat er bis heute im Ohr. Ein Beispiel von vielen – denn wenn das Blaulicht nach einem Einsatz ausgeht, bleiben die Bilder, Gerüche, die Geräusche, die Emotionen und das Erlebte in Erinnerung – oft Jahrelang.

Die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg, vertreten durch Alois Heun, sowie der Kreisfeuerwehrverband Limburg-Weilburg, für den unter anderem Thomas Schmidt auf die Aktion aufmerksam machte, unterstützen die Aktion „Kopf frei“ des Kameraden Stefan Reinartz, der heute in der Feuerwehr Niederselters im Taunus aktiv ist. Kameradschaft in der Feuerwehr ist lebenswichtig – aber eben auch dafür da, Kameraden nach traumatischen Erlebnissen nicht alleine zu lassen. So können sich Traumata auch nach langer Zeit zeigen – ein Geruch, ein Geräusch, ein Bild – Momente, die schlagartig in die Situation zurückversetzen und die Teilnahme am normalen Leben nicht mehr möglich machen – hier ist einerseits professionelle Hilfe gefragt und andererseits aufmerksame Kameraden oder Familienangehörige, die dann aktiv werden – Wie Alois Heun im Gespräch betont, denn nicht aufgearbeitete Einsatzerlebnisse können sich aufstauen und dann urplötzlich aufbrechen. Nicht rechtzeitig bemerkt und behandelt trieb dies sogar einen der Kameraden Stefan‘s ehemaliger Wehr in den Selbstmord – seine Kameraden haben ihn dann geborgen.

Grund genug für Stefan Reinartz aktiv zu werden und mit seinem Bruder Jens in Hamburg-Osdorf sowie einer Kameradin des Roten Kreuzes in Waibstadt (Baden-Württemberg) die Aktion ins Leben zu rufen. Ziel der Aktion ist es, nicht nur die Einsatzkräfte sondern auch die Bevölkerung auf das Thema Traumabelastungen nach Einsätzen der Hilfsorganisationen und Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben aufmerksam zu machen. Die Aktion „Kopf frei“ lädt alle Hilfsorganisationen herzlich ein, sich daran zu beteiligen – nach der Teilnahme, die durch einen kleinen Videobeitrag in den sozialen Netzwerken dokumentiert wird, können jeweils drei (oder mehr) Hilfsorganisationen nominiert werden, die zur Teilnahme eingeladen werden. Ziel ist es, möglichst viele Menschen durch diese Aktion auf das Thema aufmerksam zu machen.

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Redaktion: Sebastian Stenzel
Fotos: Peter Ehrlich/FOTO-EHRLICH.de
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Veröffentlichung: 17. Juli 2017 - 9:55 Uhr
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2017 - 9:57 Uhr
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